Theosophie, Meister K.H.
und die Dalip-Singh-Verschwörung
1. Teil
Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bildete sich eine internationale Verschwörung, in welcher der letzte König des Punjab, Dalip Singh, der seit seinem 13. Lebensjahr in England erzogen wurde, eine Spielfigur werden sollte. Die Verschwörung war mit einer Kriegsgefahr verbunden, nicht nur in Indien und dem Mittleren Osten, sondern auch in Europa.
Die Verschwörung wurde auf den höchsten Ebenen der britischen, deutschen, russischen und französischen Regierung äußerst ernst genommen. Ihr vordringliches Ziel bestand darin, den im Geheimen zwischen Deutschland, Österreich und Russland geschlossenen Dreikaiserbund auseinanderzubringen und das Britische Weltreich ernsthaft zu schwächen. Bestandteile der Verschwörung waren eine französisch-russische Allianz, die amerikanische Irische Revolutionsarmee (die Fenier), die eine Militärkolonie nahe der indischen Grenze plante, ein Bombenanschlag auf die Königin von England und den russischen Zaren, französische Revanchisten, russische Ultranationalisten, die Abriegelung des Suezkanals und ein islamischer Aufstand vom Balkan bis in den Osten.
Einer der bedeutendsten Beteiligten war Thakar Singh Sangdhanwalia, der Begründer des Singh Sabha (der von K. Paul Johnson als Vorbild des Meisters K.H. von Blavatsky identifiziert wurde) neben verschiedenen Gruppierungen hochstehender Personen des öffentlichen Lebens im Mittleren Osten, in Britisch-Indien und Frankreich. Ein europäischer Krieg konnte damals abgewandt werden, aber die Verschwörung führte am Ende zum I. Weltkrieg und wie die meisten Historiker bestätigen werden, endete der I. Weltkrieg erst 1945. Das erste Mal wurde eine mögliche theosophische Verwicklung in die Dalip Singh Verschwörung von K. Paul Johnson in seinem Buch »The Masters Revealed« 1994 beschrieben und seither von einer wachsenden Zahl von Forschern bestätigt.
Der Henderson-Brief
Im Jahr 1998 wurde eine Serie von verschlüsselten Dokumenten aus der Abteilung Indisches Büro der British Library Christy Campbell zur Kenntnis gebracht, einer früheren Korrespondentin des Sunday Telegraph für Fragen der Spionageabwehr. Die neulich aufgefundenen Dokumente offenbaren wesentlich deutlicher als alles bisherige die gewaltige Dimension der Verschwörungspläne, deren Kenntnis von der britischen, französischen, russischen und deutschen Regierung wirkungsvoll unterdrückt wurde. Die Absicht dieser Einleitung besteht darin, den Blick auf gewisse indirekte Beweise zu lenken, die zu den Archivdokumenten in Beziehung stehen, die im Folgenden präsentiert werden, sowie auf ihre Beziehung zur frühen Geschichte der TG in Indien
Colonel Henderson, der dem Aussenamt als Untersekretär für die Regierung von Indien zugeordnet war, wurde als Chefermittler mit der Untersuchung der Dalip Singh Revolte in Indien betraut. Von einer theosophischen Verwicklung in die Verschwörung überzeugt, schrieb er am 15. Juni 1887 an den Polizeikommissar von Madras im Hinblick auf gewisse "Informationen, die aus ausgezeichneten Quellen stammten: "Als Oberst Olcott sich zwischen 1882 und 1883 in Indien aufhielt, gründete er eine geheime Gesellschaft unter den Theosophen in Kalkutta namens »Arische Liga der Ehre« [The Aryan League of Honour], zu der nur einige ausgewählte Männer zugelassen wurden. Die Absicht dieser geheimen Gesellschaft soll angeblich darin bestehen, Informationen nach Russland zu schicken und deren Hauptverwaltung soll sich jetzt in Madras befinden.
Ein Agent der Gesellschaft wurde nach England geschickt und dient vermutlich als Informationsträger oder einer der Informationsträger. Dieser Mann ist Mohini Mohun Chatterji, der eine gewisse Zeit in einem Anwaltsbüro in Kalkutta arbeitete. Vor etwas über vier Jahren ging er nach England mit dem Vowand vor Gericht berufen worden zu sein. Man weiss, daß er verschiedentlich das Festland besucht hat und er ist nun in Amerika angeblich mit einer Übersetzung der Veden beschäftigt, einer Aufgabe, für die er, soviel ich weiss, keinerlei Qualifikation besitzt. Ich selbst hörte aus England, daß Mohini Mohun die Gelegenheit hatte, sehr viel mit Dalip Singh umzugehen. In Anbetracht der Möglichkeit, daß der Name Dalip Singhs im Punjab als Mittel der Agitation benutzt werden könnte, ist es von Bedeutung, zu wissen, ob die Information über eine Organisation in Indien, deren Zielsetzung die Kommunikation mit Russland ist, irgendeine reale Basis hat. Hier herrscht der Eindruck vor ob begründet oder nicht daß die Mitglieder des inneren Kreises dieser Gesellschaft Ziele und Vorstellungen hegen, die von den für gewöhlich geäußerten abweichen. Informationen über diese Angelegenheit kommen aus so vielen unterschiedlichen Quellen, daß es kaum möglich ist, sie zu ignorieren, mögen die Nachrichten auch nur vage sein. Und zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Regierung von Indien dazu gezwungen, gegenüber möglichen Intrigen, die in Indien vorgehen, wachsam zu sein." 1)
Der diensthabende Polizeikommissar von Madras (wo sich das Internationale Hauptquartier der TG befand und bis heute befindet), wohin das "Hauptquartier der Arischen Liga der Ehre übergesiedelt war, bestätigte drei Tage später, am 18. Juni: "Als Oberst Olcott 1882-83 in Indien war, gründete er eine geheime Gesellschaft unter den Theosophen namens »Arische Liga der Ehre«, zu der nur einige auserlesene Mitglieder Zugang erhielten. Zu diesen gehörte Narendo Nath Sen, der Herausgeber des India Mirror. ... Mohini Mohun war sehr eng mit Olcott und Blavatsky zusammen, als er sich hier aufhielt, und als er in England war, wie ich höre, besuchte er öfter das Festland ... Wenn diese Leute etwas mit Russland zu tun haben, dann ist es höchst wahrscheinlich, daß Mohini eines ihrer Mittel ist, Informationen weiterzugeben und daß sein Bruder, Romoni, ihm Neuigkeiten zukommen läßt. 2)
Der russische Plan
1993 veröffentlichte der Britische Geheimdienst (SIS) eine Stellungnahme vom 11. November 1886, die von einem in Paris wohnhaften Montenegriner namens Pierre Georgevich stammte. "Vor vier Monaten, als ich mich in der russischen Botschaft in Konstantinopel aufhielt (in der ich als Militäragent angestellt war), wurde ich gänzlich mit den Plänen Russlands vertraut gemacht.
