<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/'><id>tag:blogger.com,1999:blog-18265456</id><updated>2007-12-20T17:36:56.173+01:00</updated><title type='text'>ANTHROBLOG</title><link rel='alternate' type='text/html' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default'/><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/atom.xml'/><author><name>laurinblog</name></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>10</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>25</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-18265456.post-6510626856362253696</id><published>2007-12-20T17:28:00.000+01:00</published><updated>2007-12-20T17:36:56.202+01:00</updated><title type='text'>Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit</title><content type='html'>»Ein Mensch, der heute von dem Ideal von Rassen und Nationen und Stammeszusammengehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit. ... Denn durch nichts wird sich die Menschheit mehr in den Niedergang bringen, als wenn sich die Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen. Durch nichts wird der wirkliche Fortschritt der Menschheit mehr aufgehalten als dadurch, dass aus früheren Jahrhunderten stammende ... fortkonservierte Deklamationen herrschen werden über die Ideale der Völker, während das wirkliche Ideal dasjenige werden müsste, was in der rein geistigen Welt, nicht aus dem Blute heraus, gefunden werden kann. ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Denn nur durch geistige Bande unter den Menschen wird in das Niedergehende, das ganz naturgemäß ist, Fortschreitendes hineinkommen. Ich sage: das Niedergehende ist naturgemäß. Denn geradeso wie der Mensch, wenn er ins Alter kommt, nicht ein Kind bleiben kann, sondern mit seinem Leib in eine absteigende Entwickelung eintritt, so trat auch die ganze Menschheit in eine absteigende Entwickelung ein. ... Zu glauben, dass die alten Ideale fortleben können, ist geradeso gescheit, wie zu glauben, dass der Mensch sein ganzes Leben hindurch buchstabieren lernen soll, weil es dem Kinde gut ist, buchstabieren zu lernen. Ebenso gescheit wäre es, wenn man in der Zukunft davon reden wollte, dass über die Erde hin eine soziale Struktur sich ausbreiten soll auf Grundlage der Blutszusammengehörigkeit der Völker.«&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Rudolf Steiner&lt;/span&gt;, GA 177, Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt. Der Sturz der Geister der Finsternis, 26.10.1917, S. 203-206.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.anthroposophy.com/aktuelles/gagegenrass.html"&gt;Referenz: Die Überwindung des Rassismus durch die Anthroposophie&lt;/a&gt;</content><link rel='alternate' type='text/html' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/2007/12/rassenideale-sind-der-niedergang-der.html' title='Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit'/><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/atom.xml' title='Kommentare zum Post'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/6510626856362253696'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/6510626856362253696'/><author><name>laurinblog</name></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-18265456.post-6205857947394400870</id><published>2007-12-01T21:36:00.000+01:00</published><updated>2007-12-01T21:41:03.676+01:00</updated><title type='text'>Was wollen Anthroposophen wirklich?</title><content type='html'>Die Anthroposophen wollen eine andere Welt, eine bessere Welt. Eine Welt, in der nicht verschwenderisch Raubbau an den Ressourcen der Erde getrieben wird. Eine Welt, in der die Menschheit die Erde von der Lithosphäre bis zur Stratosphäre schützt und hegt, weil sie die Grundlage der Existenz aller ist. In der Tiere nicht grausam gequält werden, um einen Teil der Menschheit ungesund zu ernähren und gleichzeitig andere dem Hungertod preiszugeben. Eine Welt, die nicht vergiftet wird, um billige Lebensmittel zu erzeugen, in der Landwirtschaft ein wirklicher Dienst an der Erde und ihren Lebewesen ist, der entsprechend von den Konsumenten der Nahrung gewürdigt wird.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Welt, in der Menschen nicht gezwungen werden, nur um subsistieren zu können, sinnlose Produkte zu erzeugen, die ihrer Gesundheit und der Gesundheit anderer schaden oder menschenunwürdige Arbeiten und Dienstleistungen zu verrichten. Sie wollen eine Ökonomie, die nicht Überfluss, sondern Sättigung schafft, die mit ihrer Wertschöpfung nicht dem Egoismus Weniger, sondern dem Wohl aller dient. In der Menschen nicht als Sklaven von Gruppeninteressen missbraucht werden, sondern die Kapitalressourcen der individuellen und spirituellen Entfaltung der Menschen dienen. Sie wollen eine gerechtere Welt, in der die Schätze der Natur und der Kultur unter allen Völkern und Kulturen brüderlich geteilt werden. Eine Welt, in der die kulturellen und zivilisatorischen Güter gerecht verteilt werden, in der die Zugänge zur Bildung und zu Lebenschancen jedem offen stehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie wollen eine Gesellschaft, in der wirkliche Freiheit herrscht, Freiheit des Denkens und Handelns, in der sich die kreativen Kräfte der Einzelnen optimal entfalten können und diese Entfaltung durch die Anstrengungen aller gesichert wird. Sie wollen eine Welt, in der Behinderte ihren Lebensbedingungen entsprechend vollwertig in die Gesellschaft integriert sind. In der Kranke wirklich geheilt, statt durch medizinische Behandlung krank werden. In der iatrogene Moribundität nicht in Gesundheit umdefiniert wird, weil ein medizinisch-industriell-politischer Komplex aus dieser Umdefinition schamlos Profit zieht. In der Alte nicht abgeschoben werden, sondern mit ihren Lebenserfahrungen