Über Erfahrungen auf dem
anthroposophischen Schulungsweg


Heide Oehms

Im Sinne des Satzes aus: "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?": „Nur wer schon einige Fertigkeit hat im Beobachten innerer Erfahrungen, der kann darüber reden, um durch solches Reden seine Mitmenschen anzuregen"1, soll hier über Erfahrungen der Geistesschulung berichtet werden.

Es wird vorausgesetzt, daß der Leser mit den grundlegenden Schriften Rudolf Steiners zum Schulungsweg vertraut ist. Was hier beschrieben werden soll, ist Selbsterlebtes im Umgang mit den Übungen. Es ist keine umfassende Darstellung, weder des Weges noch der Erfahrung, sondern soll zur Anregung dienen und Mut erwecken.

Rudolf Steiner erwartete eine geistige Entwicklung seiner Schüler. Schon zu Beginn der Wirksamkeit innerhalb der theosophischen Gesellschaft regte er Karmaübungen an, die aber kaum aufgegriffen wurden. Auch nach der Neubegründung 1923/24 war sein stärkstes Anliegen die Karmaerkenntnis innerhalb der anthroposophischen Bewegung als Grundlage gegenseitigen Verständnisses. Vor allem lag ihm an einer Karmaerkenntnis, da damit die Umarbeitung der Doppelgängerwesenheit einhergeht, die zu einer Läuterung der Persönlichkeit führt, ohne die wiederum keine reine Geistesforschung stattfinden kann.2

Nun hat es in anthroposophischen Zusammenhängen immer vereinzelte Persönlichkeiten gegeben, denen es durch jahrelange, geduldige Arbeit gelungen ist, ihre Geistorgane auszubilden.

Die dadurch entstandene Geistesforschung ist allerdings von der anthroposophischen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen worden.

So scheint es fast wie ein Zufall, wenn der Suchende auf einen so Vorangeschrittenen trifft, der ihm entscheidende Ratschläge und Hinweise geben kann, um mutig seinen Weg fortsetzen zu können.

1989 begegnete ich Willi Seiß, der mir in diesem Sinne zu Erkenntnissen verhalf, teils durch persönliche Gespräche, teils durch die Werke Valentin Tombergs3 und das von ihm (Seiß) verfaßte Chakra-Werk4, in welchem bisher nicht veröffentlichte Zusammenhänge der Geistesforschung dargestellt werden.

Dadurch in meinem Suchen bestätigt, konnte ich mit größerer Sicherheit weitere Schritte tun. In verschiedenen Stufen und Nuancierungen waren in meinem Leben Geisterlebnisse aufgetreten, die danach riefen, in feste Bahnen gelenkt zu werden.

Auch durch die Begegnung mit anderen gleichgesinnten Menschen und dem damit verbundenen Erfahrungsaustausch konnten ebenfalls Fortschritte gemacht werden, die innerhalb der letzten drei Jahre regelmäßig herbeiführbare Geisterfahrungen zur Folge hatten.

Rudolf Steiner spricht des öfteren von drei möglichen Schulungswegen. Wenn man mit seinem Werk gut vertraut ist, bemerkt man, daß darüber hinaus von ihm auch noch andere Möglichkeiten beschrieben werden. Dadurch kann es geschehen, daß man den Mut verliert und gar nicht weiß, wo man beginnen soll.

Bei längerer Beschäftigung findet man heraus, daß sich doch viele Übungen auf zwei Pole reduzieren lassen, den mystischen und den alchimistischen Weg.

Wesentlich erscheint es mir zu erkennen, welche Ausgangslage man selbst in dieser jetzigen Inkarnation hat. Wer ein starkes Interesse an naturwissenschaftlich erfaßbaren Prozessen hat, wird sich zum alchimistischen Pol hingezogen fühlen. Wer mehr die inneren Seelenprozesse und sozialen Zusammenhänge beobachten kann, wird den mystischen Weg wählen. Beide Wege bedeuten eine Einseitigkeit, der erste zum Ahrimanischen, der letztere zum Luziferischen hinneigend, so daß man nie den Gegenpol aus den Augen verlieren darf. Es ist gut, sich klarzumachen, welchem Pol die jeweilige Übung dient.