Diese sehen keine Annktierung Bulgariens vor, vielmehr will Russland von der dort herrschenden Unordnung profitieren, um später das Land mit etwa 150.000 Mann zu besetzen und in Varna und Bourgas eine große Menge Kriegsmunition zusammenzuziehen mit dem Ziel, diese unter den Slawen auf der Balkanhalbinsel zu verteilen, um einen allgemeinen Aufstand hervorzurufen. Ein großes russisches Transportschiff, das als Handelsschiff getarnt ist, soll nach Konstantinopel gesandt werden, voll mit Minen und Torpedos, um die Schiffspassage zu schließen. Man geht davon aus, daß es für die Britische Flotte ebenso lange dauert, durch die Dardanellen ins Schwarze Meer zu gelangen, wie für die Russische Flotte von Varna, oder Bourgas oder Trapezunt oder Sewastopol zum Bosporus.
Dieser Plan ist sehr reell und kann jederzeit verwirklicht werden. Ich weiss nicht, ob der Transporter bereits eingetroffen ist, aber ich denke es. Ich war damit beschäftigt, die Pläne auszuarbeiten, die ich sowohl in St. Petersburg als auch in Konstantinopel verfeinert habe.
Wenn zwischen Enlgand und Russland ein Krieg ausbrechen sollte, würde der Plan sofort in die Tat umgesetzt und die bulgarische Armee würde Richtung Konstantinopel marschieren, im Rücken die russischen Okkupationstruppen, die zuerst an der Grenze von Serbien massiert würden, um sich Östereich entgegenzustellen, falls dieses sich einmischen sollte.
Griechenland würde zur selben Zeit angreifen. Die türkischen Truppen sind im Alten Serbien und in Mazedonien konzentriert. Ein Aufstand würde zugleich in Bosnien und Herzegowina ausbrechen. Das sind alles Slawen.
Zentral-Asien: General Dondukov-Korsakov [Korpskommandant in Pendjeh, ein Vertrauter Blavatskys und jederzeit mit ihr in Verbindung] wurde vor drei Monaten von Tiflis nach St. Peterburg gerufen und erhielt geheime Instruktionen mit dem Ziel, einen Bruch zwischen Persien und Afghanistan herbeizuführen, damit sich Russland mit Persien gegen die Afghanen verbünden kann. Eine große Zahl von Kurden haben sich in der persischen Kavallerie verpflichtet und erhalten fünf Rubel im Monat. Persische Soldaten erhalten keinen Sold.
Suez-Kanal: Hirovo, der letzte russische Agent in Kairo, hat einige der Lotsen am Suezkanal bestochen und wertvolle Informationen bezüglich der Möglichkeiten, den Kanal zu zerstören oder die Navigation zu unterbrechen, erhalten.3)
In einem Dokument, das sich in der Abteilung für das Indische Büro befindet, und vermutlich von einem russischen Spion stammt, heisst es darüber hinaus: "Der Emir von Kabul hat sich auch mit dem russischen Monarchen verbündet. Dem Mahdi wurde eine Botschaft geschickt, er solle sofort in den Punjab kommen, denn die Mohammedaner verlangten nach ihm. Wer auch immer den Wunsch hat, russische Aufträge zu erhalten, kann dies in Buchara enstrpechend seinen Fähigkeiten.4)
Dalip Singhs russische Verbindung
Wie früh die Verstrickung Dalip Singhs in die viel umfassendere Verschwörung begann, ist noch immer unklar, aber in einer geheimen Notiz an De Giers (dem russischen Aussenminister in St. Petersburg) schrieb der russische Botschaftsrat in Paris, Prinz Ernst Kotzebue, 1886, daß der Maharajah Dalip Singh ihn besucht habe und ihm einen "nicht unterzeichneten Brief ausgehändigt habe, "der an unseren früheren Botschafter in London, Graf Shuvalov (1875-80), adressiert war. 5)
Dies würde belegen, daß Dalip Singh während seines Aufenthalts in London vor oder nicht später als 1880 Kotakt mit dem Grafen Shulavov hatte. Vielleicht war dies der Grund, warum man Dalip Singh im Frühjahr 1880 jeden Morgen in die British Library gehen sah, um die "Punjab Papiere (die Sammlung der Korrespondenz und Regierungsdokumente, die sich mit den beiden Kriegen zwischen England und den Sikhs befaßten, sowie Regierungsdokumenten, die sich auf die schließliche Annexion des Punjab bezogen) zu studieren, mit einem Diener an seiner Seite, der eifrig Prinseps Geschichte der Sikhs abschrieb. Von Graf Shuvalov wissen wir, daß er der Elite von Mikhael Katkov's (Blavatsky war als Journalistin bei seiner Zeitung angestellt) Kreis von Ultranationalisten angehörte, was einer "sehr geheimen Nachricht von Sir Robert an Lord Salisbury vom 15. Juni 1887 zu entnehmen ist. 6) Dalip wurde am Ende in die Verschwörung mit Hilfe einer fingierten Prophezeiung hineingezoegn, die ihm durch Thakar Singh zugespielt wurde.
Anfang 1884 (als Thakar Singh plante, nach London zu gehen, um Dalip zu sehen) kursierte ein Gedicht im Punjab. "Der Sat Guru sagte, daß die Märtyrer bereits von ihm gesandt wurden, um Russland zu gewinnen, mit Anweisungen, ihm die Befehle Gottes zu übermitteln und es zu überzeugen, daß es Gott gehorchen müsse. Nachdem der Guru den schriftklichen Befehl an den Botschafter übergeben hatte, wies er ihn an, folgende Botschaft an Russland zu überbringen: »Du bist von Gott dazu ausersehen für uns Lahore zu erobern«. Als der Zar seinen Hof hielt, rief er seinen Minister und bot ihm einen Platz an. Er erzählte ihm, er habe in der Nacht in einer Vision, die ihn in Aufruhr versetzt habe, die Khalsa gesehen, wie sie ihn gefragt hätten, ob sie nach Lahore marschieren sollten. Der Minister antwortete mit Bedenken über die harte und gefährliche Reise, aber befahl am Ende Vorbereitungen für den Marsch der Armee unter schlagenden Trommeln. Wenn die russischen Truppen in das Land eindringen, wird in London die Agitation zunehmen und die Britische Armee wird nach Indien marschieren. Viele Schlachten werden geschlagen werden und es wird viel Klage sein, Mütter werden ihre Söhne beweinen und Witwen ihre Ehemänner. Wenn die Russen in den Punjab kommen, wird eine Hungersnot kommen und das Land verwüsten. Menschen in schrecklicher Zahl werden sterben und Verbrechen wird ohne Grenze sein. Der allein wird errettet werden, der den Schutz des Guru suchen und seine ganze Aufmerksamkeit Gott zuwenden wird.