vollwertig an der Gemeinschaft partizipieren dürfen. In der Sterbende würdevoll in ihre geistige Heimat zurückkehren dürfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie wollen eine Welt, in der es keine Kriege gibt, da die einzelnen Völker oder Bürgerschaften nur danach wetteifern, sich in Friedfertigkeit und Edelmut gegen einander zu übertreffen. Sie glauben, dass eine solche Welt möglich ist, wenn die einzelnen Völker und Kulturen sich in ihren unterschiedlichen Werten und Mythen achten und diesen dieselbe Liebe entgegenbringen, wie den jeweils eigenen. Sie wollen eine pluralistische Gesellschaft, in der die unterschiedlichen Religionen, Weltanschauungen und Wissenschaftsrichtungen gleichberechtigt und friedlich miteinander koexistieren können. Sie wollen eine Gesellschaft, in der das spirituelle Leben nicht ausgeschlossen wird, sondern den Alltag bis in die Wirtschaft durchdringt, und eine Technik erzeugt, die nicht lebensfeindlich, sondern lebensdienlich ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie glauben, dass die Menschheit eine Aufgabe hat: sich als Gemeinschaft zu begreifen, in der jeder Einzelne, jedes Volk, jede Kultur den anderen die gleiche Liebe und Anerkennung entgegenbringt. Dass sie sich als eine vielfältige, in sich differenzierte und doch in allen ihren Teilen auf einander angewiesene Einheit erkennen kann. Als eine organismische Noosphäre, die den Planeten Erde als Arche inmitten eines unendlichen Kosmos sehen lernt, von dem ihre Existenz abhängt, dem gegenüber sie Ehrfurcht und Selbstlosigkeit bezeugen will. Dass diese bruderschaftlich verstandene Menschheit nicht nach der Maxime verfahren wird, das Glück Weniger auf Kosten Vieler anzustreben, oder das Glück vieler auf Kosten Weniger, sondern das Glück aller. Sie streben eine Welt an, in der biologische oder Herkunftsunterschiede oder sonst irgendwelche äußeren Kennzeichen des Menschen kein Hindernis für den Zugang des Einzelnen zu was auch immer darstellen. In der sich die Menschen, gleich welche Hautfarbe, welche Weltsicht, welche Bildung, welche Religion sie haben, vorbehaltlos als Menschen anerkennen und auch als solche behandeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie wollen die Menschen insgesamt von ihrer Abhängigkeit von Macht und Besitz befreien. Sie würden sich wünschen, die Begegnung unter Menschen könnte wie ein religiöses Sakrament aufgefasst werden, als das Heiligste, das uns geschenkt ist. Sie glauben an die Heiligkeit des menschlichen Lebens, an seine Gottursprünglichkeit, aber auch die Gottebenbildlichkeit des Menschen, eines jeden Menschen, möge er welche Hautfarbe auch immer und was für Vorzüge oder Behinderungen auch immer besitzen. Sie sehen den Menschen aufgrund seiner Gottebenbildlichkeit im Besitz einer unantastbaren und unveräußerlichen Würde. Sie halten diese Würde des Menschen für ein heiliges Gut, das sie mit religiöser Ehrfurcht achten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie sind der Überzeugung, dass der Mensch mit Verstand und Vernunft begabt ist, um bis in die letzten Gründe und Ursachen des Weltgeschehens vorzudringen. Dass er seine Erkenntnisfähigkeiten anwenden kann, um eine pluralistische, freiheitliche Gesellschaft autonomer Individuen zu schaffen, in der zugleich der Individualismus durch gegenseitige Liebe und Solidarität nicht nur unter den Nächsten, sondern auch den Fernsten ausgeglichen wird. Sie sind der Überzeugung, dass eine rein diesseitsorientierte Zivilisation wesentliche Teile der menschlichen Existenz unberücksichtigt lässt, und soziales Unglück heraufbeschwört, weil sie die spirituellen Bedürfnisse des Menschen verneint. Dass eine Wissenschaft, die sich lediglich dem Sichtbaren und Messbaren zuwendet, der komplexen menschlichen Existenz nicht gerecht wird, und Gefahr läuft, wenn sie Dominanz über die politischen Entscheidungen erlangt, eine soziale Wirklichkeit zu schaffen, in der der unsichtbaren und ungreifbaren Seite des Menschenwesens die Existenzberechtigung aberkannt wird. Ganz zu schweigen von der Intoleranz und dem sozialen Unfrieden, die eine solche Dominanz erzeugen würde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie betrachten spirituelle Erfahrung und spirituelle Weltbilder als notwendige Konsequenz der conditio humana, aus deren spirituellen Dimensionen sie sich naturgemäß ergeben und erkennen diesen dieselbe Existenzberechtigung zu, wie unspirituellen Weltbildern. Sie plädieren für Toleranz zwischen den Weltanschauungen und Religionen, die die fremde Andersartigkeit ebenso achtet wie die eigene. Sie sind der Ansicht, dass ein Friede zwischen den Religionen nur erreicht werden kann, wenn diese sich nicht mit ausschließlichen Wahrheitsansprüchen bekämpfen, sondern ihre jeweiligen Welterklärungsweisen und aus ihnen entspringenden Lebensformen als legitime Selbstauslegung des spirituellen Menschenwesens gelten lassen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie verabscheuen jede Ideologie, die danach trachtet, das Fremde oder Andersartige auszulöschen, weil sie alleinige Geltung beansprucht. Jede Form von Totalitarismus ist ihnen zuwider, will sie ihrem höchsten Ideal, der individuellen Freiheit widerspricht. Sie befürworten eine absolute Religionsfreiheit. Sie betrachten ebenso die Kunst als eine wesentliche Selbstauslegung des Menschen, der eine bedeutende Aufgabe in der Bildung, Erziehung und im gesellschaftlichen Leben zukommt, weil sie auch Ausdrucksformen für jene Aspekte des menschlichen Lebens bietet, die von der wissenschaftlichen Rationalität missachtet werden, wie die Emotionalität oder die Empathie, wie das Ahnen und die Sehnsucht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie sind der Überzeugung, dass die Menschheit, wenn sie diese