Skizzenhafter Überblick über die zu entwickelnden höheren Wesensglieder des Menschen:
Manas und im besonderen Buddhi.


Heide Oehms


Für den Geistesschüler ergeben sich mannigfaltige Fragen und aus diesen folgen Notwendigkeiten.
Eine dieser Fragen soll hier herausgegriffen und der Versuch unternommen werden, sie von verschiedenen Gesichtspunkten zu ergründen.

Ebenso wie es wichtig ist, sich eine genaue Kenntnis über die Eigenschaften und Funktionen der Chakren zu verschaffen und diese immer wieder ins Bewußtsein zu heben, ist es notwendig, sich über die Beschaffenheit und den Ursprung der zu entwickelnden höheren Wesensglieder klar zu werden.
Die Chakren sind Organe des Astralleibes. Durch deren bewußte Entwicklung gestaltet sich dieser zum Geistselbst um.

In der außeranthroposophischen esoterischen Bewegung wird oftmals angenommen, eine bloße Harmonisierung, die zudem über die entsprechenden Körperorgane vorgenommen wird, sei schon ausreichend für eine Höherentwicklung. In der Tat kann durch solche Maßnahmen, die vermutlich nicht schädlich sind, eine gewisse Hellsichtigkeit erreicht werden. Es erhebt sich die Frage nach dem Ziel der geistigen Entwicklung und nach dem Nutzen der Hellsichtigkeit.

Rudolf Steiner unterscheidet zwischen Bauch- und Kopfhellsehen (1): nur ein durch die oberen Geistorgane erworbenes Hellsehen hat auch für zukünftige Inkarnationen Bedeutung, kann als geschulte Fähigkeit in die Zukunft hineingetragen werden, wogegen das eher unkontrolliert auftretende Organ- und Farbwahrnehmen -auch dumpfe Ahnungen- durchaus für die Gegenwart eine Bedeutung haben kann, nicht etwa schädlich ist, aber kein Ergebnis einer Höherentwicklung darstellt. Um diese zu erreichen,erscheint es unerläßlich, willensartig mit Bewußtseinsklarheit an der Ausbildung der höheren Wesensglieder zu arbeiten.

Wie nun und wodurch werden bleibende Fähigkeiten erworben? Wie kann eine Vorstellung über die Beschaffenheit und Eigenschaften dieser höheren Wesensglieder und über die gezielt zu ergreifenden Maßnahmen zur Ausbildung derselben gewonnen werden?

Und wie ist diese menschliche Organisation in früheren Entwicklungsepochen vorbereitet worden?

An welche Grundlagen können wir anknüpfen?

Am Beispiel des Lebensgeistes, gleichbedeutend verwendet wie Buddhi, soll versucht werden,diesen Fragen nachzugehen.

Die erste Anlage zum Lebensgeist wurde dem menschlichen Vorfahren auf der Sonnenstufe der planetarischen Entwicklung zugleich mit dem Lebensleibe eingepflanzt.

Der Mensch erscheint dort wie eine als Persönlichkeit wirkende Pflanze. (2)

Das regelmäßige, gesetzmäßige Wachstum zeichnet die Pflanzen aus. Der mittlerweile viel höher entwickelte menschliche Ätherleib ist außer,daß er die Wachstumskräfte reguliert,auch Träger des Gedächtnisses und der Phantasiekräfte. Als höhere Ausgestaltung trägt er seit der griechischen Epoche die Verstandesseele in sich. Diese wiederum ist dazu berufen, mit Hilfe der Bewußtseinsseele den Keim der Buddhi zum Lebensgeist um- zugestalten.

Im Gegensatz zum Astralleib, den man eher als gesetzlos oder zumindest als Gesetzesbrecher erleben kann, zeichnet sich der Lebensleib vor allen Dingen durch Gesetzmäßigkeit aus. So kann man diejenigen Maßnahmen, die frühere Kulturen ergriffen haben,um die Menschen zur Gesetzeseinhaltung anzuregen, eher der Erziehung des Astralleibes und im besonderen der Empfindungsseele zuorden, da diese Wesensglieder aus ihrer Natur zur Maßlosigkeit neigen.

Wodurch aber wurde der Lebens- und Gesetzesträger in uns zur weiteren und feineren Ausgestaltung angeregt?

Eine Rückschau in atlantische Zeit könnte zur Illustration beitragen. Deshalb möchte ich diese Eindrücke hier teilweise wiedergeben: Es mag vor etwa dreißigtausend Jahren gewesen sein, als ein Eingeweihter des Sonnenmysteriums den Auftrag von Manu (Noah) erhielt, ein zur Erziehung im Heiligtum geeignetes Kind aus dessen Familie abzuholen. Weite Strecken ging das etwa zehn Jahre alte Mädchen an der Hand des Mannes über warmen sandigen Boden, bis sich ein für das Kind nie erahnter Anblick bot. In wunderbarem Farbenschimmer tauchten aus der Ferne die Kuppeln einer Tempelstadt auf.

Aus der Nähe gesehen, wirkten die Gebäude noch phantastischer. Nicht aus festem Material sondern aus zartem Äthergewebe schienen die Gebäude zu bestehen.

Das kleine Mädchen wurde freudig von seinen älteren Brüdern begrüßt und in die große Schar der Schüler und Schülerinnen aufgenommen.

Es begann nun eine intensive Schulung, die zu einem großen Teil darin bestand,daß mit dem Erscheinen der Sonne über dem Horizont die jungen Menschen durch ihre Priesterlehrer in Prozessionen und Reigentänzen, begleitet von Musik, über ganz bestimmte Wege geführt wurden.

Die Wege waren durch große Steine befestigt, wirkten wie Grundmauern,auf denen dann, hervorgerufen durch die Rhythmen, die Ätherarchitektur sich bildete und durch tägliche Wiederholung erhalten wurde. Unter der Ätherkuppel im Mittelpunkt der Anlage befand sich die Wohnstatt des Manu. Dieser verließ - soweit es beobachtet werden konnte - niemals seinen Ort und war auch nur den Eingeweihten des Mysteriums wahrnehmbar. Sie standen mit ihm in ständiger geistiger Verbindung, empfingen von dort Weisungen und Impulse, die sie an die Priester und Schüler auf magische Weise weiterlenkten. Ein großer Teil des Tages war angefüllt mit diesen kultischen Gebärden, die Wort, Gesang, Tanz, Architektur, Plastik und Malerei in sich vereinten. Die Grundstruktur, die dadurch einerseits in die Außenwelt eingeprägt wurde,schrieb sich ebenso in die Ätherleiber ein,wodurch wiederum auf den Keim von Buddhi eingewirkt wurde.