Der Sat Guru wird dann in den Punjab zurückkehren und alle früheren Ordnungen auflösen, um neue zu errichten. Er wird dafür sorgen, daß Gottes Name von allen, sogar von den Dämonen, angerufen werden wird. 7)
In diesem Zusammenhang ist der Vorstoß der russischen Armee, die die afghanische Streitkraft in Pendjeh auslöschte, geführt von General Dodukov-Korsakov, dem gelegentlichen Korrespondenten Blavatskys und dem späteren Unterstützer von Maharajah Dalip Singh in Russland, um dieselbe Zeit höchst auffallend, die vom Kaukasus Richtung Merv im Jahr 1884 vordrang. [Dodukov-Korsakov lud Dalip Singh im Sommer 1887 nach Tiflis ein. 8)]
Londons tiefe Verwicklung in den Sudan ermutigte Militaristen und Panslavisten, aktiv zu werden. General Cherniaev, der Gouverneur von Turkestan, übermittelte einen Plan für eine Invasion in Indien. (D. MacKenzie, Imperial Dreams, Hard Realities, 1994, S. 128.) Russische Truppen schritten voran und betraten Gebiete, die zuvor als Teile Afghanistans betrachtet worden waren. Doch eine mächtige Reaktion Englands überzeugte Russland schließlich, in Verhandlungen einzutreten. Im Jahr 1885 verließ Blavatsky Indien. Am 10. September, infolge strategischer oder interner politischer Vorkommnisse wurde mit den Briten eine Übereinkunft über eine russisch-afghanische Grenzlinie getroffen. Dies ist vermutlich der Grund, warum die Russen, ohne daß Dalip Singh es bemerkte, vorübergehend ihr Interesse verloren, und daß Dalip während der folgenden 12 Monate vergeblich an die Türen verschiedener russischer Botschaften klopfte.
Doch dann entwickelte sich eine neue dramatische Situation, denn Katkov und seine Waffenbrüder (die meisten Mitglieder der radikalen slawischen Wohlfahrtsgesellschaft) planten einen Sturz des Zaren. Sie wollten erneut, zusammen mit französischen Militärs, muslimischen Fundamentalisten von Ägypten bis Afghanistan (unterstützt durch Jamal ad-Din "al Afghani) und der Irisch-Amerikanischen Revolutionären Armee die Karte Europas und des britischen Empire revidieren. Und einmal mehr wurde Dalip Singh, als Nachfahre von Ranjit Singh, eine Schlüsselfigur in ihrem Versuch, Britisch-Indien zu infiltrieren.
Blavatskys Politik
Auch wenn es Gerüchte über eine Verbindung mit dem Nihilismus gibt 9), so ist die einizige Organisation mit der Blavatsky offensichtlich übereinstimmte, die nationalistische Bewegung von Garibaldi/Mazzini und ihren "Carbonari. Spitzer in "Old Hatred and Young Hopes, S. 264 erwähnt die Carbonari als "zusammenhängende Organisation vor Anfang 1823 in Frankreich und mit der russischen Dezembristen-Revolution von 1825. Wie auch immer, es waren die reorganisierten Carbonari, welchen inzwischen die Hochgrade der Ägyptischen Maurerei hinzugefügt worden waren (siehe Galtier, Gerard "Maconnerie Egyptienne, Rose-croix et neo-chevalerie, 1989), auf die Blavatsky in "A few questions to Hiraf anspielte. In diesen Essays, die die Essenz ihres gesamten späteren esoterischen Werks enthalten, schreibt Blavatsky: "Von all diesen degenerierten Kindern des Chaldäischen Okkultismus, die zahlreichen Freimaurergesellschaften eingeschlossen, ist nur eine im gegenwärtigen Jahrhundert erwähnenswert in Bezug auf Okkultismus, nämlich die Carbonari. 10)
Garibaldi und Mazzini traten in den Ägyptischen Ritus ein und Misraim entwickelte sich in Richtung Zusammenschluss mit dem Memphisritus im Jahr 1881, den Garibaldi vollzog. 11)
In seinem Buch "The Theosophical Enlightenment, erwähnt J. Godwin (S. 284) die Französisch-Ägyptische Maurerei, mit der Blavatsky eine so große Vertrautheit bewies. Blavatskys Anspielungen auf "Ägyptische Förderer ("The Brotherhood of Luxor), die ihr möglicherweise halfen, Material für ihre "Entschleierte Isis zu sammeln, deuten offensichtlich mehr auf ägyptische Maurerei, als auf ein Land in Afrika.
Es ist in der Tat möglich, daß Mazzinis Behauptung, die Christenheit sei am Ende und eine neue religiöse Kraft sei nötig, um die Leere des Skeptizismus aufzufüllen, eine Anerkennung für die Vision darstellte, die Blavatsky mit ihrer Theosophie verfolgte. Das Werk Blavatskys und ihrer Freunde strebte danach, wie Godwin schreibt, "den Spiritualismus durch den Okkultismus zu ersetzen und das Christentum durch eine Art von humanistischem Freidenkertum zu überwinden. 12)
Olcott beschreibt das Treffen von Blavatsky mit dem Grafen Signor Bruzzesi im Jahr 1875, Sekretär von Mazzini, zu dem sie, einen bestimmten Namen erwähnend, sagte, "ich bin bereit. 13)
Viele ihrer Bekannten sympathisierten mit Garibaldi/Mazzini. Zum Beispiel Charles Sotheran (einer der ursprünglichen Begründer der TG), Albert Rawson und John Yarker. Selbst Abraham Lincoln bot Garibaldi (der mit Unterstützung seiner Maurerfreunde US-Bürger wurde) während des amerikanischen Bürgerkrieges das Kommando über die Streitkräfte der Nordstaaten an. Dieselben Streitkräfte, in denen Olcott diente, wählten ihn später als eines von drei Mitgliedern einer offiziellen Kommission, die den Tod Lincolns untersuchen sollte. 14)
In der Zwischenzeit hatte der Russisch-Türkische Krieg von 1875-77 Europa alarmiert, vor allem England, das eine Störung seiner Verbindungslinien zu Indien befürchtete. Bei unterschiedlichen Gelegenheiten äußerte Blavatsky ihr Missfallen über die Türken in verschiedensten Briefen, die in Zeitungen veröffentlicht wurden.
Der Berliner Kongress von 1878 beraubte Russland der Früchte seiner Siege und überliess Zypern den Engländern, was deren Vorherrschaft im Mittelmeer bekräftigte. Dies beeinträchtigte die russisch-deutschen Beziehungen und ebnete den Weg für eine französisch-russische Allianz.