Ziele anstrebt, nicht nur ein friedliches Leben auf dieser Erde führen kann, sondern dass sie durch die Verwirklichung dieser Ideale sich kollektiv auf eine höhere Evolutionsstufe erheben wird, eine spirituelle Stufe der Evolution, in der nicht mehr die ererbten tierischen Urinstinkte die Geschichte bestimmen werden, sondern die moralischen Instinkte, die sich der Mensch selbst anerzogen hat. Dieser neue Entwicklungsschub kommt jenem der neolithischen Revolution gleich, ja wird ihn bei weitem übertreffen. Die Menschheit wird dann nicht mehr die Erde für sich beanspruchen, sondern sich ihr hingeben. Die moralischen Kräfte werden die Menschheit und mit ihr die Erde in eine Form erheben, die dem göttlichen Ursprung näher steht, als die gegenwärtige. Denn letztlich schließt die Gottebenbildlichkeit des Menschen eine Perspektive der Entwicklung ein, in der der Mensch durch Freiheit zur theosis gelangen kann. Für all diese Ziele setzen sich die Anthroposophen überall auf der Welt ein, weil es ihnen Ernst mit der besseren Welt ist. Sie arbeiten im Bildungswesen, im medizinisch-therapeutischen Bereich, im Kulturwesen, in der Wirtschaft, in den Wissenschaften, um die sanfte Revolution voranzutreiben, die ihnen vor Augen schwebt.</content><link rel='alternate' type='text/html' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/2007/12/was-wollen-anthroposophen-wirklichein.html' title='Was wollen Anthroposophen wirklich?'/><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/atom.xml' title='Kommentare zum Post'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/6205857947394400870'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/6205857947394400870'/><author><name>laurinblog</name></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-18265456.post-2698621390167451274</id><published>2007-12-01T20:31:00.001+01:00</published><updated>2007-12-01T21:41:38.454+01:00</updated><title type='text'>Denunziantentum</title><content type='html'>Der Rassismus stellt ohne Zweifel eine der großen Katastrophen der neueren Geschichte dar. Als Rassenantisemitismus mündete er im ultimativen Verbrechen des nationalsozialistischen Genozids. Die moralische Verwerflichkeit dieses Verbrechens und seine geschichtliche Einzigartigkeit kann von keinem vernünftigen Menschen bestritten werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So wie die andere reduktionistische Ideologie des 19. Jahrhunderts, die Ideologie des Klassenkampfs, führte die Ideologie des Rassenkampfs zu einer Entfesselung von Gewalt und einer Dehumanisierung in nie dagewesenem Ausmaß. Der Rassismus identifizierte Individuen mit einem biologischen Typus und reduzierte sie auf diesen. Nicht durch ihr Tun, sondern durch ihr Sein sollten sie bestimmt sein. Der angeblichen Determination durch den Rassentypus konnte niemand entrinnen. Der Kommunismus in seinen verschiedenen Formen identifizierte die Individuen mit ihrer Klasse und hielt die angebliche Determination durch diese Gruppenzugehörigkeit für ebenso unentrinnbar. Die totalitären Großideologien führten bei den Versuchen ihrer gesellschaftlichen, politischen Umsetzung nicht nur zu zwei Weltkriegen, sondern auch zu binnenstaatlichen Katastrophen nie dagewesenen Ausmaßes.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;&lt;/span&gt;Im Horizont der biologististischen und soziologistischen Programme blieb kein Raum für das Individuum, kein Raum für die Andersartigkeit, kein Raum für Freiheit. Das war der Grund, warum sowohl in kommunistischen Staaten als auch im nationalsozialistischen Regime die Anthroposophie verboten war. Die Anthroposophie widerstreitet der Reduktion des Menschen auf biologische Merkmalsgefüge ebenso, wie seiner Reduktion auf gesellschaftlich definierte Kategorien. Sie sieht das Wesen des Menschen in seiner einzigartigen, unaustauschbaren geistigen Individualität, die sie jedem Angehörigen der Gattung zuspricht, ohne Ausnahme und Abstriche. Sie leugnet weder das Vorhandensein eine biologischen Natur noch die Existenz gesellschaftlicher Verhältnisse, in die das einzelne Individuum eingebettet ist. Sie bestreitet jedoch die Reduzierbarkeit des Menschen auf sie oder dessen Ableitbarkeit aus ihnen. Der einzelne Mensch ist aufgerufen, seinen biologischen und seinen gesellschaftlichen Leib (die Gesamtheit der naturhaften und sozialen Gegebenheiten) zu Ausdrucksmitteln seiner Freiheit zu erheben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Anthroposophie will den Menschen zu sich selbst befreien, indem sie auf den unreduzierbaren Quell einer schöpferischen Kreativität verweist, den jeder in sich trägt. Der Mensch ist nicht mit einem Bild identifizierbar, das andere sich von ihm machen, er ist immer mehr als das. Was er ist, kann er letztlich immer nur durch sich selbst explizieren. Diese Selbstexplikation setzt einen Raum der gesellschaftlichen Freiheit voraus, in dem diese zugelassen wird. Für die Anthroposophie ist unvorstellbar, einem Menschen das Menschsein abzusprechen, nur weil er nicht einer Vorstellung oder einem Bild des Menschen entspricht, das sich jemand anderes von ihm macht. Das bedingungslose Plädoyer für Freiheit und Selbstbestimmung, das sich aus der Einsicht ergibt, dass jeder Mensch einen göttlichen Wesens- und Würdekern in sich trägt, lässt prinzipiell keine Verdächtigungen zu. Was der andere ist oder was er will, kann nur er selbst sagen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Anders die Inquisitoren, die Verdächtiger und Jäger nach ideologischen Abweichlern. Sie unterstellen dem anderen Ansichten, die er nicht hat, sie wollen nicht auf die sich selbst explizierende Individualität hören, sie sind nur daran interessiert, andere als Projektionsfläche für die Rituale ihrer Selbstvergewisserung zu missbrauchen. Vorstellung ersetzt Wahrnehmung, Behauptung das Verstehen, Verurteilung die Würdigung des Fremden, des Einzigartigen. Die rassistoiden Antirassisten, die faschistoiden Antifaschisten, die sektiererischen Sektenjäger, sie alle missbrauchen andere Menschen lediglich als Objekte ihrer ideologischen Selbstrechtfertigung. Sie wollen das »gute« Menschsein monopolisieren, indem sie sich zu dessen allein legitimen Verteidigern erklären, sie beanspruchen eine Definitionsmacht über die andere Individualität, die totalitär ist. Sie sind in ihrer Neigung zur Diffamierung, zur Ausgrenzung, zur Stigmatisierung und Verfemung Andersdenkender nicht weniger militant als das von ihnen imaginierte Double. Sie reden in einem fort, aber wer hört ihnen zu, ausser sie selbst?