Aus diesem Zeitabschnitt sind weitere Zusammenhänge erforscht, die das gewählte Thema nur wenig berühren, aber für manchen Leser von Interesse sein könnten. Deshalb sollen sie hier angedeutet werden.

Zu dieser Zeit begannen kriegerische Angriffe schwarzmagischer Volksstämme gegen das Sonnenorakel.

Es wurde notwendig, eine geeignete Abwehr zu entwickeln,um den gewaltigen Anstürmen nicht zu unterliegen. Einer der hohen Eingeweihten erfand ein Verfahren, die Ätherkraft von Pflanzensamen mit bestimmten Elementarwesen zu verbinden,wodurch Steinfahrzeuge durch die Luft bewegt werden konnten.Von dort aus konnten die Verteidiger die Angreifer besiegen.

Es geht daraus hervor, daß natürlich auch ganz andere Fähigkeiten als die zuerst beschriebenen ausgebildet wurden.Das betraf aber nur eine kleine Gruppe dazu befähigter Menschen.

In den folgenden Jahrtausenden erlebte die atlantische Kultur vielfache Veränderungen und Verirrungen, die dann vor etwa elftausend Jahren zum endgültigen Untergang führten.

Doch einige Jahrtausende zuvor wurden schon erste Delegationen unter der Führung dazu befähigter Eingeweihter gen Osten gesandt, um die Geheimnisse des Sonnenorakels für zukünftige Kulturen zu bewahren. Einer dieser Führer war der spätere Parzival, wie auch viele Angehörige der späteren Gralsmysterien zu der karmischen Gruppe des Sonnenorakels gehörten.

Erste nachatlantische Zeit

Als Noah in Indien die neue Kultur begründete, traf er schon auf ein vorbereitetes Land. Derjenige,welcher in der Bibel Sem genannt wird, empfing nun von Manu das höchste Amt der geistigen Führung der nachatlantischen Kulturen.

Manu-Noah wirkte durch Sem, die sieben Rishis vorbereitend, um die hochentwickelten Ätherleiber der sieben Führer der atlantischen Orakel in diese einzuprägen, (3) in einer besonderen Weise auf diese ein: Vor Sonnenaufgang versammelten sich die sieben Söhne (4) Sems und seiner auserwählten Frau um ihre Eltern und den hinter diesen stehenden Manu-Noah. Die Gesichter gen Osten gewandt, erwarteten sie die Sonne, um in einem kosmischen Ritual Ätherströme in ganz bestimmten Strukturen eingeprägt zu erhalten. Durch diese besondere Präparierung der Lebensleiber bekam der Keim des Lebensgeistes die Urform zur Verstandesseele veranlagt. Durch regelmäßige Wiederholung dieser Kulthandlung wurden die sieben Rishis befähigt, die hohe, bis in die heutige Zeit nachwirkende weisheitsvolle indische Kultur und Philosophie zu inaugurieren. (5)

In persischer Zeit war es Zarathustra, in welchem Sem wirkte, um den Empfindungsleib zu gestalten - was hier nur kurz angedeutet werden soll.Die ägyptische Kultur wurde von dessen Schüler Hermes Trismegistos, dem späteren Parzival, in dem der wohlvorbereitete Astralleib des Zarathustra wirkte, begründet. Während dieser Zeit wurde im besonderen an der Ausbildung und Verfeinerung der Empfindungsseele gearbeitet.

In Moses offenbarte sich der Ätherleib Zarathustras.

Er hatte die Aufgabe, das durch Abraham Grundgelegte zur Ausbildung zu bringen. Deshalb ist es notwendig,in Erinnerung zu bringen,welches der Grundimpuls der abrahamitischen Kultur war.

Es gibt eine Aussage Rudolf Steiners,in der er diese Kultur als diejenige bezeichnet, die einen großen Wert auf das Menschlich-Persönliche legt. Bei den Patriarchen treten Eigenschaften, wie List und Verschlagenheit auf: "Es ist die Wirklichkeit, aus der sich unsere gegenwärtige Kultur entwickelt;sie ist auf den Verstand und die Habsucht gegründet." (6) An anderer Stelle führt Rudolf Steiner aus, daß Abraham diejenige Individualität ist, die als erste ein solches Gehirn hat, welches eine Verstandesseelenkultur begründen kann. Sozusagen als Minuspol zu der neu errungenen Fähigkeit tritt die Habsucht hinzu, die dadurch wohl überhaupt erst möglich wurde, nämlich mit dem Verstand seine Vorteile berechnen zu können.

Es wird allgemein angenommen, daß Abraham etwa um Zweitausend vor Christus gelebt hat, also noch in der Hochblüte der Empfindungsseelenkultur.

Die besondere Aufgabe des israelitischen Volkes war es, vererbungsmäßig an der Ausbildung eines Leibes und Gehirnes zu arbeiten,welche die Christuswesenheit aufnehmen könnten. Es beginnt damit ein neuer Abschnitt in der Ausgestaltung des Keimes des Lebensgeistes,indem die Verstandesseele vorbereitet wird,die dann in der griechisch-lateinischen Kultur ihre Hoch-Zeit erfährt.

Einen Höhepunkt im Leben des Abraham stellt die Begegnung mit dem Priester des Allerhöchsten, Melchisedek, dar.

Rudolf Steiner beschreibt das folgendermaßen : "So nahm,um dem Abraham die entsprechende Aufklärung zu geben, der Lehrer der Rishis, der Lehrer des Zarathustra, eine Gestalt an, in welcher er den Ätherleib trug, der aufbewahrt war von dem Stammvater des Abraham,denselben Ätherleib, der schon in dem Stammvater des Abraham,in Sem,dem Sohne Noahs, vorhanden war.... Diese Begegnung des Abraham mit dem großen Eingeweihten des Sonnenmysteriums ist jene Begegnung,welche uns im alten Testament geschildert wird als die Begegnung des Abraham mit dem Könige,mit dem Priester des höchsten Gottes,mit Melchisedek....

