Für eine zeitgemäße Erkenntnishaltung.
Anmerkungen zur Beziehung zwischen Geisteswissenschaft und Gegenwartskultur.
Roland Benedikter
Meinem Beitrag über die Rave-Kultur in der Zeitschrift "Info3 vom Dezember 2000, aber auch mehreren Aufsätzen zu aktuellen Wirtschaftsthemen, die ich u.a. für die Zeitschrift "Die Drei und die Buchreihe "Kontext" geschrieben habe 1), sind zahlreiche - positive wie negative - Kritiken, Gespräche und Diskussionen gefolgt. Sie geben mir Anlaß, als Basis für mögliche ausführlichere, erweiterte spätere Beschreibungen meine Grundsätze für die Inbeziehungsetzung von Geisteswissenschaft und Zeittendenzen in summarischer Form darzustellen.
Es scheint mir, daß eine solch grundsätzliche Darstellung notwendig ist. Denn das Gespräch über die Rave-Kultur wie auch über Phänomene der gegenwärtigen Wirtschaftsentwicklung hat eine offenbar weit verbreitete Haltung von Geisteswissenschaftlern zu Zeitphänomenen offenbart, deren Überprüfung meines Erachtens nicht auf die Debatte um Einzelerscheinungen beschränkt bleiben kann. Sie würde sich dann nur immer wieder in ähnlicher Weise an neuen Phänomenen wiederholen und nie die Ebene der produktiven Selbstbefragung von Grundhaltungen erreichen, auf die es meiner Ansicht nach angesichts der in der Debatte aufgetauchten Aspekte ankommt.
Mit den folgenden Notizen und Anmerkungen hoffe ich, meine Sicht der Dinge unter Berücksichtung der verschiedenen Anregungen vorläufig ausreichend darzustellen. Selbstverständlich sind dabei die folgenden Thesen, die ich als meinen Diskussionsbeitrag formuliere, nichts Endgültiges oder Abgeschlossenes, sondern jeder weiteren Diskussion offen. 2)
I
Ausgangsfrage und These
Was ist das Programm einer zeitgemäßen Erkenntnishaltung? Und, damit zusammenhängend: Was ist das Programm einer geisteswissenschaftlichen Menschenkunde als Wissenschaft der Zeiterscheinungen? Wie können sich die Erkenntnisbestrebungen der jüngeren Generation von Geisteswissenschaftlern in einer angemessenen Weise zu den Phänomenen der Zeit in Beziehung setzen, sich ihnen nähern und sie produktiv machen?
Auf diese Grundsatzfragen versuchen die folgenden Ausführungen umrißartig eine grundsätzliche Blickrichtung zu skizzieren. Hier wird keine Vollständigkeit angestrebt, sondern nur die Ausrichtung des Erkenntnisblicks und das Festhalten der wesentlichen Voraussetzungen für eine zeitgemäße phänomenologische Haltung in den Geisteswissenschaften also für eine Arbeit auf der Höhe der Zeit.
Dabei wird sich herausstellen, daß eine zeitgemäße Erkenntnishaltung in der Herausarbeitung einer Phänomenologie der Wirklichkeit des Ideellen unter konsequenter Berücksichtigung ihres derzeitigen Status einer tiefen Ambivalenz besteht, welche ihrem Wesen nach für die Gegenwart unhintergehbar ist und nicht in einfachen Urteilsbildungen auf der Grundlage von Oppositionen aufgelöst werden kann. 3) Wer nicht das Doppelantlitz der Zeit einer Anschauung zuführt und sich bloß in Bejahungen oder Warnungen erschöpft - so die These, die ich im folgenden auszuführen versuche -, geht am eigentlichen, produktiven inneren Gehalt der Mehrzahl der heutigen Phänomene vorbei.
II
Der Kontext
Wer Geisteswissenschaft und Zeitphänomene zueinander in Beziehung setzen will, muß sich zunächst das Umfeld vergegenwärtigen, in dem diese Bemühung stattfindet.
Die europäische Zivilisation geht derzeit - und wahrscheinlich noch für die gesamte Lebenszeit der gegenwärtigen Generation - durch einen Anti-Idealismus und Anti-Essentialismus hindurch. Dieser ist, trotz seiner bekannten Aporien wie der Relativierung alles Wissens und der Instrumentalisierung der Erkenntnismethodologien, die positive Voraussetzung dafür, daß in der Gegenwartskultur diesseits verschiedener, in jüngster Zeit zumindest latent neu auflebender Formen von Totalitarismen die Koexistenz von Individualität und Pluralismus, das heißt das Zusammenleben von Subjekten in demokratischer Form möglich ist. Der nominalistische Erkenntnisgestus, der die "Substanz zugunsten eines immanenten Nihilismus preisgibt, ermöglicht auf der anderen Seite gesellschaftliche Toleranz und Demokratie. Das ist die anerkennenswerte Seite des Anti-Essentialismus im Zeitalter radikalisierter Individualisierung, die in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Sie ist grundsätzlich richtig und erfüllt ihren Sinn für den Fortschritt der Zeit, der heute vorwiegend in der schrittweisen Verwirklichung der Freiheitsintuition der Individualität besteht. Es ist in dieser Perspektive grundsätzlich anzuerkennen, daß heute das Primäre die Toleranz ist und daß sie inhaltlich und methodisch vor die Substanz zu stellen ist.
Der Hauptnachteil dieses Anti-Essentialismus und Anti-Idealismus aber ist, daß die vielen, die heute angesichts der Gefährdungen der Zeit - in durchaus experimenteller Weise - auf einen möglichen neuen Essentialismus hinzuarbeiten suchen, ihre Zeit nicht nur zu verfehlen scheinen, sondern ihrer Eigenwirklichkeit nach tatsächlich verfehlen und daher mit dem - in sich nicht unberechtigen - Unverständnis der Zeitgenossen konfrontiert werden, die sie für Ewiggestrige halten müssen. Denn eine bestimmte, heute atavistisch gewordene Art von Essentialismus gehörte einer vorhergehenden Phase der Moderne an und mußte tatsächlich zum Zweck des kulturellen Fortschritts überwunden werden. Um was es heute geht, ist ein Essentialismus, in dem sich Substanz und Pluralität vereinbaren ließen, und der gerade zu diesem Zweck eben nicht mehr ideologisch, sondern nur mehr anthropologisch-individualistisch und empirisch sein kann, aber deshalb nicht weniger objektive Wirkungen zeitigt. Substanz und Pluralität zusammenzubringen ist nichts weniger als die Hauptschwierigkeit und zugleich die Grundforderung der Zeit. Zugleich ist es das unaufhebbare Grunddilemma jeder substantiellen Erkenntnisbemühung heute. Dieses Grunddilemma ist in seiner inneren Dialektik derzeit produktiv. 4)
III
Was meine ich mit Geisteswissenschaft?