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kann man mit ihnen reden? Kann man sie eines Besseren belehren? Kann man hoffen, sie auf das hinzuweisen, was zu sehen ist, was zu hören ist, wenn man nur sehen oder hören will? Ich fürchte nicht. Sie haben keinerlei Interesse am wirklichen Sehen und Hören. Für jeden aber, der sehen und hören, der verstehen will, denunziert sich der Denunziant selbst. Seine eifernde Anpreisung vorgeblicher Wahrheiten, seine repetitive Artikulation, seine monothematische Deklamation klären uns über ihn auf. Die Wahrheit ist jedem zugänglich, der sie wirklich finden will. Voraussetzung ist, dass wir unser Auge den Menschen zuwenden, dass wir einen emotionslosen Blick, ein unverstelltes Hören üben. Das Wunder der Begegnung ereignet sich nicht im Getöse ideologischer Beschuldigungen, Verdächtigungen und Unterstellungen, sondern in der Stille.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Lorenzo Ravagli&lt;/span&gt;</content><link rel='alternate' type='text/html' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/2007/12/denunziantentum_8319.html' title='Denunziantentum'/><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/atom.xml' title='Kommentare zum Post'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/2698621390167451274'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/2698621390167451274'/><author><name>laurinblog</name></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-18265456.post-115433074227877198</id><published>2006-07-31T09:21:00.000+02:00</published><updated>2006-07-31T09:25:42.296+02:00</updated><title type='text'>Arier, Atlantis und Akasha</title><content type='html'>Wieder einmal hat die Süddeutsche Zeitung sich als Forum für ausgewogenen Journalismus dargeboten, indem sie den Bericht Alexander Kisslers über eine Tagung von erklärten Gegnern der Anthroposophie, die jegliche kritische Distanz des Berichterstatters zu seinem Gegenstand vermissen läßt, abdruckte (am 25.7.2006, auf S. 12). Die Tagung zeichnete sich durch die gewollte Abwesenheit aller Betroffenen oder wirklichen Experten aus und war als nichts anderes denn als Forum für ideologische Verunglimpfung konzipiert. Indem der Autor sich die Extrempositionen der Mitwirkenden aneignet, eignet er sich ihre fragwürdigen Interpretationen der Anthroposophie an, die mit dem Selbstverständnis ihres Schöpfers wenig bis gar nichts zu tun haben. Nehmen wir die »Akasha-Chronik«, wie Steiner das »Buch des Lebens« nennt, das aus der christlichen Tradition durchaus bekannt ist. Geht man davon aus, daß die Welt aus einem schöpferischen Bewußtsein hervorgegangen ist, eine dem Christentum keineswegs fremde Annahme, dann ist auch die Vorstellung nicht absurd, daß dieses schöpferische Bewußtsein die Schöpfung durchdringt. Die katholische Theologie hat für dieses Verhältnis Gottes zur Schöpfung den Begriff der »creatio continua« geprägt. Wenn aber die göttliche Schöpfermacht die Schöpfung mit ihrem Bewußtsein durchdringt, ist es abwegig, anzunehmen, daß die gesamte Geschichte dieser Schöpfung im göttlichen Bewußtsein präsent ist, das die gesamte Zeit in sich begreift? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ausgehend von dieser Annahme, kann man sich einen Zugang zum Verständnis der religiösen Offenbarungen erschließen, die von dieser Schöpfung in bildhaft-symbolischer Form berichten. Die Schöpfungsberichte der verschiedenen Offenbarungsreligionen sind dann ebenso aus einem Eintauchen ihrer Stifter in Teile dieses göttlichen Bewußtseins hervorgegangen, wie die entsprechenden Mythen, die sich in allen Religionen und Mythologien der Erde finden. Der Eintritt der Aborigines in die Traumzeit ist nichts anderes als ein Eintauchen in dieses Bewußtsein, ebenso die Erfahrung des Schamanen, der Kosmogonie und Anthropogonie in seinem Trancezustand rekapitulierend durchlebt. Andere spirituelle Techniken, die zu vergleichbaren Erfahrungen führten, haben diverse Mysterien der Antike ausgebildet. Die gesamte Menschheitsgeschichte bis in die Gegenwart bietet einen unerschöpflichen Fundus von Anschauungsmaterial dafür, wie Menschen durch Herbeiführen anderer Bewußtseinszustände zu Beobachtungen, Erfahrungen und Wissen gelangten, das unserem Alltagsbewußtsein unvertraut ist. In vielen Mythen und Offenbarungsreligionen finden sich Schilderungen symbolischer Art, die ein sukzessives, evolutiv-kreatives Hervorgehen der Welt aus dem Geist Gottes, dem Schoß der Urmutter oder einer abgestuften Götterwelt usw. beschreiben. Der Aufklärung verdanken wir die abendländische Schizophrenie, die dieses mythische Bewußtsein und die Realität, aus der es schöpft, vollkommen verdrängt hat. Die Verdrängung dieser mythischen Realität hat sich am Abendland im 19. und 20. Jahrhundert schrecklich gerächt, indem sich die aufgeklärten abendländischen Gesellschaften säkulare Ersatzmythen wie den Nationalismus oder den Rassismus schufen, von deren Schlund die aufklärerische Nüchternheit in Orgien der Brutalität verschlungen wurde. Warum sollte es nicht auch in der Neuzeit möglich sein, unter den Bedingungen einer wissenschaftlichen Erfahrungsart, die auf Beobachtung und Denken beruht, die mythische Realität wieder einzuholen, die auch der Quell der Offenbarungsmythen ist? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Steiner hat keineswegs den Anspruch erhoben, der einzige zu sein, der Zugang zum »Buch des Lebens« hat. Er hat sich vielmehr in den Strom der gesamten Überlieferungsgeschichte der Religionen gestellt, in der es von Sehern geradezu wimmelt. Nur wenn man solche Erfahrungen von vorneherein für Schwachsinn hält, weil man die bornierte Verstandesrationalität als einzige Garantie der Wirklichkeit betrachtet, kann man diesen Grundgedanken jeder spirituellen Weltsicht generell verwerfen. Der Hochmut der Aufklärung hat aber auch dazu geführt, die Völker, die zu Opfern der europäischen Kolonisation geworden sind, als unterentwickelt zu betrachten, gerade, weil sie solche Erfahrungsformen bewahrt haben. Das Bewußtsein zivilisatorischer Überlegenheit, das das Abendland der Aufklärung verdankte, war die Wurzel des Kolonialismus und Imperialismus. Steiner hingegen betrachtete diese Bewußtseinsformen gänzlich anders. Er sah in ihnen Spiegelungen eines Wirklichkeitsbezugs, der in den kolonisierten Völkern lebendig war, durch den sie auf einer der abendländischen Zivilisation überlegenen spirituellen Stufe standen. Er war der Auffassung, das Abendland müsse sich von seiner Schizophrenie und seinem Überlegenheitsdünkel befreien, um die Katastrophen zu vermeiden, die es in der Weltgeschichte hervorgerufen hat. In dieser Beziehung hätte das Abendland von den kolonisierten Völkern zu lernen und nicht umgekehrt. Steiner hat auch stets betont, daß seine symbolischen Erzählungen aus einer prinzipiell fehlbaren Forschung hervorgingen, die der Überprüfung unterliegen. Nur kann man die Wahrheit des Mythos nicht mit dem Maßstab der Verstandesrationalität messen. Aus dieser ergibt sich auch die Ansicht, Tod und Auferstehung Christi seien nichts als absurde, fromme Märchen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kommen wir zur »arischen Wurzelrasse«. In Steiners Kulturphilosophie umschreibt dieser Begriff keine anthropologische Rasse, sondern einen bewußtseinsgeschichtlichen Horizont, der von den letzten Steinzeitmenschen bis weit über die Gegenwart hinausreicht. In dieser Geschichtsepoche haben alle Völker, die nur irgendwie in Erscheinung getreten sind, an einer Entwicklung teil, die darauf hinzielt, das neuzeitliche autonome Individuum hervorzubringen, das unter seinesgleichen gleichberechtigt und gleichwürdig am sozialen Geschehen Anteil hat. Die Quintessenz seiner esoterischen Lehren ist keine andere als die seiner »Philosophie der Freiheit«: das menschliche Individuum mit seiner Freiheit ist Quell aller Sittlichkeit und Mittelpunkt des Erdenlebens. Die menschliche Freiheit erhebt den Einzelnen über alle generativen, kollektiven Bestimmungen und Abhängigkeiten. Es gibt nur drei wesentliche moralische Maximen, die sich aus der freiheitsförmigen Sittlichkeit des Menschen ergeben: die Vermehrung des Gesamtwohls der Menschheit, rein um dieses Wohles willen, die Beförderung des Kulturfortschritts in Wissenschaft, Bildung und Kunst und die Verwirklichung der individuellen Freiheit selbst. Das ist der sittliche Kern der sog. »arischen Wurzelrasse«. Wer darin etwas Verwerfliches sehen will, dem ist nicht zu helfen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Weltbild Steiners ist mitnichten rassistisch. Im Gegenteil, durch seine unablässige Betonung des jedem Menschen eingeborenen Würdekerns, der jedem zukommt, gleichgültig, welche Hautfarbe er trägt, in welchem Kulturkreis er geboren wird, ob er behindert ist oder hochbegabt, eignet es sich sogar vorzüglich als Mittel zur Überwindung des Rassismus. Deswegen ist es auch besonders abwegig, wenn Kissler im Anschluß an Lichte behauptet, Waldorflehrer reproduzierten ein rassistisches Menschenbild. Das Gegenteil ist der Fall. Nichts ist weniger empfänglich für Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit als die Waldorfpädagogik. Das hat erst jüngst eine empirische Untersuchung des Kriminologen Prof. Christian Pfeiffer ergeben. Nach dieser Untersuchung schneiden die Waldorfschüler, was ihre Neigung zu Fremdenfeindlichkeit oder Rassismus betrifft von allen Schulformen (Haupt-, Realschulen, Gymnasien) weitaus am besten ab. Sind es bei Hauptschülern 24,7 % bzw. 9,5 %, fallen die Anteile bei Gymnasiasten auf 8,3 % bzw. 1,9 %, während nur 2,8 % der Waldorfschüler als fremdenfeindlich und 1,2 % als rechtsextrem einzustufen sind. Würden die Waldorflehrer in ihrem Unterricht einen (nicht vorhandenen) Rassismus aus Steiners Werk reproduzieren, dann könnte man diesen Lehrern lediglich attestieren, daß sie bei ihren Versuchen absolut erfolglos wären. Aber sie versuchen es ja gar nicht.