Ausgangslage jeder geregelten - nicht unwillkürlichen - geistigen Wahrnehmung ist die Ausbildung der sieben Chakren, wie Steiner sie beschreibt.5 Es werden dadurch die inneren Wahrnehmungsorgane gebildet und die höheren Wesensglieder geformt. Bewußtseinsseelenqualitäten sind Voraussetzung, um Manas und Buddhi bis zu einem gewissen Grad zu entwickeln, was dann, Schritt für Schritt, geistige Erfahrungen möglich macht. Nun will ich von mir selber nicht behaupten, daß die Bewußtseinsseele schon voll entwickelt wäre. Es ist wohl in der heutigen Zeit nur wenigen Menschen möglich, alle Seelenglieder zur Vollkommenheit zu entwickeln. Das Bewußtsein davon verleiht wiederum die notwendige Demut und Devotion gegenüber den höher entwickelten Wesen, die Führer und Lenker sind, die in uns das ersetzen, was wir noch nicht entwickelt haben.

Durch die Arbeit an den Chakren, beginnend mit der Stirnlotusblume bis hinunter zum Nabelchakra, bildet man gleichzeitig Manas aus. Rudolf Steiner spricht von einem noch höheren Wahrnehmungsorgan, welches danach ausgebildet werden muß.6 Es ist dies das Kundalini-Organ, welches von der vierblättrigen Lotusblume über das geistige Herzorgan mit dem Scheitelchakra in Verbindung gebracht werden muß, über welches dann die höheren Hierarchien wirken können.

Es sind diese Wirkungen durch feine Ätherströme wahrnehmbar und damit kontrollierbar. Rudolf Steiner hat diese Ströme des Kopfbereiches im roten Fenster des Goetheanums dargestellt. Noch feiner und deutlicher sind sie in seinen Entwurfszeichnungen zu diesem Fenster sichtbar. Eine meditative Betrachtung und Beschäftigung, z.B. Abzeichnen dieses Motivs, kann helfen, die Ströme zu entfalten.

Die Imagination wirkt vorwiegend über die vorderen, oberen Chakren. Es ist dies die umgebildete Bewußtseinsseele, d.h. Nerven-Sinnesseele, die Rudolf Steiner Imaginationsseele nennt.7 Die Einsprechungen erlebe ich über Scheitel und seitliche Energiezentren am Kopf. Höhere Inspirationen erklingen im Herzchakra. Intuition kann über Scheitel und Rückenmark erlebt werden. In dem erwähnten Vortrag nennt Steiner die höher entwickelte Verstandesseele Inspirationsseele und die veredelte Empfindungsseele Intuitionsseele.7 Er weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß es möglich sei seine Empfindungsseele, unter Umgehung der Entwicklung der anderen geistigen Sinne, zur Intuitionsseele hochzuschrauben. Aber er warnt vor der Gefahr, daß dann nur subjektiv gefärbte Intuitionen zustande kommen. Es ist also wichtig, alle Schritte nacheinander und sorgfältig zu vollziehen und von der Bewußtseinsseele auszugehen.

Aber auch die Imagination ist gefährdet. Sie kann vor allem von Luzifer benutzt und verzerrt werden. Es sind da vor allem weibliche Personen betroffen. Wohingegen Ahriman versucht, bei männlichen Geistesforschern die Intuition zu verderben.8

Eine gründliche Auseinandersetzung mit der Beschaffenheit der beiden Widersachermächte wird ganz reale Notwendigkeit beim Betreten geistiger Welten. Jede leise Unaufmerksamkeit und Schläfrigkeit wird gleich von ihnen benutzt, um Verwirrung zu stiften.

Doch bekommt man immer mehr Übung in der Erkenntnis und im Umgang mit diesen Angreifern. Mut und Demut und tiefes Vertrauen in die Führung durch den Engel sind die Voraussetzungen, die die Klippen überschreiten lassen.

Einiges aus meiner Arbeit

Um zu geregelten geistigen Erfahrungen zu gelangen, ist eine willenhafte Wendung nach innen zu vollziehen. Rudolf Steiner schildert die Unterschiede zwischen den alten und neuen Einweihungsmethoden, und weist darauf hin, daß die Rosenkreuzerschulung vorwiegend eine Willenskultur ist.9

An verschiedenen Stellen in seinem Vortragswerk gibt er unterschiedliche Übungen an, um den Willen vom Körper loszureißen.

