25.10.05

Leitkultur

Die Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, kritisiert heute in der FAZ den Begriff der Leitkultur.

Ihrer Ansicht nach bedeutet dieser Begriff »Hierarchisierung und Ausgrenzung von Kulturen«. Dem Begriff der Leitkultur stellt sie den angelsächsischen Begriff des »overlapping consensus« gegenüber, der den »freiheitlich-demokratischen Minimalkonsens« festlege.

Der Vorwurf gegen den Begriff der Leitkultur, er hierarchisiere und grenze Kulturen aus, ist unsinnig. Roth kann ihn nur erheben, weil sie das Grundgesetz aus der Leitkultur ausschließt. Wenn aber das Grundgesetz ein Teil der Leitkultur ist, dann schließt diese Leitkultur natürlich die Freiheit und Gleichberechtigung der Kulturen ein, soweit sie sich mit dem Grundgesetz vereinbaren lassen. Andererseits könnte man – wenn man ihrem Argumentationsmuster folgen wollte – den von ihr favorisierten angelsächsischen Minimalkonsens ebenfalls als eine Form der Hierarchisierung und Ausgrenzung auffassen. Denn er schließt alle Kulturformen aus, die sich nicht diesem Minimalkonsens fügen wollen. Der angelsächsische Kulturraum, aus dem sie den Begriff entlehnt, ist im übrigen ein von starken Identitäten und integrativen Leitkulturen geprägter Raum, wie man an den USA oder an Großbritannien sehen kann.

Ohne Leitkultur kann eine Gesellschaft nicht bestehen. Die Leitkultur, die Einheit aus Sprache, Tradition, Geschichte und sozialen Beziehungsformen einer Gesellschaft definiert ihre Identität. Ohne Identität muss eine Gesellschaft orientierungslos werden. Aus der Identität entspringt auch die Motivation für bürgerschaftliches Handeln. Warum sollen die Individuen sich für eine Gesellschaft einsetzen, wenn sie sich nicht mit ihr identifizieren können? Eine starke Leitkultur ist Voraussetzung für eine vitale Gesellschaft.

2 Kommentare:

Anonymous Anonym meinte...

Wenn Claudia Roth einen Begriff oder eine Äußerung kritisiert, kann er bzw. sie nur richtig sein, denn die Frau handelt opportunistisch und nicht unabhängig.

7. Januar 2006 01:37  
Blogger cirdan meinte...

Der Begriff Leitkultur ist doch bloss eine leere Worthülse ein Mangel an wirkliche Lösungskonzepte zu verbergen.

Was heisst überhaupt Kultur? Kultur ist meines Erachtens ein gemeinsames System von Werte und Einstellungen und im weitesten Sinne ein gemeinsamer Willen. Natürlich müssen nicht alle Menschen innerhalb der Kultur gleicher Meinung sein aber die grobe Richtung muss für den meisten Stimmen. Eine gesunde Kultur kann ein Paar Abweichler und radikale Andersdenkende ertragen, aber wenn es zu viele davon gibt bricht die Kultur zusammen oder spaltet sich auf in parallele Kulturen. Dieser Zustand ist gefährlich weil ohne gemeinsame Wertvorstellungen auch der Staat und ihre Gesetze nicht mehr tragfähig sind.

Wer es nötig hat eine Leitkultur zu definieren hat an sich schon zugegeben dass wir auf den besten Weg sind Schiffbruch zu erleiden. Es gibt keine Multikultturelle Gesellachaften. Es gibt höchstens Parallele Gesellschaften die sich vorübergehend auf eine minimale gemeinsame Kultur einigen.

30. November 2006 18:19  

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