</content><link rel='alternate' type='text/html' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/2006/07/arier-atlantis-und-akasha.html' title='Arier, Atlantis und Akasha'/><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/atom.xml' title='Kommentare zum Post'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/115433074227877198'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/115433074227877198'/><author><name>laurinblog</name></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-18265456.post-114034644632157887</id><published>2006-02-19T11:43:00.000+01:00</published><updated>2007-07-13T12:57:40.718+02:00</updated><title type='text'>Türken wissen mehr von Jesus als Christen</title><content type='html'>»Gehen wir als Missionare in fremde Gegenden ... und wollen ihnen den Jesus-Dienst aufzwingen in irgendeinem Bekenntnis, dann werden sie uns nicht verstehen, sintemal oftmals dasjenige, was diese Leute wissen, sogar über das hinausragt, was ihnen von dem oder jenem Missionar gebracht werden soll. Denn ich möchte wissen, was zum Beispiel ein Türke sagen würde, wenn ihm ein neuerer Protestant die Christus-Auffassung beibringen wollte, die er als neuerer protestantischer Pastor hat, diese Christus-Auffassung, welche davon handelt ... nun ja, daß es einen Sokrates gab, dann einen, der etwas mehr war als Sokrates: der Christus, der Mensch, nicht wahr, der besondere Mensch, aber eben der Mensch, oder jene konfusen Dinge, die sonst über den Christus im neueren Protestantismus gesagt werden. Der Türke würde sagen: Was, so etwas erzählst du, und du willst Christ sein? Lies doch nach im Koran die 19. Sure: da steht ja viel mehr über den Christus drin, als was du uns erzählst! Die Türken wissen nämlich viel mehr über den Christus Jesus, als die neueren protestantischen Pastoren von dem Christus Jesus vertreten, weil im Koran viel mehr drinsteht, weil der Christus Jesus viel mehr an die Göttlichkeit herangeführt wird im türkischen Glaubensbekenntnis [im Koran]. Das weiß man nur nicht, weil man es heute noch wenig dahin bringt, die religiösen Urkunden wirklich zu lesen und oberflächliches Zeug reden will über alle möglichen Religionen.«&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Rudolf Steiner in einem Vortrag, 1916&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.anthroposophy.com/anthroblog/019.mp3"&gt;Die 19. Sure als mp3-Datei auf arabisch (19,6 MB)&lt;/a&gt;</content><link rel='alternate' type='text/html' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/2006/02/trken-wissen-mehr-von-jesus-als.html' title='Türken wissen mehr von Jesus als Christen'/><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/atom.xml' title='Kommentare zum Post'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/114034644632157887'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/114034644632157887'/><author><name>laurinblog</name></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-18265456.post-113845427228643589</id><published>2006-01-28T14:13:00.000+01:00</published><updated>2006-01-28T14:25:18.550+01:00</updated><title type='text'>Dreigliederung des sozialen Organismus</title><content type='html'>Man kann heute von „Sozialisierung” als von dem reden hören, was der Zeit nötig ist. Diese Sozialisierung wird kein Heilungsprozeß, sondern ein Kurpfuscherprozeß am sozialen Organismus sein, vielleicht sogar ein Zerstörungsprozeß, wenn nicht in die menschlichen Herzen, in die menschlichen Seelen einzieht wenigstens die instinktive Erkenntnis von der Notwendigkeit der Dreigliederung des sozialen Organismus. Dieser soziale Organismus muß, wenn er gesund wirken soll, drei solche Glieder gesetzmäßig ausbilden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eines dieser Glieder ist das Wirtschaftsleben. Hier soll mit seiner Betrachtung begonnen werden, weil es sich ja ganz augenscheinlich, alles übrige Leben beherrschend, durch die moderne Technik und den modernen Kapitalismus in die menschliche Gesellschaft hereingebildet hat. Dieses ökonomische Leben muß ein selbständiges Glied für sich innerhalb des sozialen Organismus sein, so relativ selbständig, wie das Nerven-Sinnes-System im menschlichen Organismus relativ selbständig ist. Zu tun hat es dieses Wirtschaftsleben mit all dem, was Warenproduktion, Warenzirkulation, Warenkonsum ist.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als zweites Glied des sozialen Organismus ist zu betrachten das Leben des &lt;span style="font-weight:bold;"&gt;&lt;/span&gt;öffentlichen Rechtes, das eigentliche politische Leben. Zu ihm gehört dasjenige, das man im Sinne des alten Rechtsstaates als das eigentliche Staatsleben bezeichnen könnte. Während es das Wirtschaftsleben mit all dem zu tun hat, was der Mensch braucht aus der Natur und aus seiner eigenen Produktion heraus, mit Waren, Warenzirkulation und Warenkonsum, kann es dieses zweite Glied des sozialen Organismus nur zu tun haben mit all dem, was sich aus rein menschlichen Untergründen heraus auf das Verhältnis des Menschen zum Menschen bezieht. Es ist wesentlich für die Erkenntnis der Glieder des sozialen Organismus, daß man weiß, welcher Unterschied besteht zwischen dem System des öffentlichen Rechtes, das es nur zu tun haben kann aus menschlichen Untergründen heraus mit dem Verhältnis von Mensch zu Mensch, und dem Wirtschafts-System, das es nur zu tun hat mit Warenproduktion, Warenzirkulation, Warenkonsum. Man muß dieses im Leben empfindend unterscheiden, damit sich als Folge dieser Empfindung das Wirtschafts- von dem Rechtsleben scheidet, wie im menschlichen natürlichen Organismus die Tätigkeit der Lunge zur Verarbeitung der äußeren Luft sich abscheidet von den Vorgängen im Nerven-Sinnesleben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als drittes Glied, das ebenso selbständig sich neben die beiden andern Glieder hinstellen muß, hat man im sozialen Organismus das aufzufassen, was sich auf das geistige Leben bezieht. Noch genauer könnte man sagen, weil vielleicht die Bezeichnung „geistige Kultur” oder alles das, was sich auf das geistige Leben bezieht, durchaus nicht ganz genau ist: alles dasjenige, was beruht auf der natürlichen Begabung des einzelnen menschlichen Individuums, was hineinkommen muß in den sozialen Organismus auf Grundlage dieser natürlichen, sowohl der geistigen wie der physischen Begabung des einzelnen menschlichen Individuums. Das erste System, das Wirtschaftssystem, hat es zu tun mit all dem, was da sein muß, damit der Mensch sein materielles Verhältnis zur Außenwelt regeln kann. Das zweite System hat es zu tun mit dem, was da sein muß im sozialen