31.10.05

Staatliches Schulsystem zementiert Klassengesellschaft

Die soziale Herkunft entscheidet in Deutschland immer stärker über den Schulerfolg eines Kindes.

Die dpa meldet als Ergebnis des zweiten Bundesländer-Vergleichs der Pisastudie, daß selbst bei gleichem Wissensstand und Lernvermögen ein 15 Jahre alter Schüler aus reichem Elternhaus eine vier Mal größere Chance hat, das Gymnasium zu besuchen und das Abitur abzulegen, als ein Gleichaltriger aus einer ärmeren Familie. Insgesamt sei der Wissensvorsprung der 15 Jahre alten Schüler aus Akademikerfamilien im Vergleich zum ersten Test im Jahr 2000 sogar noch gestiegen. In Mathematik und Naturwissenschaften sind Akademikerkinder Gleichaltrigen aus Arbeiterfamilien mehr als 100 Pisa-Punkte voraus, was einem Unterschied von mehr als zwei Schuljahren entspricht.

Je höher das Einkommen, desto höher der Bildungsgrad, die gesellschaftlichen Eliten reproduzieren sich selbst. Das dreigliedrige staatliche Bildungssystem ist ein Abbild der Klassengesellschaft, Gleichheit der Chancen eine Illusion. Mit dem bisherigen Schulsystem lässt sich diese offensichtlich nicht gewährleisten.

27.10.05

Lebendig werdende Kunst, Wissenschaft und Religion

Was ist eigentlich Waldorfpädagogik?

Die kürzeste Formel, mit der diese Frage beantwortet werden kann, stammt von Rudolf Steiner. In seinem Einführungskurs für die ersten Lehrer der Stuttgarter Schule fasste er das Anliegen dieser Pädagogik in den Satz, sie sei lebendig werdende Wissenschaft, Kunst und Religion. Dieser Satz schließt eine doppelte Bedeutung in sich. Durch die Lehrer sollen Kunst, Wissenschaft und Religion für die Schüler lebendig werden. Aber sie werden auch lebendig durch die Schüler und Schülerinnen. Denn in ihnen lebt weiter und entwickelt sich fort, was von den Lehrern an Wissenschaft, Kunst und Religion vermittelt wird. Die lebendige Kette der Kultur, die die Generationen verbindet, wird in der Schule geschmiedet. Was den Kindern nicht an religiösen Gefühlen, künstlerischem Empfinden und wissenschaftlichem Interesse vermittelt werden kann, fehlt später der Gesellschaft, in der sie leben. Eine Gesellschaft ohne religiöses Leben, ohne Kunst und ohne Wissenschaft wäre keine menschliche Gesellschaft. Die Religion lehrt uns die Ehrfurcht vor dem, was über uns ist, die Kunst die Ehrfurcht vor dem, was neben uns ist und die Wissenschaft die Ehrfurcht vor dem, was unter uns ist.