Frankreich hatte nach seiner Niederlage gegen Deutschland viel von einer Allianz mit Russland und einer Destabilisierung Britisch-Indiens zu gewinnen, und Russland hatte sein weiterbestehendes Interesse an Afghanistan und dem Zugang zum Indischen Ozean.
Nach dem Kompromiss über den Krieg mit dem Ottomanischen Reich tobten die Panslawisten, horteten Revolutionäre Sprengmaterial und entstand eine ungewohnte Allianz zwischen extremen Rechten und extremen Linken. Die Einzelheiten der Verwicklung französischer Unterstützer in die an Dalip Singh anknüpfende Verschwörung bleiben weiterhin im Dunkeln. Aber sie müssen beträchtlich gewesen sein. Sogar noch 1887, nachdem Blavatsky Indien verlassen hatte, schrieb sie an A. P. Sinnett, daß sie jetzt "eine ehrlose Informantin ihrer britischen Regierung werden würde und daß sie "all diese französischen Pläne aufdecken werde, "um Indien vor einem neuen Blutvergiessen zu bewahren, vor hunderten und vielleicht tausenden von unschuldigen Opfern, die um der Verbrechen einiger weniger willen gehängt werden würden. 15)
Thakar Singh und seine Familie mußten in die französische Enklave Pondicerry in der Nähe von Madras umziehen, wo sie finanzielle Unterstützung durch die frnzösische Regierung erhielten und die Post von Dalip Singh reiste dank des Entgegenkommens der französischen Regierung durch Pondicerry aus und ein. Auch in der Nähe von Kalkutta, wo die »Arische Liga der Ehre« begründet werden sollte, gab es ein französisches Protektorat.
Ist unser Freund ein Sikh?
Bereits 1872 hatte Blavatsky ihre Dienste als Agentin dem russischen Geheimdienst angeboten: "Während dieser zwanzig Jahre bin ich mit ganz Westeuropa vertraut geworden. Ich verfolgte eifrig die politischen Strömungen, nicht mit einem bestimmten Ziel vor Augen, aber aufgrund einer eingeborenen Leidenschaft; in der Absicht, Ereignissen besser folgen zu können und um sie in der Zukunft vorauszusehen, hatte ich die Angewohnheit, stets in die kleinsten Details einer Affäre einzudringen, weswegen ich nach Bekanntschaft mit allen führenden Persönlichkeiten strebte, mit Politikern verschiedenster Nationen, sowohl der Regierungsfraktionen als auch der extremen Linken. ... Diesen Brief schreibend mit dem Ziel, ihrer Exzellenz und meinem Geburtsland meine Dienste anzubieten, bin ich verpflichtet, ihnen die ganze Wahrheit ohne Vorbehalte zu erzählen. Und so muß ich bekennen, daß in dreiviertel aller Fälle die Geister mit meinen eigenen Worten sprachen und antworteten, aus meinen eigenen Überlegungen zum Gelingen meiner eigenen Pläne.
Dank dieser kleinen List misslang es mir nur sehr selten, die Hoffnungen der Leute, ihre Pläne und Geheimnisse zu erfahren ... Ich habe jede Rolle gespielt, ich bin imstande mich selbst in jeder Person, die sie nur wünschen, darzustellen. 16)
Im Frühjahr 1878 schrieb Blavatsky an Moolji Thakersey (einen Anhänger von Swami Dayananda Sarasvati, des Führers der Reformgruppe des Arya Samaj, der eine bedeutende Rolle in der Kommunalpolitik spielte), der zu dieser Zeit die indische TG aufbaute: "Ist unser Freund ein Sikh? Wenn ja, dann ist die Tatsache, daß er, wie sie schreiben »sehr erfreut wäre, die Ziele unserer Gesellschaft kemnenzulernen«, nicht im geringsten verwunderlich. Denn seine Vorfahren kämpften für Jahrhunderte bis ihre Bemühungen durch die Dominanz der Briten gelähmt wurden, in der Art, wie dies in jedem Land geschieht, dem sie sich aufdrängen für die göttliche Wahrheit gegen von aussen kommende Gotteslehren.
Meine Frage mag verrückt erscheinen, aber ich habe mehr als einen Grund sie zu stellen. Sie nennen ihn einen Sirdar deswegen muß er ein Nachfahre eines der Sirdars der zwölf mizals sein, die von den Engländern nach ihrem Gutdünken abgesetzt wurden kommt er demnach aus Amritsar im Punjab? Sind sie persönlich mit irgendeinem Nachfahren von Runjeet Singh bekannt, der im Jahr 1839 starb, oder kennen sie irgendeinen Bekannten? Sie werden ohne Erklärung meinerseits verstehen, wie wichtig es für uns ist, Bezeihungen zu Sikhs aufzubauen, deren Vorfahren während Jahrhunderten die große »Brüderschaft der Menschheit« gelehrt haben genau die Lehre, die wir verbreiten.
Dieser Brief über einen Amritsar Sirdar, vermutlich Thakar Singh, der Blavatsky helfen sollte, einen Nachfahren von Ranjit Singh zu finden, scheint darauf hinzudeuten, daß Dalip Singh (der offiziell der Thronerbe Ranjit Singhs war) aufgrund seiner britischen Lebensart zuerst als verlorener Fall betrachtet wurde und daß die Hoffnung bestand, einen anderen Nachfolger für Ranjit in Indien zu finden.
Von Bedeutung mag gewesen sein, daß Maharajas aus verschiedenen Teilen Indiens einbezogen waren, wie Ranbir Singh und sein Nachfolger, Holkar und sein Nachfolger und Faridkot, um nur einige zu nennen, die nach einer Entscheidung suchten, wer ihr künftiger Führer sein könnte. Wie auch immer: sie scheinen die Person nicht gefunden zu haben, von der sie dachten, sie sei lebenswichtig für ihre Verschwörung.
Am überraschendsten ist natürlich, daß Blavatsky (von ihrem New Yorker Appertement aus) zu dieser Zeit bereits wußte, welches die "probritischen Maharajas waren. Denn im selben Brief bemerkt sie vorsichtig: "Könnten sie für ihren Zweig in Bombay nicht Gwalior (Scindia) oder den Holkar von Indore diese treuen und loyalen Freunde der Briten angeln? Daß Olcott von Anfang an mit solchen Ideen sympathisierte geht aus einem Brief hervor, den er 1878 an einen seiner indischen Korrespondenten schrieb: "Obwohl wir unpolitische Entwürfe haben, brauchen sie keinen besonderen Hinweis, um zu verstehen, daß unsere Sympathien jenen gehören, die an ihrem Recht gehindert werden, ihre eigenen Länder selbst zu regieren. 17)
General Tevis, der britische Spion in Paris, der jede Bewegung Dalip Singhs melden mußte, berichtete nach London: "Die Prinzen, die er (Dalip Singh) benannt hat sind der Rajah von Kashmir, der Nizam (von Hyderabad) und der Premierminister von Gwalior 18) Wie der zitierte Brief belegt, bestand Kontakt mit Ranbir Singh, bevor die Gründer nach Indien gingen, aber es gibt keinen Beweis trotz mancher Diskussionen darüber daß Blavatsky und Olcott K.H. bereits so früh gekannt haben. Die Gründer benutzten offensichtlich den Namen "Kashmere, um auf Ranbir Singh während seiner Regierungszeit anzuspielen, ebenso wie sie andere Maharajas durch die Namen ihrer Königtümer bezeichneten.