Auf meinem Weg hat sich eine Methode bewährt, die ich beschreiben möchte.

Während der Körper in Ruhestellung - sitzend oder liegend - befindlich ist, ist die Seele in höchster Aktivität. Durch den Aufbau des Rosenkreuzes beginnt ein rituell-kultisches Wechselspiel vom Erzeugen bestimmter Bilder und willenshaftem Einprägen bestimmter Mantren in die Chakren, die dadurch wahrnehmbar werden. Es beginnt dann die Seele zu "laufen", Schritt für Schritt bestimmte Wege in geistigen Regionen abzuschreiten. Der Engel ist der zuverlässige Führer zu Begegnungen mit anderen höheren Wesen. Es beginnt ein erkennendes Vertrautwerden mit diesen Wesenheiten, denen jeweils verschiedene Aufgaben zukommen.

In einer öffentlichen Darstellung muß es bei dieser Andeutung bleiben.

Es kann auf diese Weise eine Begegnung mit Doppelgängerwesenheiten oder Anteilen derselben erfahren werden. Dies ist eine der ersten Arbeiten, die geleistet werden muß: den Ballast der Vergangenheit anzuschauen und aufzuarbeiten. Anfangs wird er in Symbolen geschaut, später gelangt man an die Orte früherer Inkarnationen, an denen das Unheil oder Heil entstanden ist.

Seit gut zwei Jahren arbeite ich in dieser Methode mit Menschen, die ein Interesse daran haben, wirkliche, bewußte Schwellenerlebnisse herbeizuführen. Oftmals sind leidvolle, halbbewußte derartige Erlebnisse schon vorangegangen, die Lebenskrisen ausgelöst haben.

Unter meiner Anleitung wird die Gegenwart des Engels ins Bewußtsein gerufen und eine vereinfachte Einstiegimagination aufgebaut. Danach besteht meine Tätigkeit darin, geistig den Kontakt zum Engel zu erhalten, ihn um die erhellenden Bilder zu bitten und im Gespräch mit dem Geistesschüler die Bilder zu verfolgen und zu deuten.

Es ist mir dadurch eine immer umfangreichere Erkenntnis karmischer Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten zuteil geworden.

Erstaunlich ist immer wieder die Tatsache, daß dem Menschen genau das gezeigt wird, was zur Erhellung seiner Problematik beiträgt und seiner momentanen Reife entspricht. Bisher ist es nicht vorgekommen, daß solches Wissen Krisen hervorgerufen hätte, sondern im Gegenteil tritt meist eine Beruhigung und Stärkung der Lebenssicherheit ein.

Ein Einwand, der gerade von anthroposophischer Seite gelegentlich gemacht wird, man solle nicht aus Neugier in sein Karma schauen, erledigt sich von selbst. Denn solange Neugier das Motiv ist, wird die geistige Welt nichts Erhebliches zeigen. Der Betreffende dreht sich im Kreis und merkt es auch sehr bald. Auch Angst und überhaupt jegliche Unreife machen eine solche Arbeit unmöglich, so daß eine vorangegangene Lebensreife und Schulung Voraussetzung sind, um tiefere Einblicke in das Karma und die sich aus solchem Wissen ergebende Lebensgestaltung zu erhalten.

Ein weiterer Einwand, der gemacht werden kann, ist die Frage nach der Sicherheit des Wahrheitsgehaltes dieser Art Einblicke in die Vergangenheit.

Hier gilt es, sehr subtil die Vorgänge zu beobachten, um die symbolisch erlebten von den auf frühere Erlebnisse hinweisenden Bildern unterscheiden zu können.

Es gehört umfangreiche Erfahrung dazu, die geistigen Erlebnisse richtig zu deuten.