Das ist eine Begegnung von größter, von universellster Bedeutung, diese Begegnung des Abraham mit dem großen Eingeweihten des Sonnenmysteriums..." (7)

Es waren dazumal Seelen - verkörperte, vielleicht auch unverkörperte - die durch diese hohe Wesenheit Einweihungen erhielten. Sie stammten aus dem Sonnenmysterium,waren in vielen Inkarnationen mit Zarathustra verbunden und wurden nun vorbereitet,innerhalb der hebräischen und auch der ägyptischen Kultur an der Vorbereitung der Christusinkarnation zu arbeiten.

Die Verstandesseele mit der ihr einwohnenden Habsucht entfaltete ihre Wirksamkeit. Nur ein Willensimpuls, vermittelt durch einen vollkommen reinen Ätherleib, der die Anlage zu Buddhi weit ausgestaltet hatte, war im Stande die rechte Gegenkraft zu entfalten.

In Moses wirkte dieser Ätherleib des Zarathustra,welcher das göttliche Gesetz empfangen konnte. Der Zügelung des sich im Astralleib immer stärker ausbreitenden Egoismus dienten in erster Linie die zehn Gebote.

Neben dieser Art von Geboten beinhaltet das mosaische Gesetz eine Vielfalt von Einzelvorschriften und Reinigungsritualen,die uns Heutigen oftmals unverständlich erscheinen und mitunter Abneigung hervorrufen können. Doch gerade dieser Teil des Gesetzes ist viel weniger vom moralischen Gesichtspunkt aus zu betrachten, als viel mehr vom hygienischen im weitesten Sinne.

In biblischer Zeit

Das soll durch die Erzählung eines weiteren Einblickes in biblische Zeiten erläutert werden: Etwa in der Mitte des siebten Jahrhunderts vor Christus spielte sich in einer Priesterfamilie das Leben in der folgend beschriebenen Form ab. Die Familie lebt auf einem großen Anwesen. Eine Schar von Knechten und Mägden versorgt Haus und Hof nach fest vorgeschriebenen Regeln.Der Vater des Hauses - ein Priester - sorgt liebevoll und gütig dafür, daß alle Rituale und Reinigungsvorschriften sorgfältig eingehalten werden.

In vollkommener Harmonie lebt die kleine Hausgemeinschaft als Abbild göttlicher Ordnung.Der geistige Mittelpunkt ist die in der Stille wirkende Mutter. Sie verwaltet den Weisheitsschatz uralter Zeiten,uralter Mysterien.

Sie ist die eigentliche Kennerin der heiligen Schriften und auch des Einweihungswissens,besonders der Zusammenhänge des eugenetischen Okkultismus,die weit über das uns Heutigen überlieferte Wissen hinausgehen. Der Priester ist die Autorität nach außen,die weibliche Geistigkeit der Mutter ist das Feuer im Innern der Gemeinschaft.

Aus dieser Harmonie wird dem Paar ein Sohn geboren,der in jungen Jahren von Gott in das Propheten-Amt gerufen wird.

Vorbereitet durch das rituelle Leben der Eltern, sind seine Wesensglieder geeignet in der Einsamkeit des Gebirges,wohin er sich zeitweise zurückzieht,durch die geistige Wesenheit Sem-Melchisedek-Zarathustra eine höhere Weihe zu empfangen, die ihn befähigt, seine prophetischen Aufgaben mutvoll zu erfüllen.

Viele Ereignisse dieses Lebens wurden von den Eltern und Geschwistern sorgsam aufgezeichnet.

Es war jetzt schon die Verstandesseele voll erwacht, zumindest in der führenden Schicht des Volkes, und zugleich damit das Wissen von der Notwendigkeit einer rituellen Lebensführung,um diesem Seelenteil die grundlegende Struktur zu verleihen,damit einst ein Leib aus diesem Volk hervorgehen könne,dessen Glieder vorbereitet durch den hohen Sonnen-Eingeweihten Zarathustra den kosmischen Christus aufzunehmen im Stande ist.

"Die größte Kraft,die unsere Zeit bekam,um die Buddhi zu entwickeln,ist durch Christus gekommen.Er ermöglichte die Ausbildung ...der Buddhi in der ganzen Menschheit. Er vergeistigte die Menschheit."(8)

In der griechischen Kultur

Ein anderer Aspekt dieser Ausgestaltung wurde innerhalb der griechischen Kultur ergriffen.

Im Gegensatz zu der mehr bildlosen Form der hebräischen Kultur,die durch einen offenbarenden Gott gelenkt wird, lebt im Griechentum ein vollendeter Ausdruck in der künstlerischen Form auf, und gleichzeitig wird der eigenständige Erkenntnisdrang geboren,der in der nun beginnenden philosophischen Ausformung der Gedanken versucht,das Göttliche zu begreifen.Hier ist es der Kosmos der geordneten Gedankenwelt und der künstlerischen Harmonie der innerhalb der aufsprießenden Verstandesseele die Buddhi-Anlage bereitet.

Mittelalter: Kirchen und Gegenkirchen

Beide Impulse - der hebräische und der griechische - fließen im Christentum zusammen.

Aber nicht nur diese genannten, noch weitere Kulturen lebten in der Christuserwartung. Die keltisch-druidischen Mysterien besaßen ein Wissen um das Herannahen des kosmischen Christus, ebenso wie auch die ägyptischen Weisen.

Es scheint eine ständige - nicht nur geistige ,sondern auch räumliche - Verbindung der Eingeweihtenschulen bestanden zu haben. Sie bildeten den Untergrund für ein esoterisches Christentum.

Obwohl die Kirche der ersten Jahrhunderte eher eine verborgene Bewegung sein mußte, entstanden schon zu Beginn des zweiten Jahrhunderts zwei Strömungen:ein exoterisches und ein esoterisches Christentum. Es gab damals noch keinen Konflikt und keine Macht- oder Prioritätsansprüche. Die Mysterien waren hoch geachtet,weil das tiefere Wissen der Weltgeheimnisse dort gehütet,weiterentwickelt und angewandt wurde.