Unter Geisteswissenschaft verstehe ich in dieser Situation erstens einen tragfähigen Neo-Substantialismus oder Neo-Idealismus, der die ideologischen Aporien der herkömmlichen Formen seiner Strömungen überwindet, indem er sich auf eine empirisch-praktische Menschenkunde der inneren Erfahrung und des seelisch-geistigen Lebens des Individuums stützt.
Unter "Geisteswissenschaft" verstehe ich zweitens ein im Kern humanistisches 5) Erkenntnisbemühen, das sich seinerseits in eine neue substantielle, das heißt nicht mehr bloß beobachtende, sondern beteiligte - im erlebenden Vollzug teilhabende - Beziehung zu den Zeitphänomenen und zu den anderen Erkenntnisströmungen der Gegenwart setzt und damit zur gegenwärtig sich vollziehenden Selbsterneuerung der Totalität der zeitgenössischen Kulturphilosophie beiträgt.
"Geisteswissenschaft" trägt als praktischer Idealismus und als kognitiver Humanismus dazu bei, daß sich in der zeitgenössische Kulturphilosophie die Kultur auf der Ebene ihres Lebensprozesses als sich während ihres Vollzugs beobachtende Bewegung bewußt wird. Wenn sie dies gewährleistet, bleibt Kulturphilosophie nicht nur Philosophie, sondern wird zur tatsächlich belangvollen Lebensbewegung. Sie wird von einer nachzeitigen (diachronen) und dialektischen Aufklärung zu einer gleichzeitigen (synchronen) und anschauenden (ästhetischen) Aufklärung.
Programmatisch denkbar sind zusammenfassend neue Formen idealistischen und humanistischen Denkens, die aus einer inneren Erneuerung des Humanismus Toleranz und Substanz endlich authentisch und sozialfähig vereinen, ohne in neue Ideologien zu verfallen. Das muß jedenfalls das Ziel jeder ernsthaften kulturphilosophischen Erkenntnisbemühung sein. Es muß allererst einmal gewagt werden, diese Herausforderung zu denken, und ihrer Verwirklichung nachzusinnen, um dann in vorläufig experimenteller Absicht ihre Ausarbeitung in Einzelformen probeweise anzugehen.
IV
Das Zeitalter der Ambivalenz: Herausforderung der Arbeit am Grundsätzlichen
In der Natur gibt es erste Entwürfe, Skizzen. Und so weist die Schöpfung auch viele fertige Parodien auf. Ein Schnabel, der kein Schnabel ist, Flügel, die keine Flügel sind..: das ist die Ente. Da also das Geflügel neben dem Vogel existiert, sehe ich nicht, warum die klassische Tragödie nicht neben der antiken Tragödie existieren sollte.
So schrieb Victor Hugo in seinem Roman Die Elenden (2,3,4,III). Was er damals als Neuerung beschrieb, gilt heute als primäre gesellschaftliche Grundbedingung. Denn wir leben in einer Zeit, in der die klare, analytisch-zergliedernde Unterscheidung der wesentlichen gesellschaftsprägenden Kräfte und Qualitäten schwierig geworden ist. Viele der großen wissenschaftlichen und politischen Ideologien und der mit ihnen bisher scheinbar kulturimmanent verbundenen Polaritäten haben sich weitgehend aufgelöst - und können daher nicht mehr als Topologien einfacher Zuordnung und Orientierung dienen. Neue Ideologien und geistige Konstellationen treten an ihre Stelle. Sie sind ambivalenter und flexibler an Gestalt, durchlässiger und unaufdringlicher im Gestus als ihre Vorgänger. Die gesellschaftliche Konstellation zeigt spätestens seit Anfang der 90er Jahre im Spannungsfeld zwischen politischen Veränderungen, kulturellem Wandel, neuen Technologien und wachsendem wirtschaftlichem Einfluß auf das geistige Selbstverständnis der aufgeklärten Moderne eine gesteigerte Komplexität, sodaß eine den Phänomenen gerecht werdende, anschauende Urteilsbildung für viele Menschen anhand der im Alltag an sie herandringenden Informationen sachgerecht und in vertiefter Weise kaum mehr möglich scheint. In der heraufdämmernden Prozeßgesellschaft haben außerdem stabile kulturelle Rahmenbedingungen nur mehr immer kürzere Geltung, und das Moment der Zukunft verdrängt jenes der Gegenwart immer weiter, indem das Werden immer mehr (und mit einer in ihrer Tiefe erst noch zu erwägenden Berechtigung) an die Stelle des Seins tritt.
Unter den Prämissen dieser Veränderung wird die Klärung des Grundsätzlichen und die Identifikation des Wesentlichen mehr denn je zur unabdingbaren - und zugleich allerdings auch unabschließbaren - Arbeit an den Voraussetzungen des eigenen Handelns. Deshalb ist am Beginn des 21. Jahrhunderts von "Geisteswissenschaften", die sich diesen Namen verdienen wollen, mehr denn je die Arbeit an grundsätzlichen Begriffsklärungen, die Herausschälung des Wesentlichen, die Verdeutlichung von ideellen Urbildern und das Bemühen um einen weiträumigen Einblick in die großen Zusammenhänge und geistigen Hintergründe der Zeiterscheinungen notwendig. Daraus soll dann der Einzelne autonom seine eigenen Ansichten und Urteile ableiten können.
Das Zentrale (und in Wahrheit letztlich Unumgehbare) für eine Betrachtung der Zeiterscheinungen ist in dieser Lage meines Erachtens nichts anderes als die Frage nach der Wirklichkeit, nach der Lebenssphäre, nach dem Leben der Idee. Man muß erkennen, daß heute - im Zeitalter einer "postmodernen Bewußtseinshaltung, in der das durch die obengenannten Prozesse von Entmündigung bedrohte Subjekt potentiell zugleich in die volle Freiheit seiner Selbstermächtigung tritt - jede Idee dort, wo sie sich wirklich als Lebensprozeß austrägt und also wirklich ist, jenes unhintergehbares und fundamentales Doppelantlitz aufweist, das viele von uns verständlicherweise verdrängen möchten. Aber erst wo - unter Mühen und in einer dialektisch-konträren Bewegung - eine Anschauung dieses mehrschichtigen Lebens der Idee errungen wird, beginnt diese Idee unverkleidet zu sprechen. Sie zeigt sich dann selbst in permanenter Verwandlung begriffen, nie stillstehend und sich gleichsam in erhabener Weise ständig metamorphosierend - und gerade in dieser ihrer unaufhebbaren Lebendigkeit in sich selbst identisch, kontinuierlich und sprechend.