Da dieser Prozeß durch die Engelwelt und das Höhere Selbst des Menschen gelenkt wird, erscheinen die zur Selbsterkenntnis notwendigen Ereignisse zuerst und zwar in einem sinnvollen Zusammenhang durch verschiedene Inkarnationen. So können naheliegende und weit zurückliegende Leben in einem Zusammenhang gezeigt werden und dazwischenliegende Inkarnationen bleiben erst einmal unberücksichtigt. Es geht auch nicht um lückenlose Vollständigkeit und auch nicht um berühmte oder bekannte Namen. Nur selten wird ein Name mitgeteilt. Manchmal ergibt sich die Identität mit einer historisch bekannten Gestalt aus den Erlebnissen. Dann kann es sein, daß man auch den Namen hört.

Mit fortschreitender Entwicklung ist es auch möglich, in die Zustände zwischen den Leben zu gelangen, um die karmischen Ergebnisse und Ziele zu ergründen.

Es ist in jedem Fall ein Herantasten an die Wahrheit, bei dem sich auch mitunter Unklarheiten und Fehler einstellen können. Aber im Laufe eines längeren Prozesses können sie erkannt werden. Es ist auch hierbei notwendig, mit offen bleibenden Fragen leben zu können.

Bedenken der Abhängigkeit von einem Lehrer oder Führer ist für manche Menschen gegeben.

Mein Anliegen ist es, eine Anleitung im Erüben geistiger Erfahrungen zu geben, die auch nach einigen Sitzungen zu immer größerer Selbständigkeit führen soll.

Es ist vollkommen in das Ermessen des Schülers gestellt, wie oft und in welchen Abständen er mich aufsucht.

In jeder Kunst, in jeder Wissenschaft ist ein Lehrer-Schüler- Verhältnis förderlich. Ein Klavier- oder Geigenunterricht ohne persönliche Anleitung, nur nach Buch, wird selten zu glänzendem Erfolg führen. Auch eine Geistesschulung ist erfolgreicher, wenn außer dem grundlegenden Studium gelegentlich ein erfahrener Lehrer oder Ratgeber aufgesucht werden kann. Rudolf Steiner beschreibt es folgendermaßen: "Einzusehen ist, daß solche Meditationstätigkeit besser zum Ziel führt, wenn sie unter Anleitung erfahrener Menschen geschieht."10

Würde ich nicht solchen Persönlichkeiten begegnet sein, wäre ich wohl kaum zu meinen Fortschritten gelangt.

Manchmal erlebt man, daß Menschen für sich oder für von ihnen verehrte Menschen bestimmte Inkarnationen beanspruchen, die ihnen begehrenswert erscheinen. So kann es geschehen, daß eine Inkarnation mehrfach besetzt erscheint. Rudolf Steiner beschreibt dieses Phänomen anhand der Gestalt der Maria Magdalena, die ihm nach seiner Aussage in achtundzwanzig verschiedenen Personen begegnet sei, d.h. diese Personen haben es behauptet.11 Rudolf Steiner führt das darauf zurück, daß tief im Unterbewußtsein einer solchen Person ein derartiger Wunsch rumort und dann als scheinbares Erlebnis aufsteigt.

Das kann nur solange geschehen, bis eine wirkliche Selbsterkenntnis betrieben wird und damit das Doppelgänger- und üSchwellenhtererlebnis stattfindet. Alle solchen Wünsche werden entlarvt und nur, was tatsächlich im Menschen vorhanden ist, wird durch den Engel und das Höhere Selbst gezeigt.

Auch bei Inkarnationen historisch bekannter Personen wird nicht das erlebt, was vielleicht in Geschichtsbüchern und Sagen verzeichnet ist, sondern die wahren Erlebnisse, die die Individualität geprägt haben, tauchen aus dem Ätherleib auf. Vor allem aber gibt der sinnvolle Zusammenhang mehrerer Leben die Gewißheit der Stimmigkeit. Wenn es dann noch gelingt, nachtodliches Geschehen und vorgeburtliche Entschlüsse zu erfragen oder zu erleben, bleibt kein Zweifel mehr.

Ein Phänomen, welches einige Male aufgetreten ist, soll nicht unerwähnt bleiben. Bei Menschen, die stark miteinander verbunden sind, z.B. Ehepartnern, kann es geschehen, daß einer stellvertretend für den anderen dessen Inkarnationen erlebt. Es scheinen dies Inkorporationen gewesen zu sein, zumindest hat eine sehr starke geistige Verbundenheit in der betreffenden Inkarnation bestanden.