Gralsmysterien

Besonders in den Gralsmysterien in Südfrankreich wurde der Heil- und eugenetische Okkultismus durch Jahrhunderte praktiziert.Das was uns als Gralsgeschichte überliefert ist,kennzeichnet einen bestimmten Punkt in der Entwicklungsgeschichte der Wesensglieder. Rudolf Steiner weist darauf hin,daß in der nördlichen Gralsbewegung um Artus in besonderer Weise die Empfindungsseele verfeinert und kultiviert wurde,wogegen der Kreis um Amfortas stärker in den Verstandesseelenelementen lebte. (9)

Die Mysterienschulung war umfassend. Alle Künste und Wissenschaften einerseits, Körperertüchtigung und Ritterkultur andererseits spielten eine gleichermaßen wichtige Rolle. In den verschiedenen Lebensaltern gipfelte ein Lernabschnitt in einer Einweihung.

Eine erste Weihe fand im Alter von etwa vierzehn Jahren statt,einige Zeit nach der Aufnahme des Jünglings oder der Jungfrau.In der damaligen Zeit war das durchaus noch mit starken hellseherischen Eindrücken verbunden. Der Heilige Gral - eine Schale aus grünem Stein - trug die geistige Erscheinung der Heiligen Lanze, ein hell leuchtender aufrechter Stab, Sinnbild des menschlichen Ichs. Ein zartes Rot umschwebte die Lanze: Das ätherische Blut Christi.

Zwischen achtzehn und einundzwanzig Jahren erfolgte eine weitere Einweihung. Jetzt konnte der Neophyt den Gral mit der Lanze, überflutet von goldenem Licht,welches sich aus der Quelle des Heiligen Geistes ergoß, wahrnehmen. Mit dieser Einweihung war die Möglichkeit der Anwendung des eugenetischen Okkultismus gegeben. Das Wissen um die tieferen Geheimnisse desselben war aber nur den höchsten Eingeweihten vorbehalten.Für die meisten Ritter und Edelfrauen endete die Schulung an diesem Punkt. Viele wurden in ihre heimatlichen Burgen zurückgerufen,um dort ihren Pflichten nachzugehen.

Schlimme Folgen hatte für die Gralsgemeinschaft der Leichtsinn des Amfortas. Verlockt durch die Berührung mit der arabisch-maurischen Kulturwelt in Spanien,ließ er sich auf eine gefährliche Exkursion in eine ganz andere Einweihungsstätte ein.Neben anderen magischen Praktiken wurde dort vor allem Sexualmagie betrieben,die hier nicht weiter zu beschreiben ist.

Wie vorweggenommen hat er die Sünde, von der die meisten Menschen heute befallen sind: Das Entgleiten der Beherrschung des Sexualbereiches.Besonders schwerwiegend wurden die Folgen dadurch,daß er der führende Repräsentant höchsten okkulten Wissens gerade der Zeugungsgeheimnisse war.Durch die Chaotisierung dieses Bereiches wurden auch die Anlagen der genannten höheren Wesensglieder beeinträchtigt.(10)

Um auch darin den tieferen Sinn zu sehen,könnte man es auch so beschreiben:Um Raum oder ein Eingangstor zu schaffen für den Einzug der Bewußtseinsseele, mußte erst einmal ein Niedergang der höheren Anlagen stattfinden.

Besondere Maßnahmen mußten nun ergriffen werden,um der Bewußtseinsseele in ihrem ersten Repräsentanten - Parzival- den Einzug zu ermöglichen.Der junge Ritter,der als Einziger der Begleiter des Amfortas die Gefahren schwarzer Magie durchschaut hatte,war Trevrizent.Er konnte sich retten und blieb unbeschadet.Durch dieses schockartige Erlebnis dämmerte alte Mysterienweisheit vergangener Leben in ihm auf.Das befähigte ihn,wesentliche Aufgaben in den nun folgenden schweren Jahren zu übernehmen.(11)

Einige Individualitäten sind zu beschreiben, deren Leben sich eng mit der Erziehung des jungen Parzival,der der erste Träger der Bewußtseinsseele werden sollte,verband: Drei, die ihm ihr Leben widmeten,um ihn zu leiten,drei,die für ihn starben,um ihm aus geistigen Welten beizustehen.

Der erste ist Titurel,der alte Weise:als sterbender Gralskönig,der seinen Nachfolger verloren hat,darf er nicht sterben,bis er sein Amt weitergeben kann.

Der nächste ist Trevrizent,der in die Einsamkeit zieht,um aus dem Hintergrund seinen jungen Schützling zu begleiten.

Er ist der Erzieher Parzivals und muß doch immer unerkannt bleiben,kann nie direkt eingreifen.Nur wenn er in Meditationen außerhalb des Leibes weilt,kann er geistig regulierend wirken.

Als Titurel und Trevrizent im Verein mit zwei weiteren Rittern den herangewachsenen Knaben in eine geistige Schau der Gralsgeheimnisse versetzen,gerät der Wildling in Aufruhr.So mächtig ist der Ruf des Grales,daß er seiner Mutter nicht achtet und alsbald davon stürmt.Ihr bleibt nur der Tod an gebrochenem Herzen.Geistig kann und will sie ihn begleiten.

Noch ein anderer hat mit seinem Leben abgeschlossen.

Schionatulander, in welchem Zarathustra inkarniert ist,hat sein geistiges Amt an seinen Schüler Trevrizent übertragen, ehe er in den notwendigen Kampf zieht.Auch er wird von nun an den Knaben aus Geisteswelten überschatten.

Trevrizent hat Mühe, dem Jungen,der in seinem Tatendrang nicht aufzuhalten ist,unerkannt im gehörigem Abstand zu folgen.Aus der Ferne erlebt er,wie sein Zögling den König Ither erschlägt.Dieser steht zu Parzival in einer tiefen karmischen Verbindung und wird ihm aus der geistigen Welt seinen starken Willen zur Verfügung stellen,ebenso wie Herzeloyde sein Fühlen leitet und Schionatulander die Bewußtseinsseele in ihm erwecken will.