Dieses eigenständige, von sich aus als Metamorphose sprechende Leben der Idee, um das es heute allein gehen kann (denn es kann ja einem Bemühen, das sich der Erkenntnis verpflichtet weiß, nicht um Meinungen, Interpretationen oder Vorurteile gehen, sondern nur um objektive Anschauung dessen, was ist), wird meines Erachtens heute dadurch angetrieben und ist überhaupt nur insofern als Lebensprozeß, als es aus Widersprüchen besteht. Diese Widersprüche gehören am Beginn des 21. Jahrhunderts konstitutiv dem Wesen jeder sich substantiell verwandelnden Sache an. Die Dialektik der Widersprüche in einer Gesamterscheinung der Ambivalenz ist, wie bereits erwähnt, gegenwärtig geradezu das Produktive für das Verwirklichungsgeschehen jedes Substantiellen und Ideellen. Die überwiegende Mehrzahl der bedeutenden Ereignisse und Entwicklungen heute ist, wenn man sich ihrer offenbaren Phänomenologie nicht verschließt, von einer fundamentalen Tiefen-Ambivalenz, aus tiefen Widersprüchen heraus angetrieben. Und es sind, wenn wir genau hinsehen, gerade diese Widersprüche, Ambivalenzen und Doppelantlitze, die den Motor für die charakteristische Bewegung nach vorne, für die Metamorphosehaftigkeit für den Lebensprozeß des verborgenen Ideellen in den Phänomenen bilden.
Die Doppelgesichtigkeit, die inneren Widersprüche der gegenwärtigen Zeiterscheinungen sind daher in gewisser Weise nichts anderes als das Leben der Idee selbst. Das Zwielicht des Ambivalenten, sein inneres Potential an verschiedenen Werdemöglichkeiten und "Doppeldeutigkeiten, sein Charakter eines dämmerhaften, unklaren, reversiblen und offenen Werdens, oder anders gesagt: die ihm inhärente Verschiedenartigkeit der Entgegensetzungen in ein und demselben ist gerade das, was der Idee unter Gegenwartsbedingungen das Leben in ihrer vollen Substanz als wandelbare Wirklichkeit ermöglicht. Das originäre Leben der Idee ist heute überall dort, wo dieses Leben aus sich selbst heraus ist, ein reiner Prozeß. Es ist das Ereignis eines Wahren - aber zugleich ein wirklicher, realer Lebensprozeß, der nicht auf irgendetwas anderes reduzierbar ist, sondern nur an sich selbst das Wahre eines Wirklichen, das Schweben eines Ausgesetzten darstellt.
Für einen so verstandenen Lebensprozeß der Idee gibt es freilich keine einfachen Lösungen. Er läßt sich nicht einfach auf etwas anderes (einen klar erreichbaren "Sinn") zurückführen oder auf etwas anderes (einen klar ansteuerbaren "Zielpunkt") hinlaufend erklären. Sondern er enthält als sich ereignender selbst gerade in seiner Ambivalenz - und in der sich in ihr vollziehenden Bewegung - die ganze Summe seiner Wahrheit. Es ist die Wirklichkeit der Idee selbst, die nichts anderes als eine dauernde Metamorphose ein und desselben Wesens ist (eine Verwandlung, ähnlich dem Sein von Wolken, wie schon Aristophanes wußte) aber in jenem Zeitsubstrat, das sich ihr bietet und in dem sie sich darbietet. Wo das Leben der Idee nichts anders als die sich selbst im Zwielicht des physischen Phänomens vollziehende Wahrheit ist, ist diese Wahrheit nur als Ereignis in Zeit und Raum mit seinen permanent ineinander überfließenden, verschiedenen, zum Teil polaren und einander widersprechenden Seiten - oder sie ist nicht. Die Idee ist also das eine. Das Leben das andere. Erst wenn das Leben in die Idee überfließt, wird es wirklich. Die Urteilsebene für die Gegenwart liegt in der durch das Leben sprechenden Idee. Die Idee im Ereignis des Tatsächlichen ist die Wirklichkeit.
V
Wo ist die Idee wirklich?
Um die Anschauung eines so verstandenen Lebens der Idee im konkreten Phänomen zu erreichen, ist, wie manche Kritiker einer solchen Konzeption von "Geisteswissenschaft" zu Recht anmerken, ein Maßstab notwendig. Diesen hat allerdings niemand im vorhinein, sondern er muß sich, wenn er wahr sein soll, immer erst am Wesen des Phänomens selbst bilden. In der jeweiligen situativen Bildung des Maßstabs am Phänomen besteht die eigentliche Qualität gegenwärtiger und künftiger Geisteswissenschaft.
Ziel und Programm einer zeitgemäßen, auf die geistigen Erscheinungen der Epoche gerichteten Erkenntnisarbeit muß daher eben als unabdingbare Voraussetzung zur Beantwortung der zentralen Frage: Wie läßt sich die Idee in der Wirklichkeit wahrnehmen? - die Entwicklung einer umfassenden Phänomenologie des Tatsächlichen unter Einbeziehung der Polaritäten und Widersprüche sein, welche sie mitkonstituieren. Diese Widersprüche und Polaritäten stellen verschiedene Ansichten des Wesens der lebendigen Idee dar.
Das Verschiedene im Selben und das Selbe im Verschiedenen zu sehen, ist zugleich eine mögliche Definition der Imagination: die Zusammenziehung von Widersprüchen in ein sie alle gleichzeitig berücksichtigendes und sie in einem einzigen Erleben zusammenziehenden Bild. In diesem Bild wird eine Wahrheit der Sache als Ganzheit eines Ereignisses sichtbar, indem dieses selbst zu sprechen beginnt, ohne daß es in seiner Komplexität und seiner unreduzierbaren Metamorphosierebene durch den Erkenntnisakt selbst beeinträchtigt und vereinseitigt wird.
Dies alles nun scheint mir keine müßige Spekulation über das richtige Herangehen an die Zeiterscheinungen unter nur allzu bestimmten ("postmodernen") Bedingungen zu sein, sondern ist meines Erachtens der Kern und die Voraussetzung jeder Haltung überhaupt, die heute - und in nächster Zukunft - den Anspruch auf geisteswissenschaftliche Erkenntnis hat. Denn wo ist denn das Geschäft der Kulturphilosophie überhaupt wirklich? Es ist in den endlich konsequent zu berücksichtigenden Bewußtseins- und Zeiterscheinungen der Gegenwart geradezu nur dort wirklich, wo es das Doppelgesichtige, Widersprüchlich-dialektische man könnte ebensogut sagen: metamorphoseverfaßt Offene synthetisiert, ohne es zu vereinheitlichen. Alles andere sind Erkenntnisse eines Teils oder eines bestimmten Augenblicks im Metamorphoseprozeß des Lebens der Idee. Kulturphilosophische - geisteswissenschaftliche - Erkenntnis heute aber heißt: illusionslose Klarheit der synthetisierenden Wahrnehmung von in sich unantastbaren, ihr Eigenrecht bewahrenden Teilen zu einem imaginativen Ganzen.