Die Reformen von Ranjit Singh (den K. Paul Johnson in TMR als eines der Vorbilder für Meister Morya identifiziert) liefen mit jenen paralell, die von Dayananda Sarasvati empfohlen wurden und die Engländer beschuldigten ihn der Geheimkorrespondenz mit Russland und Afghanistan. Er begründete sogar eine Schule, an der Russisch unterrichtet wurde, um seine Angestellten für Aufgaben in Russland vorzubereiten.
Im selben Jahr, in dem Olcott und Blavatsky sich um Kontakte in Indien bemühten, erklärte A.O. Hume in einem Memorandum für den Vizekönig, daß ihm "sieben Bände geheimer Bereichte im Sommer 1878 gezeigt worden seien, die ihn davon überzeugt hätten, daß eine "siedende Unzufriedenheit und "eine breite Verschwörung für einen gewaltsamen Umsturz der britischen Herrschaft bestünden. 19)
Hume schrieb über "Legionen von geheimen quasi-religiösen Orden, mit buchstäblich Millionen von Mitgliedern, die einen bedeutenden Faktor im indischen Problem darstellten, die von Gurus geführt würden, die "durch ihre Chelas oder Schüler über alles unterrichtet sind, was sich unter der Oberfläche abspielt.
Diese Gurus bat Hume um Unterstützung wegen seines Interesses für östliche Religion. 20) Hume lebte im Punjab und kannte die Provinz gut. 1878 trat Hume seine einflussreiche Position als Sekretär des Indischen Departements für Finanzen, Landwirtschaft und Handel an und er hätte ohne Zweifel eine Position in Lyttons Vizeregal Executive Council angenommen, wenn sie ihm angeboten worden wäre (was eine Zeitlang ernsthaft in Betracht gezogen wurde). Später wurde Hume nach Simla in die Nordwest-Provinzen versetzt, wo er Theosoph wurde.
Ein Artikel in der Zeitschrift »The Theosophist« vom Juli 1883 und ein Nachruf von Hume, der im »Arya« im Juni 1883 veröffentlicht wurde (der im Jahr 1882 zu erscheinen begann) beweisen, daß Hume im Arya Samaj Freunde hatte oder zumindest mit verschiedenen Leuten bekannt war, mit denen er weiterhin Kontakt hatte, nachdem sich der Arya Samaj von der TG getrennt hatte. Es ist durchaus möglich, da er manche von ihnen von früher her kannte und daß sie damit zu tun hatten, daß er die genannten sieben Bände zu sehen bekam.
Im Buch "Arya Samaj and the Freedom Movement, Volume I, 1875-1918, decken K.C. Yadav and K.S. Arya die tiefe Verstrickung von Anhängern des Swami Dayananda in nationalistische Agitation auf. Der Arya Samaj verlegte 1877 sein Hauptquartier nach Lahore, der Hauptstadt des Punjab, des Königtums von Ranjit Singh und verbanden sich mit Thakar Singhs Singh Saba, dessen Mitglieder zu dieser Zeit am Arya Samaj beteiligt waren. 21)
Die Arische Liga der Ehre
Zur selben Zeit, als Blavatsky ihren Brief an Thakersey mit der Frage nach einem Nachfahren von Ranjit Singh schrieb, begründete sie einen quasimaurerischen Orden, den "Königlichen Orientalischen Orden der Sikha, der vermutlich im Jahr 1872 aus Indien importiert wurde. Am 25. Januar 1878 schrieb Kenneth Mackenzie an Francis Irwin, einen Mitbruder im Orden der Sikha: "Ich höre, daß Madame Blavatsky das Haupt des Ordens ist! 22) Die wird durch einen früheren Brief von Yarker an Blavatsky bestätigt, der vom 2. Januar 1879 datiert ist, nachdem Blavatsky bereits nach Indien gereist war, in dem Yarker um Unterweisung nachsucht:
"Ich möchte ihre überarbeiteten Zeremonien übernehmen ich möchte drei Gegenstände voranbringen
1. Die Unterscheidung [Censorial] (mit sieben unvollständigen Zeremonien, von denen ich Ihnen vier gesandt habe),
2. Vervollkommnung [Perfection] (der den Kernpunkt der Vedischen Lehre vermittelt),
3. Für einige Auserwählte die Abteilung der sieben Grade gemäß der Lehre des Ostens. Oder möchten sie zwei Zweige bilden? 1. Den Unterscheidungsgrad [censorial] mit sieben Riten und 2. Die Zeremonie der Vervollkommnung, die als erster östlicher Grad fungieren könnte, Zensor [Censor] als zweiter und Spender [Sponsor] als dritter? Unter Yama (ein Fehler) verstehen Sie, denke ich, Capt. Archer. Er war manchmal Vorsitzender in Manchester und ich machte seine Bekanntschaft durch Prinz Rhodocanakis. Wir schickten dem Maharajah von Burwan ein Mandat mit einem ergänzenden Brief, aber er hat nicht geantwortet.
Daß es eine solche innere Gruppierung gab, scheint ein Brief Blavatskys an Hurrychund Chintamon vom 4. Mai 1878 zu bestätigen, in dem sie, vermutlich von C.C. Massey sprechend, schreibt: " Ich habe ernsthaft versucht, ihn zu einem Theosophen des inneren Rings zu machen einem englischen Swamy, aber es ist mir misslungen.
W.Q. Judge wird in P. Deveneys "Astral Projection or Liberation of the Double and the work of the Early Theosophical Society (S. 54) mit der Bemerkung zitiert, es habe eine solche innere Gruppierung gegeben, die "im geheimen über Jahre bestand, in der Blavatsky die alleinige Macht besaß, Mitglieder in den Graden zu befördern. A.O. Hume bezieht sich in seinem Brief an Knight vom September 1884 aus Simla auf Blavatsky und "den inneren Zirkel, indem er auf seine Zeit in der TG zweischen 1880-82 zurückblickt.