Ein weiterer physischer Lebensbegleiter tritt bald darauf in der Gestalt Gawans auf.Er vertritt mehr das Element der Empfindungsseele als Ritter der Artusrunde.

Was in den Mysterien geschah,spielte sich unbemerkt von der äußeren Geschichte im Untergrund ab.Doch urbildlich, als geistige Grundform für kommende Zeiten,wirken diese Impulse sich ausbreitend in den Seelenstrukturen vieler Menschen.

Auf der sichtbaren Seite der Geschichte sind vorerst andere Kräfte am Werk.Der Machtimpuls der Kirche nahm schärfere Formen an.Die Mysterien,von denen sie sich einst hatte impulsieren lassen,wurden nun zum Feind erklärt .Der Orden,der die größten Denker der Zeitepoche hervorgebracht hat,erfand auch die grausamsten Foltermethoden,um die letzten Vertreter einer lebendig erlebten Geistwelt in den
Kreuzzügen gegen die Katharer und später die Templer, zu vernichten.

In der heutigen Zeit

Der Frage soll nun im Folgenden nachgegangen werden,wie kann das,was in Urzeiten als Geistkeime im Menschen veranlagt wurde,und was im Laufe der Entwicklung mannigfaltige Verwandlungen und Ausgestaltungen erfahren hatte,in der heutigen Zeit neu ergriffen und bewußt von der Einzelindividualität weitergebildet werden?

Wie stehen wir in der heutigen Welt mit ihrer Unrast,ihrem Lärm und vielfachen Zwängen der Aufgabe gegenüber,höhere Grundstrukturen in unsere Wesensglieder einzuprägen?

Den allermeisten Menschen fällt auf,wenn sie beginnen,sich selbst zu beobachten,daß sehr einfach erscheinende Übungen,wie die Aufmerksamkeit einige Minuten auf einen Gegenstand oder Gedankeninhalt zu lenken,schon außerordentlich schwer fallen.

Gedanken haben wir alle,und es wird viel Intelligenz im äußeren Leben aufgebracht oder zu einem egozentrischen Spekulieren verwandt.Ein triebhaftes,auf äußere Ziele gerichtetes Denken läuft sehr geschwinde in uns ab; manchmal scheint es sogar" mehrschichtig"zu sein.

Die durch Jahrtausende währende Ordnungsrituale gebildeten Wesensglieder scheinen in den vergangenen Jahrhunderten durch die aufbrechenden neuen Bewußtseinserrungenschaften erheblich gestört und teilweise zerstört worden zu sein.Die neue Qualität der Bewußtseinsseele hat eine Beeinträchtigung der schon gebildeten Grundlagen mit sich gebracht.Besonders in unserem Jahrhundert versinken die bisher tragenden Ordnungen im allgemeinen Chaos.

Gerade dieser Zustand,der oft sehr schmerzlich als Mangel oder Hohlheit empfunden wird,läßt viele Zeitgenossen nach neuen Formen der Lebensführung suchen.Dieses wissend und vorausschauend, hat Rudolf Steiner grundlegende Wege aufgezeigt,die unserer Zeitepoche und unserer Konstitution angemessen sind.

Wenn der Geistessucher nach begonnenem Studium den Entschluß faßt,ernsthaft in die Schulung einzutreten,kann es geschehen,daß die Fülle der Anweisungen den Mut erlahmen läßt.Deshalb erscheint es förderlich,sich Klarheit über den praktischen Sinn der Übungen zu verschaffen.Das heißt:Welche gezielte Wirkung erfolgt durch diese auf ganz bestimmte Organe oder Wesensglieder?

Da nun mit Hilfe der Bewußtseinsseele in selbständiger Arbeit das erreicht werden soll,was in alten Zeiten durch die angedeuteten,von außen gelenkten Maßnahmen geschah,ist es wichtig zu erkennen,das dreierlei notwendig ist: Die Ausbildung eines geordneten Gedankenorganismus und ein starker Wille, die verbunden werden durch ein bewußtes Fühlen.

Rudolf Steiner ist uns vorangegangen, indem er seinen Weg in seinen erkenntnistheoretischen Schriften beschrieben hat. Sicher ist es nicht jedem Menschen möglich,sich in solcher strengen Weise philosophisch zu betätigen.(12) Notwendig erscheint mir,ein aktives Denken,welches willentlich eingesetzt werden kann,zu pflegen.Das normale Denken läuft passiv ab,erregt durch äußere und innere Sinnes- und Seeleneindrücke.Eine etwas größere Aktivität ist es,interessanten Gedankengängen zu folgen.Aber auch da kann das Interesse stärker sein als der Wille,welcher aufgewandt wird.Es geht weniger um den Inhalt des Gedankens,sondern mehr um die durch die Gedankentätigkeit erzeugte Kraft.

"Tatsächlich verschwenden die Menschen unserer Kultur,.., unendlich viel Kraft,welche in unserem Gedanken- und Empfindungsleben sich entwickelt.Was so täglich verloren geht und ins Wesenlose strömt,könnte dazu verwendet werden,um direkte übersinnliche Erkenntnisse zu erlangen."

"Das ganze moderne Leben ist aber darauf angelegt, ein Ableiter der Gedankenkraft zu sein."(13)

Ebenso ist es mit dem Gefühlsleben,das ständig im Wesenlosen versprüht,solange es nicht durch die sogenannten Nebenübungen - die vielleicht besser in" Grundübungen" umbenannt würden,da leicht der Eindruck entsteht, sie könnten Nebensache sein - durchgeformt ist.

Diese Übungen dienen der Ausbildung des Herzchakras,wogegen die acht den Wochentagen zugeordneten Übungen das Kehlkopfchakra formen.

Es ist der Unterschied der Denkübungen zu beachten in der ersten Übungsgruppe zur zweiten:In der ersten ein willentliches Vorsetzen eines bestimmten Gedankeninhaltes,in der zweiten ein willentliches Überprüfen und Unterscheiden des normalen Gedankenlebens und der damit verbundenen Gefühle.Eine dritte Gedankenübung ist die Gedächtniskontrolle, die abendliche- oder Lebensrückschau."Wir müssen von der Vergangenheit lernen und das Gedächtnis dazu benutzen,daß unsere Seele fähiger wird.....Wenn wir in dieser Weise das Gedächtnis kontrollieren,dann bildet sich das astrale Schauen heraus.Das macht den Astralkörper zu einem Willensorgan.."(14)

In gleicher Weise kann diese Polarität und Dreiheit auch für die Willens- und Gefühlsübungen aufgezeigt werden.