Die gegenwärtige Dimension der Wirklichkeit der Idee als in sich aufgeteilte und widersprüchliche entspricht der des Lebensprozesses selbst. Wie dieser formt sie aus der Bewegung der heterogenen Teile ein unsicheres Ganzes. In ihrem Kern ist sie nur mit Staunen, Mitgefühl (Liebe) und Gewissen, also mit im engeren Sinn seelisch-geistigen Methodologien, nicht mit der Starrheit eines intellektuellen Vorwissens, mit Belehrung oder mit instrumenteller Überheblichkeit zu erreichen. Staunen, Mitgefühl und Gewissen heißt im Zusammenhang einer wirklich zeitgenössischen praktischen Kulturphänomenologie: sich einlassen auf die Phänomene, sie lebenskräftig durchleben, an ihnen erwärmenden Anteil nehmen (was selbstverständlich mißlingen, aber eben auch gelingen kann).
So ist es zum Beispiel weder bei den weltprägenden neuen Technologien wie der Gen- oder Bioechnologie, noch bei dem die Gesellschaftsatmosphäre von Tag zu Tag stärker unterschwellig prägenden Neoliberalismus, noch bei der wachsenden untersinnlichen Wirkung der neuen Medien auf den Menschen möglich, zu einer der Tiefendimension der Sache selbst wirklich gerecht werdenden Anschauung zu gelangen, ohne die Lebenskraft (und den ihr innewohnenden tiefen, widersprüchlich-vitalen Selbstsinn), die in der Metamorphosierfähigkeit und der gegenseitigen Selbststeigerung der in diesen Phänomenen zutage tretenden Widersprüchlichkeiten liegt, zu berücksichtigen. Die genannten Kulturphänomene der Zeitentwicklung stellen derzeit zweifellos "unheimliche Einseitigkeiten dar, die aber in der Tiefe ihres zugrundeliegenden, möglicherweise gerade in ihrem Nicht-mehr-im-Menschlichen-heimisch-Sein nach vorne treibenden Ideellen ein Doppelpotential haben, das, will man die Einzelheiten zur Wahrnehmung der Idee synthetisieren, berücksichtigt werden muß. 6)
Es geht aus diesen Gründen heute mehr denn je darum, sich den Phänomenen nicht nur reflexiv gegenüberzustellen, sondern empirische Zugehörigkeit zu beweisen. Genauer: es geht mehr denn je darum, den Zweifel des Darinnenstehehens zu durchleben, die Ambivalenz zu ertragen, das Halbhier- und Halbdortsein zu erfahren, das in diesen Phänomenen zu erfahren ist. Denn nur dann vertiefen sich diese Phänomene und öffnen den Blick auf Künftiges. Die zeitgenössisch vorherrschende intellektuelle Haltung einer schwebenden Unruhe, die viel Negatives in sich birgt, scheint mir in dieser Hinsicht richtig und einer distanziert-überschauenden Gelassenheit vorzuziehen.
Das bedeutet freilich nicht, wie manche Kritiker bei solchen Ausführungen sogleich wieder vermuten könnten, zugunsten der Anschauung des Ambivalenten einen Verzicht auf das Unantastbare: auf das Heilige des Menschlichen, das allen Bereichen des Gesellschaftlichen und auch aller Urteilsbildung über Kulturphänomene weiterhin den Maßstab gibt. Im Gegenteil, um dieses geht es ja gerade, wenn die Beschäftigung mit Geisteswissenschaft einen Sinn über sich selbst hinaus haben soll. Aber zur angemessenen Gewinnung dieses Menschlichen in den Phänomenen ist auch die Anschauung des Ambivalenten in seiner konkreten Erscheinung notwendig. Gerade die gegenseitige Bezugnahme zwischen Substanz und Ambivalenz halte ich für den gegenwärtigen Augenblick für produktiv.
Nur ein (sehr frühes, seiner Zeit weit vorauseilendes) Beispiel für das Gelingen einer solchen Haltung: das Urteil von Victor Hugo über Napoleon. Hugo meinte, es sei aus zahlreichen verschiedenen Gesichtspunkten aus schade, daß Napoleon die Schlacht von Waterloo verloren habe, aus anderen Gesichtspunkten aber sei es gut. Synthetisiert in eine umfassendere Anschauung würden sich schade und gut in das Wesen der Geschichte als umfassenden Werdeprozeß der Heraufkunft eines Idellen hinein verbinden. Nur um die erlebende Anschauung dieses Ideellen aber geht es einer wahrheitsorientierten Geisteswissenschaft. 7)
Die Haltung einer solchen Urteilsbildung ist aus meiner Sicht - noch viel mehr unter den spezifischen Gegenwartsbedingungen als zu je einer vorhergehenden geschichtlichen Zeit - die zeitgemäße Interpretation jener zentralen Forderung Rudolf Steiners, die auch uns heutigen ohne alle Abstriche den Maßstab geben muß: Das Gewahrwerden der Idee in der Wirklichkeit ist die wahre Kommunion des modernen Menschen. 8)
VI
Die eigentliche Tiefendimension der Befragung von Zeit-Phänomenen:
das Parzival-Motiv
Dem "Gewahrwerden der Idee in der Wirklichkeit als der "wahren Kommunion des modernen Menschen geht es um eine Art empirische Anthropologie. Es geht ihr um eine Menschenkunde, die den reinen Menschen in der unreinen Wirklichkeit entdeckt. Genauer gesagt: es geht ihr um eine Menschenkunde, die das potentiell Menschliche in der Wirklichkeit freilegt und zwar in Berücksichtigung seiner fundamentalen Kontaminationen, Verschüttungen und Verstümmelungen, die gegenwärtig immer sichtbarer werden (und das öffentliche Bild der Gesellschaft mitterweile weitgehend bestimmen). Es geht genau in dieser kulturellen Lage der Verschüttetheit des Menschlichen darum, das menschlich wirklich Interessierende in den Zeitphänomenen freizulegen, so etwa in der Rave-Kultur. Gibt es in dieser Kultur trotz Drogenkults, Ersatzbefriedigung und Flucht in den Rausch ein eigentlich Menschliches, das die Einzelnen anzieht? Durch das Stellen einer solchen Frage und ihre phänomenologische Überprüfung werden im besten, gelingenden Fall umgekehrt diese "kontaminierten" Phänomene auf ihr immanentes, aber unverwirklichtes und unbewußt bleibendes menschliches Potential aufmerksam gemacht. Sie können es dann frei in sich ergreifen und werden dadurch sozusagen aus sich selbst heraus vermenschlicht.
Dies gilt grundsätzlich auch dann, wenn ein Menschliches in diesen Phänomenen selbst nicht hinreichend zur Geltung kommt oder nur mehr unbewußt-verschwommen erscheint, und auch dann noch, wenn es auch auf den zweiten Blick oberflächliche oder ablehnenswerte Phänomene sind. Selbstverständlich gibt es hier Grenzen der Sinnhaftigkeit, und durchaus oft wird der hiermit charakteristisch umrissene Erkenntnisversuch abgebrochen werden müssen. Das kann sich aber erst in einem wagenden Unterwegs zeigen, welches das Scheitern als reale Möglichkeit und als Preis für die substantielle Offenheit der Suche nach dem Ideellen in seine Bewegung einbezieht. Die ernsthafte Einbeziehung des Scheiterns in die erlebende, erprobende Suche nach der Idee in der Wirklichkeit ist eine Aufgabe - meines Erachtens sogar die zentrale Aufgabe - einer gegenwartsorientierten Geisteswissenschaft, die in erster Linie befragenden und eben darin in gewisser Weise nichts weniger als erlösenden Charakter hat. Es ist das Parzival-Motiv, das hier aus dem Hintergrund heraus als tiefere Triebfeder und Motivation mächtig aufsteigt.