Organismus wegen des Verhältnisses von Mensch zu Mensch. Das dritte System hat zu tun mit all dem, was hervorsprießen muß und eingegliedert werden muß in den sozialen Organismus aus der einzelnen menschlichen Individualität heraus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ebenso wahr, wie es ist, daß moderne Technik und moderner Kapitalismus unserm gesellschaftlichen Leben eigentlich in der neueren Zeit das Gepräge gegeben haben, ebenso notwendig ist es, daß diejenigen Wunden, die von dieser Seite her notwendig der menschlichen Gesellschaft geschlagen worden sind, dadurch geheilt werden, daß man den Menschen und das menschliche Gemeinschaftsleben in ein richtiges Verhältnis bringt zu den drei Gliedern dieses sozialen Organismus. Das Wirtschaftsleben hat einfach durch sich selbst in der neueren Zeit ganz bestimmte Formen angenommen. Es hat durch eine einseitige Wirksamkeit in das menschliche Leben sich besonders machtvoll hereingestellt. Die andern beiden Glieder des sozialen Lebens sind bisher nicht in der Lage gewesen, mit derselben Selbstverständlichkeit sich in der richtigen Weise nach ihren eigenen Gesetzen in den sozialen Organismus einzugliedern. Für sie ist es notwendig, daß der Mensch aus den oben angedeuteten Empfindungen heraus die soziale Gliederung vornimmt, jeder an seinem Orte; an dem Orte, an dem er gerade steht. Denn im Sinne derjenigen Lösungsversuche der sozialen Fragen, die hier gemeint sind, hat jeder einzelne Mensch seine soziale Aufgabe in der Gegenwart und in der nächsten Zukunft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Rudolf Steiner, Kernpunkte der sozialen Frage 1919&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.dreigliederung.de/essays/1919-07-003.html" target="_blank"&gt;Kernpunkte der sozialen Frage &lt;/a&gt;</content><link rel='alternate' type='text/html' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/2006/01/dreigliederung-des-sozialen-organismus.html' title='Dreigliederung des sozialen Organismus'/><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/atom.xml' title='Kommentare zum Post'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/113845427228643589'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/113845427228643589'/><author><name>laurinblog</name></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-18265456.post-113049395235470266</id><published>2005-10-28T11:53:00.000+02:00</published><updated>2005-10-28T12:05:52.373+02:00</updated><title type='text'>Totalität des Charakters</title><content type='html'>&lt;img src="http://www.anthroposophy.com/anthroblog/schiller.jpg" /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Der Mensch kann sich auf doppelte Weise entgegengesetzt sein:&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;entweder als Wilder, wenn seine Gefühle über seine Grundsätze herrschen; oder als Barbar, wenn seine Grundsätze seine Gefühle zerstören. Der Wilde verachtet die Kunst, und erkennt die Natur als seinen unumschränkten Gebieter; der Barbar verspottet und entehrt die Natur, aber verächtlicher als der Wilde fährt er häufig genug fort, der Sklave seines Sklaven zu sein. Der gebildete Mensch macht die Natur zu seinem Freund, und ehrt ihre Freiheit, indem er bloß ihre Willkür zügelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn also die Vernunft in die physische Gesellschaft ihre moralische Einheit bringt, so darf sie die Mannigfaltigkeit der Natur nicht verletzen. Wenn die Natur in dem moralischen Bau der Gesellschaft ihre Mannigfaltigkeit zu behaupten strebt, so darf der moralischen Einheit dadurch kein Abbruch geschehen; gleich weit von Einförmigkeit und Verwirrung ruht die siegende Form. &lt;span style="font-style:italic;"&gt;Totalität des Charakters&lt;/span&gt; muss also bei dem Volke gefunden werden, welches fähig und würdig sein soll, den Staat der Not mit dem Staat der Freiheit zu vertauschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Friedrich Schiller&lt;/span&gt;</content><link rel='alternate' type='text/html' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/2005/10/totalitt-des-charakters.html' title='Totalität des Charakters'/><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/atom.xml' title='Kommentare zum Post'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/113049395235470266'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/113049395235470266'/><author><name>laurinblog</name></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-18265456.post-113032733713276989</id><published>2005-10-26T13:21:00.000+02:00</published><updated>2005-10-31T12:00:11.410+01:00</updated><title type='text'>Bedingungsloses Grundeinkommen für alle</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Was hindert uns eigentlich daran, ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle einzurichten?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sozialausgaben belaufen sich heute in der Bundesrepublik auf 720 Milliarden Euro. Wenn man jeder Person in Deutschland 1000 Euro im Monat zugestehen würde, beliefe sich der Aufwand auf 984 Milliarden. Angesichts eines Bruttoinlandsprodukts von 2129,20 Milliarden (2004), von dem heute schon jeder zweite Euro in Steuern und Sozialabgaben fließt und eines Geldvermögens der privaten Haushalte von über vier Billionen Euro (2004), scheint die Einführung eines solchen Grundeinkommens keineswegs utopisch. Gleichzeitig könnten alle Steuern bis auf die Mehrwertsteuer abgeschafft werden. Wenn man die Spareffekte auf seiten der Bürokratie berücksichtigt, wäre das Grundeinkommen mit Leichtigkeit zu finanzieren. Güter des täglichen Bedarfs könnten von der Mehrwertsteuer gänzlich befreit, Luxusgüter entsprechend dem Ressourcenverbrauch und der Exklusivität höher belastet werden. Natürlich müssten alle Einkommensarten in die Steuerpflicht einbezogen werden, auch Grundbesitz und Bankdepots. Gewaltig wäre nicht nur der Effekt auf den Arbeitsmarkt, der plötzlich Arbeiten unter Einbezug des Bürgergeldes finanzieren könnte, die bisher unrentabel schienen. Gewaltig wäre vor allem der psychologische Effekt: keiner wäre mehr gezwungen zu arbeiten, nur weil er Geld verdienen muss. Jeder könnte arbeiten, weil ihm die Arbeit, die er für andere leistet, Freude macht. Was für ein ethischer Aufschwung ginge durch ein müdes Land, wenn jeder Bürger erleben würde, dass die gesamte Gemeinschaft sich für die Sicherung seiner Existenz einsetzt und er sich selbst für die Sicherung der Existenz der Gemeinschaft einsetzt!