Ebenso wie man sich eine genaue Kenntnis der Eigenschaften der zu entwickelnden höheren Leiber heranbilden muß,sollen auch die Folgen der einzelnen Übungen für die jeweiligen Lotusblumen bewußt sein.Das kann nur einerseits durch Studium und andererseits durch jahrelange Wiederholung im Üben erreicht werden und kann hier nur als Anregung angedeutet werden.

Zur ursprünglichen Fragestellung zurückkehrend: Welche Wirkung wird durch die genannten und andere von Rudolf

Steiner gegebene Übungen auf die zu entwickelnden höheren Wesensglieder ausgeübt? Wie hängt die Entwicklung der Chakren mit den genannten Wesensgliedern zusammen?

Wie können wir insbesondere an der Entwicklung des Lebensgeistes arbeiten?

Den stärksten Widerstand gegen eine okkulte Schulung bildet der Astralleib. Da die zu entwickelnden Chakren Organe des Astralleibes sind,wird durch die genannten,allesamt der Willensertüchtigung dienenden Übungen der Astralleib zu Manas umgebildet.Die dadurch entstehenden regelmäßigen Strömungen wirken auf den Ätherleib,in welchem sich nun das nächst höhere Organ,Buddhi,entwickeln soll.

In "Wie erlangt man..."beschreibt Rudolf Steiner diesen Vorgang in dem Kapitel:"Veränderungen im Traumleben des Geheimschülers":"Diese Wahrnehmungskraft ist ein Element von höherer Stofflichkeit,das von dem genannten Organ (in der Herzgegend) ausgeht und in leuchtender Schönheit durch die sich bewegenden Lotusblumen und auch durch die anderen Kanäle des ausgebildeten Ätherleibes strömt."

"In Wahrheit wohnt nun das Ich,welches dieses Wahrnehmungsorgan erzeugt,garnicht im physischen Menschenkörper,sondern wie gezeigt worden ist,außerhalb desselben.Das Herzorgan ist nur der Ort,wo der Mensch von außen her dieses geistige Lichtorgan entfacht."

In der ersten Ausgabe des Buches in der Zeitschrift Luzifer-Gnosis nennt Rudolf Steiner dieses Wahrnehmungsorgan Kundalinifeuer und Kundalinilicht.(15)

Dieses Lichtorgan in der Herzregion muß bis zu einem gewissen Grade entwickelt sein,um das von Rudolf Steiner vorhergesagte zentrale Ereignis der Geistesgeschichte in unserem Jahrhundert,die Erscheinung des Christus im Lebensleib der Erde,wahrnehmen zu können.

Im "Chakra-Werk"von Willi Seiß kann man über diese Tatsache Wesentliches erfahren.Unter anderem heißt es da:

"Der Gang des Christus über die Erde wirkt auf alle Wesen - auf den Menschen und auf die Natur.Selbst karmische Fesseln werden geändert. Allein verstehen kann es nur,wer sich schulisch hellsichtig macht.Weil der Christus nicht geschaut wird,ist der Segen seiner Wirksamkeit entrückt."

"Die Wahrnehmung Christi ist erst möglich,wenn der Ätherleib des Menschen selbständig geworden ist.Allerdings erfolgt diese Weitung des Ätherleibes erst dann,wenn Selbstlosigkeit den Astralleib erzogen hat."

"Der Herzäther ist Kundalini.Kundalini muß entwickelt werden aus dem Herzchakra sowie aus den anderen Chakren."(16)

Wachstumskräfte,Verstandes- und Phantasiefähigkeit sind die Ausgangs- oder Grundlage dessen, was zum Lebensgeist umgestaltet werden soll.Dort ist zugleich der Bereich der Christuswirksamkeit.Wenn die Bewußtseinsseele den Astralleib soweit erzogen hat,daß Manaskräfte in ihm aufleuchten,kann ein bewußtes Ergreifen des mehr oder weniger vorbereiteten Keimes des Lebensgeistes durch den Willen des Ich erfolgen.

Durch kultische Verrichtungen, die in alten Kulturen immer Kunst und Magie zugleich waren,ist dieses Wesensglied veranlagt worden.

So haben auch heute und in Zukunft vor allem die Künste einen wesentlichen Anteil an der Ausgestaltung der sieben Stufen der Buddhi-Entwicklung.

In der Baukunst projizieren wir die Gesetze des physischen Leibes in die äußere Materie.Das plastische Element schlägt die Brücke zum Ätherleib.Die Verbindung zwischen Äther- und Astralleib bildet die Malerei.

In diesem veredelt die Malerei die Empfindungsseele zum bewußten Ergreifen der Imagination:"In eigentümlicher Weise erlebt die übersinnliche Erkenntnis die Malerei.Sie steht für die übersinnliche Erkenntnis einzig da....Auch der Seher ist genötigt,das Erleben der geistigen Welt,das,was er gestaltlos erlebt,in gestaltete,in dichte Welt umzusetzen.

Es geschieht,indem er das....so umsetzt in innere Anschauung,in Imagination und es ausfüllt mit Seelenstoff..

Er schafft im innerlichen,schöpferischen,seherischen Zustand das Gegenstück zur Malerei."(17)

Im musikalischen Schaffen und Erleben taucht das Ich in den Astralleib hinein.

Sprachkunst und Dichtung führen in den Bereich von Manas.

Die Bewegungskunst in Form der Eurythmie soll schließlich alle Bestrebungen zu einem Höhepunkt führen,der Ausbildung der Buddhi.

Rudolf Steiner deutete eine weitere zukünftige Kunstform an.Es könnte das eine Art geistig-ätherische Architektur, aus Liebesformen erbaut,ähnlich den atlantischen Mysterienstätten,aber nun von Menschengemeinschaften bewußt - nicht mehr von oben gelenkt - willenshaft erbildet, sein.