Wie Parzival Amfortas schließlich, nach großer Versäumnisschuld, fragt: Was fehlt Dir? Woran leidest Du? Warum kommt Dein Heilendes, Menschliches nicht aus Dir selbst heraus zum Vorschein?, so hat Geisteswissenschaft die Phänomene und die in ihnen heute meist nur zwielichtig und in Krankheitsform zum Ausdruck kommenden ideellen Prozesse nicht zu verurteilen (wir alle wissen, wie leicht das ist), sondern sie hat die tiefere Symptomatologie eines Menschlichen, welches in allen Erscheinungen, auch in den negativsten, der menschlichen Welt unweigerlich stecken muß, in allgemeinmenschlichem, teilhabendem Geist zu befragen: Wer bist Du? Was ist Dein menschlich Belangvolles? Was fehlt Dir, daß Du nicht so zu Dir selbst kommen kannst, wie Du es eigentlich wolltest? Das ist das weit Schwerere.
Selbstverständlich ist daneben oft vielleicht sogar in der Mehrzahl der zeitgenössischen Fälle, und vermutlich auch wachsend mit dem Gefahrenpotential der Zeit eine klar oppositionshaft-kritische Haltung nötig, die nicht heilen will, sondern Grenzen aufzeigt, Schwellen markiert oder durch Provokation zur Regeneration der Urteilskraft beiträgt. Das ist ohne Frage richtig. Aber grundsätzlich, ausgehend von dem originären Fortschrittspotential im Innern der Zeit, erscheint mir die "immanent kritische Haltung zielführender, heilsamer und belebender.
Ich bin sogar davon überzeugt, daß die Mehrzahl anderer nicht teilhabender - Haltungen unter den realistisch angeschauten Gegenwartsbedingungen eigentlich keinen Sinn mehr haben kann. Wäre es denn statt kritischer Blockade, moralischer Entrüstung oder Ablehnung "aus hohen idellen Motiven" heraus nicht besser, einfach der inneren Stimme das Richtige folgend zu tun - statt sich mit den Phänomenen, Sachverhalten und Verhältnissen der Zeit kulturphilosophisch erwägend auseinanderzusetzen oder sie bildhaft auf etwas Geistig-Immaterielles in ihnen durchdringen zu wollen?
Das Unsichtbare, Wertvolle, Geheime als wirkendes Prinzip noch in der verunreinigten Wirklichkeit zu entdecken, kann schockierend sein. Denn die Wirklichkeit ist - zumal am Anfang des 21. Jahrhunderts, also unter "postmodernen Bedingungen - immer kontaminiert. Darüber sollten wir uns, gerade als Geisteswissenschaftler, keine Illusionen machen. Sie ist für den gegenwärtigen Zivilisationsaugenblick immer zweischneidig, zwielichtig, ambivalent. Die Wirklichkeit ist keine Lösung mehr, sie kann auch keine mehr sein, sondern ist mehr und mehr ein reines Werden, ein Kräfte-Prozeß, ein sich im eigentlichen Sinn des Wortes entwickelndes Sein-Wollen, das auf etwas Unsagbares hinzielt, das sich in vorerst janusköpfiger Weise in ihr zu offenbaren und zu vollziehen beginnt.
Daß dem so ist, sollten wir zumindest grundsätzlich in Erwägung ziehen und anerkennen. Andernfalls scheint mir die Auseinandersetzung mit den tieferen, ideellen Grundlagen des gegenwärtigen, in allen Erscheinungen zwiespältigen, aber möglicherweise gerade deshalb auch umso lebendigeren und großartigeren Geschehens vergebens - oder bleibt auf eine fruchtlose, zum Teil auch auf eine leblose (eben nicht Anschauung und Tätigkeit belebende) Oppositionshaltung beschränkt. Sie bleibt dann das Gegenteil dessen, was Goethe für jede Art von Erkenntnissuche richtungsweisend bemerkt hat: fruchtbar ist nur das, was mich belebt und meine eigene Tätigkeit fördert.
Die Voraussetzung für Belebung der Erkenntnis ist ihre Freiheit. Freiheit gibt es, wie Parzival lehrt, aber nur dort, wo im weitesten Sinn die Erlösungsfrage liebend an den Leidenden gestellt wird: Oheim, was fehlt Dir? Überall, wo dies nicht geschieht, ist die Notwendigkeit von gesetzlichen (im Menschen: schicksalshaften) Zusammenhängen wirksam. Die Erlösungsfrage besteht für eine zeitgemäße Geisteswissenschaft in der Wahrnehmung und Ausweisung - und dadurch Ausweitung - des Ideellen in der Wirklichkeit: durch all seine Verschüttungen und Verunreinigungen hindurch.
Bei Parzival herrscht, wie wir wissen, eine große Innigkeit des Selbst, aber auch eine vielleicht noch größere, übermenschliche Dimension der Distanz: das eherne Gesetz der Notwendigkeit, des Lebensprozesses. In Parzival gibt es eigentlich keine Freiheit, sondern das Herrschen des ehernen Lebensgesetzes, der Notwendigkeit. Frei ist Parzival eigentlich nur in einem einzigen Augenblick: in dem Augenblick, in dem er sich entscheiden muß, die Mitleidsfrage an den anderen zu stellen oder nicht. Die Mitleidsfrage zu stellen: nur in diesem Motiv ist Parzival frei. Nur in ihm liegt seine eigentliche Würde und edle Willensgröße (das Zutagetreten seiner moralische Intuition, in der die höhere, eigentliche Individualität als reale Wirklichkeit im Lebensprozeß anwesend wird). Überall sonst gibt es keine Freiheit, sondern überwiegt bei weitem die Notwendigkeit, das Herabdämpfende und Herabgedämpfte des Lebensprozesses, dessen Teil das Selbst ist und in dem das Ich bis zu einem hohen Grad bis in sein Inneres hinein aufgehen muß. Das Eherne aber wird silbern durch das Einstimmen, und golden durch das innige gefühlshafte Sein darin. 9)
Bei alledem nun geht es darum, zu fragen: Was ist Dein positiver geistiger Kern, aus dem Du geheilt wirst, wenn Du ihn aus Dir selbst vollgültig entfaltest? Dann kann im besten, im hohen Glücksfall ein Aufatmen durch die Reihen der Getriebenen, der Unterworfenen (der Subjekte in der heute gängigen Interpretation dieses Begriffs) gehen, ein sich selbst zur Ruhe finden: eine Rückkehr ins Ich, aber ohne künstliche Ablösung von der Welt, sondern eine Rückkehr ins Ich gerade innerhalb seiner Verstrickung in den konkreten, kontaminierten Lebensprozeß der Welt. In diesem Sinn kann ein gelungene Deutung von Zeitphänomenen, die eine neue ideelle Perspektive eröffnet, Kraft zum Selbst, zur Rückkehr ins Ich in den Zusammenhängen der Gegenwart geben, eine neue Würde auch, wenn man im Sinnlosen ein Wertvolles entdeckt, das einen neuen Ausgangspunkt eröffnet.