Auch tritt es zuweilen auf, daß man in alten Zeiten, besonders in den Mysterien, die Erlebnisse der mit einem verbundenen Menschen hellseherisch miterlebt hatte, so daß die Rollen, die die einzelnen Personen bei einem Geschehen gespielt haben, erst durch vielfaches Überprüfen geklärt werden können.

Erfahrungen mit den Doppelgängern und den Schwellenhütern

Oftmals besteht Unklarheit darüber, was und wer mit diesen Bezeichnungen gemeint ist. Mit den Doppelgängerwesenheiten wird der Mensch als erstes und auf mannigfache Art in seinem Leben konfrontiert. Rudolf Steiner spricht von dem luziferischen Doppelgänger, einer Wesenheit, die noch vor der Begabung mit dem Ich in unseren Astralleib eingezogen ist.12 Er ist eine schöne engelgleiche Wesenheit, die das Bestreben hat, sich vor den Engel des Menschen zu stellen, dessen Erscheinungsbild imitierend und so Einfluß zu gewinnen sucht. Dies hatte zur Folge, daß im Laufe der atlantischen Zeit ahrimanische Wesen Zugriff zum Ätherleib des Menschen erhielten. Durch die vielfältigen Irrtümer und Verstrickungen, denen der Mensch durch diese Einflüsse erlag, entstand eine weitere Wesenheit, der karmische Doppelgänger.

Dieses sehr individuelle und deshalb schwer beschreibbare Wesen macht sich in heutiger Zeit durch den allgemein erlebten Schwellenübertritt der Menschheit häufig auf sehr unbequeme Weise bemerkbar. Es will und muß dieses Wesen erlöst werden. Es rumort so lange, bis der Mensch bereit ist, es anzusehen und mit der Umarbeitung zu beginnen.

Wenn nach dem Tode des Menschen Seele, nachdem sie sich im Kamaloka geläutert hat, in höhere Sphären aufsteigt, belädt sich der Doppelgänger mit dem zurückgelassenen unaufgelösten Karma und ist gezwungen, damit durch die untersinnlichen Bereiche zu wandern. Während das Ich des Menschen mit den geläuterten Anteilen der Seele in höchsten Sphären die Entschlüsse zum Guten für die kommende Inkarnation faßt, geschieht wie eine Spiegelung im Untersinnlichen die Aufladung (Elektrifizierung) dieser Schattenwesenheit. Kurz vor der Geburt vereinigt sich die höhere mit der niederen Wesenheit, um an dem Ausgleich arbeiten zu können.

Hier würde den Leser sicher interessieren, ob Sie von eigenen Forschungen berichten oder auf andere Autoren bezug nehmen (mir sind zum Beispiel die Darstellungen über den Durchgang des D. durch die untersinnliche Welt nicht bekannt).

Nun treten auch der luziferische und der ahrimanische Doppelgänger wieder in ihre zeitweisen Rechte ein, d.h. diese können sie solange wahrnehmen und über den karmischen Doppelgänger wirken, bis sie durch des Menschen Taten erlöst sind. Eine weitere, an die geographische Erde gebundene ahrimanische Wesenheit, der sogenannte geographische Doppelgänger, kann noch zusätzlich den physischen Leib besetzen und dadurch den Hang zum Materialismus verstärken.13

Der karmische Doppelgänger kann viele Facetten haben, je nach der Vielfältigkeit der vergangenen Erdenerfahrungen und auch in unterschiedlichen Erscheinungsformen auftreten.

In den verschiedenen Lebensabschnitten können Varianten dieses Wesens den Menschen in zutiefst erschreckende Situationen führen.

Nach der Schilderung Rudolf Steiners vom "kleinen Hüter", die in eine Art Mythe gekleidet ist, könnte man versucht sein, eine äußerliche, massive Erscheinung zu erwarten.14 Es kann dies wohl gelegentlich so auftreten, aber in der Regel agiert er subtiler.