Ein Brief Blavatskys, der im Jahr 1947 in der Zeitschrift »Theosophia« veröffentlicht wurde, belegt, daß sie auch ihre "Mahatmas in Indien mit Freimaurerei in Verbindung gebracht hat: "Sie sind Mitglieder einer geheimen Brüderschaft, nicht einer bestimmten Schule in Indien ... ihr Ursprung ist von unnennbarem Alter und sie ist in solchem Ausmaß maurerisch, als es die heutige Meurerei nicht ist. 23)
Dayanand Sarasvati, der von Blavatsky und Olcott als Mahatma und Mitglied der Weissen Loge betrachtet wurde, könnte ein Ritual für den Gebrauch in der Londoner und New Yorker TG zusammengestellt zu haben 24)
Olcott und Blavatsky änderten den Namen der TG in "Theosophische Gesellschaft des Arya Samaj von Aryavart und die TG in New York nahm den Namen "Arische Theosophische Gesellschaft an, was dem Namen der Arischen Liga der Ehre sehr ähnlich ist.
Das Supplement vom May 1883 der Zeitschrift »The Theosophist« (S. 6) erwähnt einen Besuch bei der "Arischen Patriotischen Gesellschaft, wo sie sich mit Maharajah Ranbir Singh trafen und daß "Seine Hoheit herzliche Zusammenarbeit mit allen patriotischen Kräften versprach, die auf eine Wiedererrichtung des einstigen Glanzes von Aryavart hinarbeiten.
Was die Verbindung mit Thakar Singh anbetrifft, so beschrieb Blavatsky ein Treffen mit Khem Singh Bedi, dem religiösen Hauptführer bzw. Unterstützer der Singh Sabha und Bikram Singh, dem Maharajah von Faridkot, dem königlichen Hauptführer bzw. Unterstützer der Singh Sabha im Durbar in Lahore. Mehr noch, sie wie darauf hin, daß sie und Olcott in den Durbar gingen (1880), um Ranbir Singh und Bikram Singh zu sehen und sprach von einem Sikh-Edelmann, Ram Ranjit Das (offensichtlich ein Pseudonym), der sie begleitete.
Ausserdem wissen wir von Olcotts enger Beziehung zu Bhai Gurmukh Singh, der nach Thakars Tod die führende Figur der Singh Sabha war, und von der Gegenwart Dayal Singh Majithias, eines anderen Sabha-Singh-Führers, der Olcott und andere 1882 in Lahore willkommen hieß. Der letztere formte in Lahore jene politische Gruppierung, die später zum Indischen Nationalkogress werden sollte.
Demnach gibt es eine Reihe von indirekten Beweisen dafür, daß die Begründer der TG in Beziehung zu den Führern der Singh Sabha standen zu jeder bedeutenderen Person außer Thakar Singh selbst.
Es ist unter Berücksichtigung dieser äußerst nahen Verbindnung mit nahezu allen führenden Figuren der Singh Sabha unvorstellbar, daß Blavatsky und Olcott keine persönliche Verbindung zu Thakar Singh hatten.
Thakar Singh als K.H.
Als Thakar Singh im Herbst 1883 plante, nach England zu gehen, um Dalip Singh zu sehen, erhielt Olcott am 1. Juni 1883 einen Brief: "Wenn sie nicht selbst ihre Schulter unter das Rad legen wollen, dann muß Kuthumi lal Singh in diesem Herbst von der Bühne verschwinden. 25) Aber Thakar Singh erhielt keine Erlaubnis, Indien zu verlassen und mußte bleiben. Einige Monate später verließ Mohini Chatterji, ein Verwandter des Brahmo Samaj Führers, und hingebungsvoller Schüler Blavatskys, Indien in Richtung Paris und England. Dies ist derselbe Mohini Chatterji, über den Kolonel Henderson in seinem oben zitierten Brief schrieb: "Ich hörte selbst aus England, daß Mohini Mohun Gelegenheit hatte, mit Dalip Singh engen Umgang zu pflegen. Und Captain Barnard schrieb: "Es ist höchst wahrscheinlich, daß Mohini einer ihrer Informationsträger ist, und daß sein Bruder, Romoni, ihm auch Nachrichten schickt. Blavatsky schreibt über Mohini: "Am 17. Februar [1884] wird Olcott voraussichtlich wegen verschiedenster Geschäfte nach England segeln und Mahatma K.H. schickt seinen Schüler unter dem Deckmantel von Mohini Mohun Chatterjee. 26)
Anlässlich des ersten Besuchs von Blavatsky und Olcott in Kalkutta nach drei Jahren Indienaufenthalt wurde durch den Herausgeber Norendra Nath Sen ein Brief von "Meister K.H. im Indian Mirror publiziert, in dem es heisst:
"Entwerte nicht die Wahrheit, indem du sie unwilligen Geistern aufzwängst. Suche nicht Hilfe von jenen, deren Herzen nicht patriotisch genug sind, um selbstlos für das Gute ihrer Landsleute zu arbeiten. "Was können wir Gutes tun? wird gefragt. " Welchen Vorteil können wir der Menschheit oder gar unserem Land verschaffen? "Lauwarme Patrioten sind sie, wahrlich. Während sein Land auf der Suche nach Leben und neuen Kräften untergeht, greift ein wirklicher Patriot nach einem Strohhalm. Aber gibt es wirkliche Patrioten in Bengalen? Hätte es viele gegeben, dann hätten wir sie bereits zu euch geschickt, dann hätten wir euch kaum erlaubt, drei Jahre in Indien zu weilen, ohne Kalkutta zu besuchen, die Stadt der großen Geister ohne Herz. Ihr mögt ihnen dies vorlesen. K.H.
Dies legt nahe, daß Thakar Singh während dieser Zeit in Verbindung mit der Nutzung des Namens K.H. gesehen werden kann und daß Blavatsky und manche ihrer Schüler in die Dalip-Singh-Affäre verwickelt waren.
Norendra Nath Sen, der Herausgeber des Indian Mirror, wird im Brief von Captain Barnard als Mitglied der Arischen Liga der Ehre erwähnt. Es ist bekannt, daß zu dieser Zeit Kontakte zwischen bengalischen und punjabischen subversiven Elementen bestanden. 27)
Katkov
Mikhail Katkov (der Verleger Blavatskys), der schon früher in die russischen Pläne für Britisch-Indien während der Penjeh Krise verwickelt war, kam nun in persönliche Beziehung zu Dalip Singh und wurde von den Briten mit deutscher Hilfe festgesetzt. Katkov wurde gefangen, weil er gegen das Drei-Kaiser-Bündnis war und bereit war mit England Krieg zu führen. "Das Britische Aussenministerium erfand ein Bombenattentat in London mit Ausgangspunkt in Stoke Newington sie wollten den Zaren töten und Katkov sollte die Regierung übernehmen. Der Ausllandsgeheimdienst verriet dem Zaren, daß Katkov beabsichtige, ihn zu töten, und daß sein Werkzeug der Maharajah Dalip Singh sei. Katkovs Ansehen war zerstört und er starb einen Monat später. 28)
Es war der britische Agent Tevis, der Dalip bei Elie de Cyon einführte, der rechten Hand Katkovs in Frankreich, und es waren die Fenier des britischen Agenten Tevis, die Dalip nach Russland begleiteten, um Katkov zu diskreditieren. Als der Katkov-Coup sich durch die Intervention des Britischen Aussenministeriums gegen sich selbst wandte, war Whitehalls Marschroute zunächst nicht, Dalip zu stoppen, es war das große Spiel um die höchsten Einsätze, und einem Krieg in Europa zuvorzukommen, wog den möglichen Verlust von Britisch-Indien auf.