Das ist zwar nicht das Einzige, aber doch das Wesentliche, um was es meines Erachtens einer zeitgemäßen Erkenntnishaltung im Hinblick auf die Betrachtung von Zeitphänomenen substantiell gehen muß. Alles andere scheint mir vergleichsweise sinnlos. Die eigentliche Schuld der Geisteswissenschaft heute scheint mir in der Tat wie bei Parzival nicht in erstem Maß die Begehensschuld (Tatsünde), sondern die Versäumnisschuld (Unterlassungssünde) zu sein. Unterlassen es die Geisteswissenschaften weiterhin wie bisher weitgehend, gerade die "verunreinigten" Zeit-Phänomene nach ihrem geheimen, inneren ideellen Leben zu befragen, dann überlassen sie diese Phänomene sich selbst und dem Wirken jener nichtmenschlichen Kräfte, die sie bereits sichtlich umfangen und, sie zusehends formend, in bestimmte Richtungen drängen.
Ein solches geisteswissenschaftliches Erkenntnisbemühen von Zeitphänomenen heißt freilich nicht,
- daß künstlich ein Ideelles gesucht werden soll dort, wo es nicht ist. Das Ideelle darf nicht "verheizt" werden. Es darf nicht zum sekundären Faktor von Erkenntnisinteressen werden, die sich seiner bedienen, um ihre eigenen Süppchen in den Zeitphänomenen zu kochen. Darin liegt eine Hauptschwierigkeit jeder ernsthaft auf die lebendige Ambivalenz der gegenwärtigen Kulturmanifestationen gerichteten idealistischen Erkenntnisbemühung. Ein solches Erkenntnisbemühen heißt auch nicht,
- daß es (etwa aufgrund der "guten" Intention) bereits gelingt. Wer - mit den oben genannten Parzivalschen Kriterien gesprochen um Anschauung ringt, kann in der Auseinandersetzung untergehen. Er gibt vielleicht mit seiner Bemühung einen indirekten sozialen Beitrag und scheitert in erhabener Weise damit. Oder aber er wird überwältigt im trotzigen Wagemut, oft auch abgeschnitten von seinen Freunden, die gemeinsam gegen einen gewiß starken Gegner stehen, im aktualen Augenblick der Entscheidung schicksalsbedingt an je verschiedenen Stellen der Auseinandersetzung kämpfen, zum Teil ebenfalls untergehen, demütig, erhaben oder zornig: einer wie ein Turm in der Schlacht stehend, dessen genaues Schicksal man nicht kennt, weil man vor ihm unterging, man hatte auf ihn in seinen letzten Augenblicken vielleicht auch gewartet, aber er kam aus verschiedenen Gründen nicht; ein anderer aber im rechtzeitigen, weisen Rückzug und im dadurch ermöglichten langen, ruhigen Sinnieren eines zurückgezogenen Lebens der Genossen gedenkend. 10)
Ein so verstandenes Erkenntnisbemühen heißt auch nicht,
- daß einfach bestehende Ergebnisse der Geisteswissenschaften an die Phänomene appliziert werden, bis die Interpretation stimmt. Es geht stattdessen immer mehr um den individuellen Mut zur Geisteswissenschaft 11) und das heißt: um den Mut zum Eigenen der geisteswissenschaftlichen Deutung von Phänomenen, und zur freien Verantwortung dieses Eigenen mit allen Konsequenzen.
Ein solches Erkenntnisbemühen heißt in diesem Sinn,
- daß das Individuelle der auf die Zeitphänomene gerichteten Erkenntnisbemühung so ehrlich, konsequent und offen dargelegt wird, daß es sich aufgrund dieser Offenheit und Transparenz von etwas zuinnerst Persönlichem zu etwas Objektivem (zu einem Allgemeinmenschlichem oder individuellem Allgemeinen) verwandelt 12);
- daß es die zeitgemäße kognitive und persönliche Entwicklungs-Grundbewegung der Biographie eines in solcher Absicht Forschenden künftig sein wird, zunächst zu einer praktisch-erlebenden Wahrnehmung der Idee im Phänomen und zur individuellen Durchdringung der Gesamtheit der gegenseitigen Verbindung von Idee und Phänomen zum konkreten, plastischen und in sich selbst widersprüchlich-lebendigen Lebensprozeß vorzudringen; und erst daraus dann in einem zweiten Schritt und im Lauf der Zeit eine Theorie der Kulturwissenschaft als praktischer Phänomenologie daraus zu entwickeln. Das umgekehrte Verfahren, das heute in der Selbsterziehung des dominierenden nominalistischen Denkens immer noch biographisch üblich ist: die Entwicklung von Theorien am Beginn des Denkens und der individuellen wissenschaftlichen Biographie, die sich zur immer praktischer werdenden "Umsetzung" dann in fortgeschrittenem Alter steigern sollen, wird in den kommenden Jahrzehnten aufgrund der gesellschaftlichen, kulturellen und zivilisatorischen Entwicklung unweigerlich verfallen müssen.
Diese beiden Aspekte zusammengenommen erstens die methodische Steigerung des Individuellen zu einem individuellen Allgemeinen in der Methode synthetisierender Imagination und zweitens die damit verbundene Veränderung der wissenschaftlichen Biographien der Gegenwart - wäre dann bei ausreichender Vereinigung in einer Forschungshaltung jener substantielle Selbsterneuerungsimpuls, der schon längst von den geistig interessierten Kreisen der Gesellschaft in durchaus verschiedenen Zusammenhängen erwartet wird. Denn nicht nur die "freien" Geisteswissenschaftler, sondern auch die jüngeren Lehrenden an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten wollen instinktiv nicht mehr einseitig nominalistische Konstruktionsgebäude und kommunkativ-semiotische Funktionsmechanismen untersuchen. Sondern sie wollen eben im Sinn einer imaginativen, seelisch erlebenden Anschauungsbildung die Idee in der Wirklichkeit wahrnehmen. Darin besteht meines Erachtens künftig auch der grundsätzlich konsensfähige, substantielle Sinn des Ausdrucks "Kulturwissenschaften jenseits seiner einseitig "substantialistischen" oder einseitig "diskursivistischen - und eben darin bereits nicht mehr progressiven, sondern atavistischen - Selbstbegründungen (auch wenn diese als Legitimationen noch eine gute Zeit lang tauglich bleiben mögen).