Aus all den Aufzählungen wird ersichtlich,daß der einzelne Mensch natürlich nicht in all den Künsten -angefangen von der Gedankenkunst Philosophie -tätig sein kann.Jeder wird sich das Gebiet erwählen,das ihm von seiner Veranlagung her am nächsten erscheint.Von dort her kann ein Zugang und Verständnis für die alle Künste durchwebenden Gesetzmäßigkeiten entwickelt werden.Darauf kommt es an,die kosmische Gesetzmäßigkeit,die Schönheit und Harmonie ist,bewußt in den Ätherleib einzuprägen. So wird er - in Sphärenharmonien erklingend - zu Buddhi umgestaltet.

Zur Formung des Lebensgeistes darf neben dem künstlerischen Teil der andere Pol des Rituell-Kultischen nicht vernachlässigt werden. In der Meditation kann ein innerer Geistkultus errungen werden.Viele Mantren,die Rudolf Steiner gegeben hat,lassen diesen kultischen Charakter erahnen,bei etlichen ist ein solcher Aufbau ganz offensichtlich. Als Beispiele seien genannt die zwei Mantren aus dem ersten Mysteriendrama,welche Benediktus zu Maria und Johannes Thomasius spricht:

"Des Lichtes webend Wesen..."(18)

Ganz gewaltig wirken in diesem Sinne der Grundsteinspruch und selbstverständlich die Mantren der Klassenstunde.Durch diese hatte Rudolf Steiner einen neuen Kultus vorbereiten wollen,der in der zweiten und dritten Klasse praktiziert worden wäre.

Geistig ist dieser kosmische Kultus immer vorhanden.Durch die angeführten Übungen kann im Erfahren der geistigen Welt ein Zugang zu immer umfangreicher werdenden Teilen dieses Kultus gefunden werden.Wichtig zu diesem Erleben ist der rituelle Aufbau der Meditation,der ganz individuell gesucht werden kann.

Durch diese Ausführungen erahnt man, daß die Ausbildung des Lebensgeistes voraussetzt,daß der zu Manas gewordene Astralleib das göttliche Gesetz in sich verwirklicht,um die durch Kunst und Kultus wirkenden kosmischen Ätherströme nicht mehr zu zerstören. Von dem inneren Geisteskultus impulsiert,wird auch die äußere Lebensführung immer stärker rhythmisiert und ritualisiert werden,nicht mehr durch äußere Verordnung,sondern durch inneres Bedürfnis.

Auch wenn wir jetzt beginnen, an einem oder mehreren Zipfeln diese Aufgabe zu ergreifen, wird es etliche Leben dauern, bis wir eine annähernde Vollkommenheit erreichen können.Tröstlich ist da,daß die Tätigkeit und Vervollkommnung des Einzelnen auf die Gemeinschaft bildend zurückwirkt.So ist jeder aufgerufen, an seinem bescheidenen Platz das Größtmögliche an sich selber zu tun,um damit die Gemeinschaft und die gesamte Menschheit - auch wenn es sobald nicht sichtbar und spürbar wird -zu fördern.In diesem Zusammenhang kann auch die Gesetzmäßigkeit geistiger Gemeinschaften in Erinnerung gerufen werden:Zwölf mögliche Weltanschauungsnuancen,sieben Weltanschauungsstimmungen, der dreifache Seelenton; (19) oder die zwölf Jünger um den Meister, den dreizehnten versammelt.

Man müßte einmal die Frage stellen: Was kann ein Meister bewirken, wenn er nicht die richtigen Jünger findet? Muß sein Werk nicht verkümmern,wenn seine wichtigsten Impulse ungehört und ungelebt bleiben? Und werden diese Impulse von ganz anderer Seite aufgegriffen und verwirklicht? Wenn nun die Erben Rudolf Steiners versagt haben, mußte nicht der, welcher seine geistige Nachfolge antreten sollte, sich einen anderen Wirkungskreis suchen,um den Geistesstrom nicht abreißen zu lassen?Die geistige Welt fragt nicht nach Partei und Konfession,sie ist auch nicht an eine Mitgliedskarte gebunden,sondern sucht offene Herzen,in denen sie ihre Wirksamkeit entfalten kann.

Die Gegenkräfte sind enorm tätig,gerade auch in anthroposophischen Zusammenhängen.Nur zu gerne suggeriert man den Menschen die Gefährlichkeit des Schulungsweges und neuer geistiger Erkenntnisse,um von der eigenen Bedeutungslosigkeit abzulenken.Der Kampf gegen den lebendig wirkenden Geist ist voll entbrannt zu Gunsten des in Büchern konservierten.(20)Das einzig Produktive ist aber nicht Wissensanhäufung,um damit Zitatenschlachten ausfechten zu können,sondern das demütige und zugleich mutvolle Beschreiten des Schulungsweges. Dann wird man das Wissen unmittelbar durch eigene Forschung erwerben können.

Oft bekommt man zu hören,wenn man Anthroposophen auf die Notwendigkeit des zu beschreitenden Schulungsweges hinweist,das habe doch noch Zeit in der nächsten Inkarnation, manchmal verbunden mit dem Hinweis, man sei ja nicht neugierig.

Die Realität geistiger Einblicke zeigt andere Erfordernisse.

Das Versäumnis,die Begegnung mit dem Ätherischen Christus nicht angestrebt und das damit auftretende karmische Schauen nicht gesucht zu haben, hat durchaus Folgen.Man kann Ereignisse verpassen.Es sei an das Gleichnis von den törichten und klugen Jungfrauen erinnert.Rudolf Steiner spricht von der Möglichkeit,daß das Erscheinen des Christus im Ätherleib nicht wahrgenommen wird.(21)

Welche möglichen karmischen Folgen treten für den anthroposophisch gebildeten Menschen ein,der aus Angst oder Bequemlichkeit nicht den Weg zur Geistesschau sucht?

Es gibt einige Erfahrungen schon wiedergeborener Anthroposophen.Man kann davon ausgehen,daß zahlreiche Persönlichkeiten der damaligen Zeit schon wieder im fortgeschrittenen Alter sind,sehr viele auch noch im Kindesalter.Auffallend ist,daß die jetzige Ausgangsposition manchmal wie eine Zurückstufung gegenüber der damaligen Inkarnation erscheint: Einerseits erschwerter Zugang zu den jetzigen anthroposophischen Zusammenhängen,dann Unzufriedenheit und Enttäuschung über diese, die in die Gefahr einmündet,wiederum ein energisches Ergreifen des Schulungsweges zu verpassen.Es wird nicht leichter,sondern der karmische Geröllberg,der den Weg versperrt,wächst weiter an.