Singh Sabha nach Thakar
Nach dem plötzlichen Tod von Thakar und Ranbir Singh versuchte Dalip Singh im Jahr 1888 ihre Söhne zu gewinnen. Ebenso wie Baba Khem Singh, ein Unterstützer der TG seit langem und eine Verbindung zu "Meister K.H., hatte Dalip Unterstützung von Kaschmir erhalten, das ihm 100.000 "gut bewaffnete und organisierte Männer anbot, mit 45.000 regulären Sikh-Truppen in Kaschmir bei Wadi Pichin an der Nordwestgrenze. 29)
"Die Mehrheit der Singh-Sabha-Mitglieder, von Gurmukh Singh geführt, wandte sich gegen die Begründer und lehnte Dalip und seine Unterstützer ab. Alle, mit Ausnahme von drei der Zweig-Sabhas unterstützten Gurmukh Singhs Politik, einschließlich Bannerjea, der Führer der Indischen Assoziation. Auch wenn weiterhin für viele Jahre herzliche Beziehungen zwischen der TG und der Merheitsfraktion der Singh Sabha bestanden, war 1886 die Loge von K.H. nicht mehr dieselbe harmonische Gruppe, mit der die TG während des ersten Teils des Jahrzehnts im Geheimen verbunden gewesen war. 30)
Nachdem Colonel Henderson Verhaftungen vorgenommen und eine Reihe von Leuten befragt hatte, begann die Dalip Singh Verschwörung zu zerfallen.
Es dauerte auch nicht lange, bis sich unter den Mitgliedern der Arischen Liga der Ehre Unzufriedenheit breitzumachen begann. Moncure Conway berichtet, Norendro Nath Sen, den Herausgeber des Indian Mirror und Mitglied der Arischen Liga 1884 in Adyar getroffen zu haben: "Herr Sen, ein Verwandter des Brahmo Führers Keshub Chunder Sen beklagte sich über mich und andere, die nur an »Zeichen und Wundern« interessiert seien, die die Theosophie davor bewahren könnten, in der großen reformierten Religion Indiens aufzugehen. 31) Dies in Verbindung mit dem Bruch der Allianz zwischen der TG, den Singh Sabha, Thakar und Ranbir Singh, und dem Arya Samaj, macht verständlich, daß, als Hodgson in Adyar ankam, jegliche subversive politische Tätigkeit an ihr Ende gelangt war.
Am 26. Juli 1876 war eine Mazzinische "Indische Assoziation mit dem Ziel begründet worden, das "Zentrum einer allindischen Bewegung zu werden.
Als Bannerjea gelegentlich über Mazzini und seine Ideen Vorträge hielt, zog er eine eine solche Menge von Jugendlichen Bengalens, von Nord- und Westindien in seinen Bann, daß sich der Maharajah und der Kopf des Brahmo Samaj seiner Bewegung anschlossen. 32)
Einige der Persönlichkeiten, die mit der von Olcott inspirierten Indischen Assoziation verbunden waren, gehörten zu den 17, die zur Gründung der Indischen Nationalen Vereinigung zusammentrafen, die 1885 zum Indischen Nationalkongress wurde. 33)
Dr. Kewal Motwani schließt, daß Olcott aus diesem Grund als Vater des Indischen Nationalkongresses bezeichnet werden könnte und nicht nur A. O. Hume. 34)
Indessen spielte Hume eine entscheidende Rolle in dessen weiterer Entwicklung, insbesondere als es darum ging, die Unterstützung des Vizekönigs zu errreichen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1897 blieb Olcott in enger Verbindung mit Gurmukh Singh, dem Führer des Singh Sabha.
Okkulte Briefe
Franz Hartmann, ein treuer Theosoph bis zum Ende seines Lebens, und in Idien präsent, als Blavatsky sich dort aufhielt, schreibt in »Some Fragments of The Secret History of The Theosophical Society«:
"Es scheint bei den Anhängern von Madame Blavatsky einen generellen Wunsch zu geben, viele dieser sogenannten okkulten Lehrbriefe als mehr zu betrachten, als sie wirklich sind, nämlich auf den physischen Plan ausgedehnte poetische Fiktionen, um spirituelle Wahrheiten für die Unwissenden tastbar zu machen und um Gebrauch von der Gutgläubigkeit und dem Aberglauben der Wunderliebenden zu machen, um sie etwas Nützliches und Gutes zu lehren. 35)
Es ist interessant, daß jene Art von spiritistischen Erscheinungen, die später Morya und K.H. zugeschrieben wurden, bereits früher im Zusammenhang mit Hurrychund Chintamon eine Rolle spielten, den Blavatsky als Erzeuger bezeichnete. Chintamon " entpuppte sich als Dieb, der später C. Massey erzählte, er sei nie Schüler [chela] gewesen und hätte nie irgendwelche okkulten Kräfte besessen. Blavatsky rief auf ihrem Weg nach Indien im Jahr 1879 in Gegenwart von Massey eine chinesische Dose hervor und setzte diesem Wunder die Krone auf, indem sie ein kleines indisches Visitenkartentäschchen präzipitierte, das in der Tasche seines Oberkleides erschien, in dem ein Stück Papier mit der Unterschrift Chintamons lag, als Beweis für den Ursprung des Phänomens. 36)
Was aber viel mehr Aufmerksamekit verdient, sind das historische Umfeld und die Erscheinungen, die Blavatsky im allgemeinen als Grundlage für ihre "poetischen Fiktionenb benutzte. Insbesondere die "K.H./Morya-Sagas offenbaren eine faszinierende Episode einer weithin unerforschten Ära in der Geschichte des kolonialen Indien, die in engster Beziehung zu wichtigen Ereignissen anderswo steht.
Hinichtlich Blac´vatsky als Person ist sehr wenig über ihre inneren Motive, ihre wirklichen Ziel geschrieben worden und warum sie diese verschiedenen Fiktionen schuf. Ein Aspekt, der bemerkt werden kann, ist der, daß in all ihren Geschichten von Meistern und Mahatmas, deren Sprachrohr sie angeblich sein sollte, nur Männer vorkommen.
Indische Spiritualität, Hindu-Nationalismus
Was den Zusammenhang von Blavatsky mit der indischen Unabhängigkeitsbewegung anbetrifft, können wir sagen, daß sie die okkulte Tradition insofern veränderte, als sie Indien anstelle Ägyptens zur Quelle des alten Weistums erhob, wie dies vor ihr der Fall war.