VII
Zur Darstellungsart des Ambivalenten
Wie kann nun diesen hiermit in wenigen Strichen skizzierten Anforderungen an eine zeitgemäße, ambivalenzfähige und doch substantialistisch ausgerichtete Geisteswissenschaft in der konkreten kulturwissenschaftlichen Darstellungsart entsprochen werden? Dazu abschließend nur ganz kurz:
Der heutige "postmoderne" Mensch braucht nicht mehr so viele Aspekte, Inhalte und Elemente, um in eine Sache ganz einzudringen weil er in seiner seelisch-geistigen Grundstimmung ebenso wie in seiner ganzen Grundverfaßtheit einerseits in einem sich in die Umwelt vollbewußt ausgießenden und andererseits zugleich in ihr selbstbewußt nachsinnenden Bewußtsein lebt. Er erfaßt das Wesentliche mit dem (in sich selbst gründenden und auf sich selbst rückbezüglichen) "Instinkt der voll in die umgebende geistige, seelische und physische Außenwelt ausgegossenen Seelenstimmung bereits dann schnell, präzise und genau, wenn er wenige und kurze, jedoch in sich künstlerisch-offene, plastizierbare Elemente erhält, die unmittelbar mit dem erlebbaren Begriff des Phänomens verbunden sind Elemente gemäß einer künstlerischen Charakterisierungs- und Erfahrungsart also, nicht im Rahmen eines traditionellen Herumtheoretisierens.
Die Kunst einer kongenialen, angemessenen Darstellung der produktiv ambivalenten Wirklichkeit des sich in den Zeit-Phänomenen abarbeitenden und realisierenden Ideellen wäre es demnach, daß das Ganze zwar umfassend konturiert wird, aber immer so weit offen bleibt, daß es anregt. Das wäre meines Erachtens ein Schreiben und Darstellen, das der heutigen Auffassungs- und Bewußtseinsart mit ihrem Fokus auf Freiheit zur Imagination und individuellem Vollzug angemessen ist. 13)
VIII
Zusammenfassung: Die drei erkenntnisleitenden Hauptgesichtspunkte
Die Prinzipien und erkenntnisleitenden Gesichtspunkte eines substantiell und zugleich pluralistisch orientierten neo-idealistischen geisteswissenschaftlichen Denkens der kulturellen Symptomatologie unserer "postmodernen Gegenwart scheinen mir also zusammenfassend zu sein:
1. Anerkennung der fundamentalen Ambivalenz aller Zeitphänomene als ihre potentielle Produktivität. Denn diese Ambivalenz verweist in ihren tieferen Schichten auch bei offenbar negativer Symptomatologie auf das sich in ihrem Innern im eigentlichen Wortsinn "entwickelnde Leben eines Ideellen. Dieses erscheint hier aber nicht "rein, sondern nimmt in Raum und Zeit bestimmte Färbungen und Formen an, die fast immer "kontaminiert" sind. Die prüfende Wahrnehmung und Ertragung des in vielfacher Weise nur kontaminiert und "unrein, das heißt zwiespältig, widersprüchlich, oft gar nur als latentes inneres Potential in der Wirklichkeit anwesenden und sich vollziehenden Ideellen ist die wesentliche Aufgabe jeder angewandten Kulturphilosophie heute. Jede Erkenntnishaltung, die das nicht vermag - die also nicht ertragend durch die Erscheinung zum potentiellen Wesen einer Sache vorzudringen imstande ist, welches ihr in der nominalistische Kultur als über sich unaufgeklärtes Willens- und Seinselement zugrundliegt - kann sich meiner Meinung nach nicht angemessen zur Gegenwartskultur in Beziehung setzen und droht im Stillstand ihrer selbst zu verkümmern.
2. Bildung des Maßstabs am Phänomen. Geisteswissenschaft kann sich meines Erachtens nur in einer Art Anbildung ihres Maßstabs an das Phänomen ohne Selbstverlust dem Geschehen der Zeit annähern - und für es als angewandte Kulturphilosophie in aktueller Weise substantiell fruchtbar werden. Sie ist selbst nicht der bereits fertige Maßstab, der als solcher allen Phänomenen nur noch auf "Abweichungen" prüfend gegenübergestellt werden kann.
3. Selbstverständnis von Geisteswissenschaft als Erlösungsfrage an das Phänomen. Geisteswissenschaft fragt im Sinne des Parzival-Motivs nach dem Menschlichen, dem Ideellen im Phänomen und versucht es durch Befragung für sich selbst freizusetzen.
Wenn man diese drei verschiedenen, jedoch miteinander verwandten Aspekte zusammennimmt, hat man meines Erachtens so etwas wie die ontologische Typologie einer zeitgemäßen Erkenntnishaltung als realpräsente Wirklichkeit im konkreten Augenblick man könnte auch sagen: als kulturkritische Geistesgegenwart in der Kultur. 14)
IX
Fazit
Gibt es eine Wirklichkeit des Ideellen in der konkreten, ambivalenten Wirklichkeit? Diese Frage erachte ich als entscheidend für die Zukunft der Geisteswissenschaften insgesamt und für die Zukunft der Kulturphilosophie als praktischer Wissenschaft mit eigener Kernkompetenz im besonderen. 15)
Die zu dieser Frage hier skizzenhaft vorgebrachten Denkansätze sind zweifellos in mancherlei Hinsicht häretische Ideen, wenn man sie am herrschenden diskursiven Paradigma der Wissenschaften mißt (dem aber auch andere nicht mehr bedingungslos folgen, obwohl sie, wie auch ich es vollständig tue, dessen Entwicklungswert für die Zeit anerkennen). Ist damit etwa gar einem "postmodernen Neo-Platonismus oder Neo-Idealismus das Wort geredet? Warum nicht? Wenn er einer neuen Produktivität und Zeitverbundenheit der Geisteswissenschaften dient und außerdem empirisch verfährt, was sollte schlecht an ihm sein?
Es schält sich mir immer stärker heraus, daß gegenüber "freien" Geisteswissenschaftlern, die Geisteswissenschaft als Lebenshaltung eines substantiell Ideellen praktizieren, das Ambivalente in seiner ideellen Produktivität zu verteidigen ist, welche sie oft allzuschnell in der unvermeidlichen Konfrontation mit dem "Wesentlichen als negativ abzutun tendieren. Und es schält sich mir umgekehrt ebenso immer stärker heraus, daß gegenüber "institutionalisierten" Geisteswissenschaftlern, die Geisteswissenschaft tendenziell als Instrument der Aufdeckung von Bedeutungsstrukturen und nominalen Kommunikations-zusammenhängen ohne ideelles Zentrum gebrauchen, ein substantiell-wesenhaftes Ideelles in diesen Zusammenhängen zur Geltung gebracht werden muß, das nicht einfach in einer unentscheidbaren Pluralität von Aspekten offengelassen werden kann, ohne den menschlich- lebenspraktischen Wert des eigenen Urteilsbemühens fundamental zu unterminieren.