Während in Amerika, den GUS-Staaten und an anderen Orten der Welt massiv okkulte Experimente vorangetrieben werden,zwecks militärischer und wirtschaftlicher Nutzung, glaubt man in unseren Reihen,man könne sich noch Zeit lassen und beschäftigt sich mit Streitereien über die"wahre"Interpretation der Steiner-Texte.

Wahre Erkenntnisse kann man aber nur durch Geistesforschung über die gereinigten Wesensglieder erlangen.Und ohne wahre Erkenntnis wird man den Zukunftsereignissen hilflos ausgeliefert sein.

Schon in wenigen Jahrhunderten wird die Anwendung magischer Fähigkeiten und Möglichkeiten soweit fortgeschritten sein,daß nur der Wissende sich schützen und Gegenmaßnahmen gegen die dadurch erfolgenden Angriffe handhaben kann. (22)

Aus dem Grunde hat Rudolf Steiner das Geheimwissen und den Schulungsweg öffentlich gemacht. Aus dem Grunde hat Valentin Tomberg das Werk weitergeführt und aus seinen eigenen Erkenntnissen ergänzt.Und aus eben dem- selben Grunde empfängt Willi Seiß weitere Einzelheiten zur Geistesschulung,die er in seinem Chakra-Werk uns allen zugänglich macht.

Außer den genannten" Schreckensvisionen" kann als positive Wahrnehmung eine weltweite,immer größer werdende Offenheit geistigen Dimensionen gegenüber verzeichnet werden.Viele spirituelle Fähigkeiten, verbunden mit ehrlichem Suchen und teilweise auch fundiertem Wissen, können hoffen lassen,daß eine starke positive Kraft entsteht.

Allerdings,mit einer gewissen Sorge können wir erleben, daß die Aufgabe,die der Anthroposophischen Bewegung zugedacht war, nämlich die geisteswissenschaftliche Grundlage aller spirituellen Wahrnehmung zu verbreiten,nicht erfüllt worden ist.Die immer noch stattfindenden Abgrenzungsbemühungen, gepaart mit überheblichem Gebaren, sorgen auch weiterhin dafür, daß Anthroposophie nicht so recht populär werden will.Gerade das wäre aber dringend notwendig,um den immer mehr stattfindenden Geisterfahrungen das solide Fundament zu verleihen,damit sie den Betroffenen,wie auch der ganzen Menschheit zum Heile gereichen.

Anmerkungen:
1.Rudolf Steiner: "Wege der geistigen Erkenntnis und der Erneuerung künstlerischer Weltanschauung."GA 161 5.Vortrag 27.3.1915
2.Rudolf Steiner: "Geheimwissenschaft im Umriß" GA 13 Seite 184
3.Rudolf Steiner: "Das Matthäus-Evangelium."GA 123
4.Vortrag
4.Ergebnis einer Geistesschau. Es erscheint unerheblich zu sein,ob es leibliche oder geistige Söhne waren.Die notwendige Anwesenheit des weiblichen Elementes sollte beachtet werden.
5.Manu inkarnierte sich danach nicht mehr.
6.Rudolf Steiner:"Grundelemente der Esoterik."GA 93 a Seite 257
7.Rudolf Steiner:Das Matthäus-Evangelium.Seite 78
Dieser Punkt in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit wurde in dem Moment zur Frage als ich in einer Geistesschau zurückversetzt wurde und von da aus in den Zusammenhang mit Sem gelangte.Erst danach begann ich zu suchen, was sich zur
Erklärung und Deutung im Vortragswerk Steiners finden könnte.
8.Rudolf Steiner:"Das christliche Mysterium"GA 97 Seite 57
9.Rudolf Steiner:"Die Mysterien des Morgenlandes und das
Christentum."GA 144 4.Vortrag 1913
10.Die schwerwiegenden Folgen der zügellosen Sexualität erwähnt Rudolf Steiner mehrfach.Ein Hinweis dazu in:"Aus den Inhalten der esoterischen Stunden".GA 266 Band 1
Seite 169.
11.In den geistigen Schauungen hat es einige Abweichungen von den bekannten Gralssagen gegeben,die die geistige Aussage allerdings nicht verringern,sondern erhöhen.Sie sind mehrfach überprüft worden.-Es sollen diese Inhalte hier nicht dargestellt werden,sondern nur das, was zum Verständnis der Entwicklung der höheren Wesensglieder beiträgt.
12. Damit ist nicht gemeint,daß man es sich sparen könnte,sich mit diesen Schriften auseinander zu setzen,sondern nicht jeder kann es so ausführlich tun.
13.Rudolf Steiner:GA 266 Band 1 Seite 22-24
14.Rudolf Steiner:GA 266 Band 1 Seite 37
15.Rudolf Steiner:"Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten?" GA 10 Seite 163 und Willi Seiß :Chakra-Werk
16.Willi Seiß: Chakra-Werk, Ab.SZ -2 "Die Kundalinilebenskraft,ihre Bedeutung,Gruppe O 1,1/2 zur Erkenntnis des Christus im Ätherleib der Erde 1.1/2 ,1.2/7
17.Rudolf Steiner:"Kunst und Kunsterkenntnis."GA 271
Vortrag 5.5.1918 und:"Kunst im Lichte der Mysterienweisheit"GA 275 Vortrag 29.u.30.12.1914
18.Rudolf Steiner:" Vier Mysteriendramen"GA 14
19.Rudolf Steiner:" Der menschliche und der kosmische Gedanke" GA 151
20.Siehe die Kampfschrift:"Der Fall Tomberg"von Prokofieff und ähnliche Merkwürdigkeiten.
21.Harald Giersch:"Rudolf Steiner über die Wiederkunft Christi"Verlag am Goetheanum Seite 107 unter Ziffer 2
22.Es ist gelungen, in zukünftige Zeiten zu blicken.


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