Diffuse Ängste, Phobien, etc. können Ausdruck des gelockerten Doppelgängers sein. Solange ein Mensch seinem Selbstbehauptungswillen und seiner Macht- und Triebnatur folgt, ohne dieses Verhalten zu hinterfragen, ist er noch fest mit seinem Unterbewußten verbunden und damit dem Doppelgänger unterworfen. Ängste werden nicht frei, sondern treten als Aggression in Erscheinung.

Der Doppelgänger wählt oftmals die Zustände zwischen Schlafen und Wachen. Dort kann er hineinrutschen und in einem Blitzmoment eine gespensterartige Erscheinung hervorrufen. Aber auch im vollen Wachbewußtsein tritt er wie eine starke geistige Kraft unsichtbar dem Menschen entgegen. Nur durch eine geregelte Schulung wird man lernen, diese Wesenheit imaginativ zu durchschauen und mit der Umwandlung zu beginnen. Es ist dieses auch immer mit Karmaerkenntnis verbunden.

Der Engel des Menschen und sein Höheres Selbst, welches in der Region der Elohim lebt, sind die Wissenden und Hüter der Inkarnationen. Sie führen in der karmischen Rückschau an die Punkte, an denen gutes wie schlechtes Karma entstanden ist.

Begegnungen mit anderen geistigen Wesenheiten

Auch hierbei ist der individuelle Ansatz entscheidend. Wo liegt das momentane Interesse? Mit welchen Wesen hat man sich in der Vergangenheit verbunden?

Der Hüter aller Schwellenhüter ist Christus im Antlitz des Michael erscheinend. Bevor man Michael begegnet, treten jedoch andere Wesen auf. Was Rudolf Steiner in klassischer Weise beschrieben hat als allgemeine Regeln, individualisiert sich durch das Karma des Einzelnen. Dämonen, die sich durch bestimmte Taten dem Doppelgänger zugesellt haben, müssen erkannt und überwunden werden. Der treueste Helfer bei allen geistigen Erfahrungen ist der Engel des Menschen, der die Verbindung zu anderen höheren Wesenheiten herbeiführt, die auch in früheren Leben schon mit der Individualität verbunden waren. Es können dieses höhere Gruppenseelen oder Erzengel sein.

So haben verschiedene Mysterienströme ihre eigenen Hüterwesen.

Der einstmalige Mysterienschüler kann durch solche Begegnung an die alte Weisheit gelangen, wenn er in der jetzigen Inkarnation wiederum die Reife erlangt hat. Rudolf Steiner formuliert folgendermaßen: "Ein Mensch aber, der weise werden will, bestrebt sich, dasjenige, was er an Arbeit in früheren Inkarnationen geleistet und aufgespeichert hat, aus den früheren Inkarnationen herüberzubringen. Je weiser wir werden, desto mehr bringen wir aus früheren Inkarnationen herüber, und wenn wir nicht weise werden wollen, so daß wir das Weisewerden von früheren Inkarnationen brach liegen lassen, dann kommt einer, der es absägt: Ahriman.

Niemand will es lieber als Ahriman, daß wir nicht weiser werden."15

Die drei von Rudolf Steiner als Philia, Astrid und Luna bezeichneten Seelenkräfte werden auch individuell unterschiedlich erlebt.16 Auch dabei habe ich den Eindruck, daß sie von Wesenheiten aus höheren Hierarchien geleitet sind, die ganz unterschiedlichen Charakter haben können.

Welche Bedeutung hat ein Wissen aus vergangenen Zeiten
für das gegenwärtige und zukünftige Leben?


Eine Erfahrung scheint mir wesentlich zu sein: die Zeit bekommt eine neue Qualität, wirkt weniger linear, sondern trifft in dem gegenwärtigen Zeitpunkt wie in einen Mittelpunkt/Brennpunkt hinein, von dem Vergangenheit und Zukunft aus- und einstrahlen; es scheint die Zukunft als Weltenplan,- man könnte sagen, wie eine weiche, noch veränderbare Plastik,- unablässig herein. Aus den Taten der Vergangenheit ergeben sich die Aufgaben der Zukunft; man erkennt seinen Platz im Gesamtzusammenhang. Es kann damit durchaus ein Erschrecken verbunden sein, wenn klar wird, daß unsere gegenwärtige Kultur den einstmals hochstehenden Menschen in eine fürchterliche Banalität hinuntergezogen hat. Daraus kann eine konsequente Entscheidung erwachsen, der Christuswesenheit dienen zu wollen und damit die Ernsthafigkeit der Lebensführung sich verstärken.