Die Theosophie wurde dadurch zu einem religiösen und sozialen Diskurs, der die Überlegenheit der eingeborenen indischen Religion in einer Art bekräftigte, die nationalistische Gefühle inspirierte.
John Davies beschreibt in seinem Buch "The emergence of Hindu Nationalism in India (Oxford University Press 2000) wie verschiedene religiöse Reformbewegungen, die TG eingeschlossen, versuchten, die Hindus zu mobilisieren, indem sie partikuläre Ideen darüber präsentierten, was es bedeute, ein Hindu zu sein. In diesen Bewegungen wurde der Hindu-Nationalismus zuerst artikuliert.
1916 schloss sich Annie Besant mit dem von Mazzini inspirierten Tilak und seinen Anhängern zusammen, trennte sich vom moderaten Indischen Nationalkongress und begann die All-Indische Selbstverwaltungs-Liga [All-India Home Rule League] zu formieren,, die den Weg zu Indiens Unabhängigkeit bahnte.
Anmerkungen
1) India Office Records, British Library, London: R/1/1/162
2) India Office Records R/1/1/62
3) Public Record Office, Kew, HD3/70
4) IOR L/P§S/18/D152, S. 24
5) IOR L/P&S/3/279
6) Public Record office, Kew, London; FO 65/1296
7) IOR L/P&S/18/D152, S. 24
8) Campbell, The Maharajah's Box, S. 317
9) Hannah M.Wolf, Madame Blavatsky, from Two Worlds (Manchester, England, December 11, 1891, pp. 671-672.)
10) Blavatsky, Collected Writings, vol. 1, S. 107
11) Gastone Ventura, I Riti Masonici di Misraim e Memphis
12) Theosophical Enlightenment, S. 292
13) Olcott, Old Diary Leaves, vol. 1 S. 15-17, und Gertrude Marvin Williams, Priestess of the Occult, S. 100-101
14) Rory Carroll im Rome Guardian, Dienstag, 8. Februar, 2000. Eine verblichene Postkarte in einem Turiner Archiv hat eines der unglaublichsten Spiele des amerikanischen Bürgerkrieges öffentlich gemacht.
Abraham Lincoln bot Giuseppe Garibaldi, dem Vereiniger Italiens und Schrecken des Papstes, das Kommando über die Streitkräfte der Nordstaaten an. Der US-Präsident, dessen Streitkräfte von der Armee der Konföderierten geschlagen wurden, wandte sich verzweifelt an Garibaldi und schuf eines der grossen "was wäre gewesen, wenn der Geschichte. Gerüchte über Lincolns Angebot kursierten ein Jahrhundert und wurden von amerikanischen Gelehrten stets verneint, aber das Dokument beweist, daß es kein Mythos war, wie der Historiker Arrigo Pettaco sagte.
Er stolperte letzte Woche über die verblichene blaue Postkarte von Garibaldi an König Viktor Emanuel II, die diesem vom Angebot berichtete, als er in 90 Schachteln mit Material herumstöberte, das von der exilierten italienischen Königsfamilie gestiftet worden war. Garibaldi nahm die Phantasie der Welt gefangen, nachdem er im Jahr 1860 mit tausend leicht bewaffneten Rothemden in Sizilien eingedrungen war. Sie bezwangen 12.000 neapolitanische Soldaten, nahmen die Insel in Besitz und setzten auf das Festland über. Sie besetzten Neapel und lösten eine Welle von Unterstützung aus. Nach Mr. Petacco war der Rebell, der in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts eine Armee in Uruguay geführt hatte und durch die USA gereist war, auch Freimaurer. Die internationale Maurerloge setzte sich erfolgreich dafür ein, daß er die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Garibaldi war unter einer Bedingung bereit, Lincolns Angebot von 1862 anzunehmen, sagt Petacco: daß der erklärte Zweck des Krieges in der Abschafung der Sklaverei bestehen sollte. Aber zu diesem Zeitpunkt war Lincoln nicht bereots eine solche Verlautbarung zu veröffentlichen, denn er fürchtete eine Agrarkrise. "Später boten sie Garibaldi das Kommando über eine Ehinheit an und nicht über die ganze Armee, aber zu diesem Zeitpunkt war es bereits zu spät, denn Garibaldi war inzwischen mit anderem beschäftigt, sagte Petacco. "In Italien wussten wir es immer, aber es gab viel Skepsis in den USA. Jetzte iwssen wir es mit Sicherheit.
Olcott, das ist eine Tatsache, war einer der drei Sachverständigen, die in die Kommission berufen wurden, die unteruschen sollte, ob der Mord an Lincoln Folge einer Verschwörung war oder nicht.
15) Blavatsky, Letters of H.P. Blavatsky to A.P. Sinnet, S. 206-7.
16) Carlson, Maria, No Religion Higher Than Truth, S. 316.
17) The Theosophical Society, Russian Intrigue or Religious Evolution? By Richard Hodgson, M.A., LL.D. The Age, Melbourne, Australia, 12. September, 1885
18) Dalip Singh Secret Correspondence 1887-92, IOR L/P&S/20/H3-9, 17 März 1887
19) William Wedderburn, Allan Octavian Hume, S. 80, und Bipan Chandra, Indias Struggle for Independence, 1857-1947, S. 63
20) Wedderburn S. 79-80
21) Richard Fox, Lions of the Punjab, a study of Sikh culture
22) R.A. Gilbert "Revelations of the Golden Dawn" '97 S. 5-6, und Ellic Howe "Free Masonry in England"
23) Manly P. Hall, Madame Blavatsky - A Tribute, Theosophia, May-June 1947, S. 10-11
24) Olcott, Old Diary Leaves, vol. 1, S. 468-69
25) Jinarajadasa, comp., Letters From the Masters of Wisdom, second series, S. 80-81
26) Blavatsky Letters, 65
27) The Emergence of Hindu Nationalism in India/John Zavos. Delhi, Oxford University Press, 2000
28) Christy Campbell, interview at publication time of "The Maharajah's Box"
29) IOR L/P&S/3/288
30) K. Paul Johnson, The Masters Revealed, S. 50
31) Moncure Daniel Conway, My Pilgrimage to the Wise Men of the East, 1906, Kapitel X, S. 195-214.
32) Surendranath Banerjea, A Nation in Making S. 39
33) Sven Eek, Damodar and the Pioneers of the Theosophical Movement, S. 633-34
34) Howard Murphet, Yankee Beacon of Buddhist Light. S. 287
35) Theosophical History Occasional Papers, Vol. VII
36) John Deveney Astral Projection or Liberating of the Double and the Work of the Early Theosophical Society, S 62-63.
Zum englischen Original:
www.unet.univie.ac.at/~a7502210/index.html