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weitere Informationen siehe unter: &lt;a href="http://www.sozialimpulse.de" target="_blank"&gt;www.sozialimpulse.de&lt;/a&gt; /&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.unternimm-die-zukunft.de/" target="_blank"&gt;unternimm die zukunft&lt;/a&gt;</content><link rel='alternate' type='text/html' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/2005/10/bedingungsloses-grundeinkommen-fr-alle.html' title='Bedingungsloses Grundeinkommen für alle'/><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/atom.xml' title='Kommentare zum Post'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/113032733713276989'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/113032733713276989'/><author><name>laurinblog</name></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-18265456.post-113023314670605231</id><published>2005-10-25T14:26:00.000+02:00</published><updated>2005-10-25T14:49:14.636+02:00</updated><title type='text'>Leitkultur</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Die Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, kritisiert heute in der FAZ den Begriff der Leitkultur.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ihrer Ansicht nach bedeutet dieser Begriff »Hierarchisierung und Ausgrenzung von Kulturen«. Dem Begriff der Leitkultur stellt sie den angelsächsischen Begriff des »overlapping consensus« gegenüber, der den »freiheitlich-demokratischen Minimalkonsens« festlege.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Vorwurf gegen den Begriff der Leitkultur, er hierarchisiere und grenze Kulturen aus, ist unsinnig. Roth kann ihn nur erheben, weil sie das Grundgesetz aus der Leitkultur ausschließt. Wenn aber das Grundgesetz ein Teil der Leitkultur ist, dann schließt diese Leitkultur natürlich die Freiheit und Gleichberechtigung der Kulturen ein, soweit sie sich mit dem Grundgesetz vereinbaren lassen. Andererseits könnte man – wenn man ihrem Argumentationsmuster folgen wollte – den von ihr favorisierten angelsächsischen Minimalkonsens ebenfalls als eine Form der Hierarchisierung und Ausgrenzung auffassen. Denn er schließt alle Kulturformen aus, die sich nicht diesem Minimalkonsens fügen wollen. Der angelsächsische Kulturraum, aus dem sie den Begriff entlehnt, ist im übrigen ein von starken Identitäten und integrativen Leitkulturen geprägter Raum, wie man an den USA oder an Großbritannien sehen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ohne Leitkultur kann eine Gesellschaft nicht bestehen. Die Leitkultur, die Einheit aus Sprache, Tradition, Geschichte und sozialen Beziehungsformen einer Gesellschaft definiert ihre Identität. Ohne Identität muss eine Gesellschaft orientierungslos werden. Aus der Identität entspringt auch die Motivation für bürgerschaftliches Handeln. Warum sollen die Individuen sich für eine Gesellschaft einsetzen, wenn sie sich nicht mit ihr identifizieren können? Eine starke Leitkultur ist Voraussetzung für eine vitale Gesellschaft.</content><link rel='alternate' type='text/html' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/2005/10/leitkultur.html' title='Leitkultur'/><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/atom.xml' title='Kommentare zum Post'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/113023314670605231'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/113023314670605231'/><author><name>laurinblog</name></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-18265456.post-113022986573609251</id><published>2005-10-24T19:45:00.000+02:00</published><updated>2005-10-25T14:47:30.283+02:00</updated><title type='text'>Deutsche Lähmung</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Seit Monaten befindet sich die Bundesrepublik in einem Zustand gesetzgeberischer Ohnmacht.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ist dieser Zustand bedauernswert? Nein, - denn er zeigt, dass der weitaus grösste Teil der Gesetzgebung überflüssig ist. Was die Republik benötigt, ist nicht ein permanenter Ausstoss überflüssiger Gesetze, sondern eine radikale Reduktion des Gesetzesbestands. Die Republik ächzt unter einer Überregulation. Sie hindert die Individuen an der Entfaltung von Initiative und Phantasie. Jede ins Auge gefasste Reform sollte mit einer Abschaffung überflüssiger Gesetze verbunden sein. Gesetze sollten künftig mit einem Verfallsdatum versehen werden, das den Bundestag dazu zwingt, in regelmässigen Abständen zu prüfen, ob einmal erlassene Gesetze nicht längst überholt sind.</content><link rel='alternate' type='text/html' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/2005/10/deutsche-lhmung.html' title='Deutsche Lähmung'/><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://www.anthroposophy.com/anthroblog/atom.xml' title='Kommentare zum Post'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/113022986573609251'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/18265456/posts/default/113022986573609251'/><author><name>laurinblog</name></author></entry></feed>