Man erkennt die Ursachen gegenwärtiger Probleme, wird sie gezielter angehen, weiß auch, was noch zu lernen ist, wo Defizite und Einseitigkeiten herrschen.

Bequemer ist es sicher, das alles nicht zu wissen, man kann dann so weiter leben wie bisher und seinen Platz im Leben behaupten.

Der Zugang zu einer solchen geistigen Überschau läßt einen Zusammenhang erkennen des durch Rudolf Steiner initiierten Kultus, beginnend mit der Weihnachtstagung und der Einrichtung der Klassenstunden, mit uraltem atlantischem Zeremoniell, ausgehend von Manu - nicht zu verwechseln mit Manes - von diesem an Sem übertragen, durch Zarathustra und später durch Melchisedek wirkend, der das Amt Abraham übertrug. In Christus wurde der Kultus neu geboren und in den Gralsmysterien durch Jahrhunderte praktiziert, lebte seit der Vernichtung durch die Inquisition in geistigen Welten in der Michaelsschule weiter. Dort wird er auch heute zelebriert. Durch den Gralsträger Parzival wird er auf Erden fortgeführt werden können, wenn eine Schar geeigneter Menschen zusammenfindet.

Abschließend sei bemerkt, daß mir bewußt ist, daß von den neun gegenwärtig zu erreichenden Stufen geistiger Entwicklung noch lange nicht alle von mir erklommen worden sind. In einigen Regionen bewege ich mich sicher, andere habe ich erfahren, aber noch keine Selbständigkeit darin erlangt. Manches ist mir wohl auch noch gänzlich unbekannt. Trotzdem will ich es wagen, siebzig Jahre nach Rudolf Steiners Tod, mit durch den Schulungsweg erlangten Fähigkeiten von der Gangbarkeit seines Weges Zeugnis abzulegen.

Anmerkungen:

1) Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10, S. 69.
2) Rudolf Steiner: Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, GA 235-240, Bd. 1-6.
3) Valentin Tomberg: „Anthroposophische Betrachtungen zum Alten Testament-Anthroposophische Betrachtungen zum Neuen Testament Die vier Christusopfer und das Erscheinen des Christus im Ätherischen
Sieben Vorträge über die innere Entwicklung des Menschen
Die Grundsteinmeditation Rudolf Steiners
Achamoth-Verlag, Herdwangen-Schönach.
4) Willi Seiß: Chakra-Werk, Achamoth-Verlag, Herdwangen-Schönach.
5) Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10, Kapitel: Über einige Wirkungen der Einweihung, S. 115-138; Anweisungen für eine esoterische Schulung, GA 42/245, S. 15-30.
6) Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10, S. 138-158; - Willi Seiß: Chakra-Werk, Kapitel: Die Kundalini-Lebenskraft, ihre Bedeutung.
7) Rudolf Steiner: Welche Bedeutung hat die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen - physischer Leib, Ätherleib, Astralleib - und sein Selbst?, GA 145, S. 175-181, Vortrag vom 29.3.1913.
8) Rudolf Steiner: Faust, der strebende Mensch, GA 272, S. 183-186, Vortrag vom 16.8.1915.
9) Rudolf Steiner: Apokalypse des Johannes, GA 104, S. 53, Vortrag vom 19.6.1908.
10) Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10, S. 40.
11) Rudolf Steiner: Erfahrungen des Übersinnlichen. Die Wege der Seele zu Christus, GA 143, S. 81, Vortrag vom 25.2.1912.
12) Rudolf Steiner: Die Geheimwissenschaft im Umriß, GA 13, S. 248-256.
13) Rudolf Steiner: Individuelle Geistwesen und ihr Wirken in der Seele des Menschen, GA 178, Vortrag vom 18.11.1917.
14) Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10, Kapitel: Der Hüter der Schwelle.
15) Rudolf Steiner: Das Geheimnis des Todes, GA 159, S. 17, Vortrag vom 31.1.1915.
16) Rudolf Steiner: Vier Mysteriendramen, GA 14.

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