In dem hiermit aufgewiesenen Spannungsfeld zeitgenössischer geisteswissen-schaftlicher Arbeit zwischen substantialistischen und nominalistischen Sichtweisen ist grundsätzlich jede Polemik ein Kraftimpuls, den es für eine Bewegung nach vorne zu nutzen gilt. Dabei muß berücksichtigt werden, daß das Licht, das von ernsthafter geisteswissenschaftlicher Betätigung und Selbststeigerung ausstrahlt, auch Finsternis und Fehldeutungen anzieht. Kein Autor ist davor gefeit. Andererseits ist das Schaffen keines Autors von Bedeutung für die Welt, bevor es nicht auch Widerstand, Diskussion und sogar Gegnerschaft hervorruft. Es geht meines Erachtens heute und in Zukunft nicht mehr darum, ein in den einschlägigen Kreisen akzeptierter "geisteswissenschaftlicher Schriftsteller zu sein oder vorrangig für Geisteswissenschaftler zu schreiben. Sondern es geht um den Versuch, mit Hilfe der Geisteswissenschaft Zeitphänomene für alle Interessierten vertieft und vor allem: ihrem potentiell vielgestaltigen Wesen nach wahrzunehmen - und daraus heraus dann so darzustellen, daß in ihnen ein Ideelles, menschliche Substantielles zur Sichtbarkeit und zum Selbstbewußtsein seiner konkreten Geschichtetheit und Wirksamkeit kommt, auf daß es sich dann in seiner wirklichen Realisationsform selbst frei bestimmen kann.
Das zeitgemäße Anliegen ist daher meines Erachtens nicht primär: Zeitphänomene für Geisteswissenschaftler aufzuschlüsseln, sondern das Anliegen ist: Zeitphänomene unter anderem mit den substantiellen Mitteln der Geisteswissenschaft für alle aufzuschlüssen. Das Anliegen ist also keine Bewegung nach innen in irgendein soziales oder weltanschauliches Zentrum, wo alle Dinge und Sachverhalte plötzlich aus demselben Licht sind und etwas schon Vorgewußtes und Bekanntes nur je auf ihre besondere Weise wiederspiegeln, sondern es ist eine substantielle Bewegung nach außen in die Offenheit des Ganzen, des Lebensprozesses selbst. In allem anderen sehe ich keinen Sinn, denn anderes wäre meines Erachtens dem inneren Wollen und der Entwicklungsnotwendigkeit der Zeit unangemessen.
Zusammenfassend kann ich sagen, daß eine zeitgemäße Erkenntnishaltung für mich in einer empirisch-praktischen Auseinandersetzung mit der Phänomenologie der Ambivalenzen besteht. Jedwede an diesem meinem Verständnis aufgeworfenen Kritikpunkte sind, soweit sachlich, für mich weiterführend und begrüßenswert. Ich bin der Meinung, daß die am konkreten Fall meines Beitrages zur Rave-Kultur begonnene Grundsatzdiskussion in Hinkunft noch viel intensiver als bisher an den realen Problemen der Zeit und ihrer charakteristischen Doppelgesichtigkeit geführt werden muß. Dann entsteht Zugang zu den Phänomenen, zum Puls der Zeit, und zwar aktiv, in einer ursprünglichen - und daher allerdings auch riskanten - Lebensbewegung. Brechen die Geisteswissenschaften, bisher eine Art Niemandsrose 16), in den kommenden Jahren in offenes Gelände auf? Das ist - in ihrem eigenen Interesse - zu hoffen. Das erhabene "Modernisierungsdrama" der Erkenntnis der Wissenschaften muß auch in den Geisteswissenschaften ernsthafter als bisher als Drama der Selbsterkenntnis ausgetragen werden und nicht weiter mit dem einseitigen Hinweis auf die scheinbar alle Kräfte aufbrauchende Pflege des Bestehenden - die natürlich ihren eigenen Wert weiterhin uneingeschränkt bewahrt - verdrängt werden.
Anmerkungen
1) R. Benedikter, Rave-Kultur. Auf der Suche nach dem inneren Ausnahmezustand, in: Info3 12/2000, Frankfurt/M 2000, S. 21-28; ders., Der Fall Microsoft. Wirtschaftsleben zwischen Individualität und Sozialität, in: Die Drei 9/2000, Stuttgart 2000, S. 7-23; ders., Die Aufmerksamkeitsökonomie. Perspektiven einer neuen Wirtschaftsform, in: ders., Zeitgeist-Symptome, Frankfurt/M 2000, S. 77-110.
2) Eine zum vorliegenden Aufsatz komplementäre Darstellung zentraler Themen der folgenden Argumentation erschien unter dem Titel Angst vor der Ambivalenz der Gegenwart? Stellungnahme zur Diskussion um meinen Rave-Beitrag in: Info3, Heft 3/2001, Frankfurt/M 2001, S. 15-19.
3) Vgl. Z. Bauman, Moderne und Ambivalenz, Hamburg 1990.
4) Vgl. u.a. B. Magnus, Postmodern, in: R. Audi (ed.), The Cambridge Dictionary of Philosophy, Cambridge 1999, pp. 725-726. In der Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Denkentwürfen gilt es im übrigen gerade in diesem Zusammenhang stets zu berücksichtigen, daß viele nominalistisch-diskursive Entwürfe zwar auf der Wahrheitsskala den Wert 0 haben mögen; aber gleichzeitig auf der Entwicklungsskala je nach Lebensalter und Situation eine durchaus hohe - im Vollzugswert bestehende - Sinnhaftigkeit haben können.
5) Die Problematik des Begriffs "humanistisch und der in ihm lebenden historischen Bestrebungen, die gegenwärtig zu Recht einer weitgehenden Destruktion anheimfallen (man vergleiche etwa die Sloterdijk-Debatte) kann hier nicht nähere auseinandergesetzt werden. Vgl. aber dazu L. Ravagli, Der Mensch jenseits des Humanismus, in: Die Drei, Nr. 11/1999, S. 21-32.
6) Es könnte, dies sei hier nur am Rande erwähnt, ja sogar so sein, dass sich die ontologische Struktur der Ideen, und entsprechend auch ihre Wahrnehmung, in der gegenwärtigen "Postmoderne" ändert. Dieses Problem kann hier nicht eingehend behandelt werden, ist aber ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der hiermit angeschlagenen Diskussion. Ich danke Max Lorenzen (Marburger Forum Beiträge zur geistigen Situation der Gegenwart) für diese Anregung.
7) V. Hugo, Die Elenden, II,1,XVI ff.
8) GA 28, 10. Vgl. dazu auch GA 206, 14.08.1921 und GA 212, 07.05.1922.
9) Parzival ist in gewisser Weise seiner ganzen Art nach - in Ausdruck, Symbolik und Ton - ein Buch für den noch jungen oder bereits alten Menschen, der noch oder wieder rein empfindet und denkt; Faust dagegen ein Buch für die Art der Weltbindung des inneren Lebens des Menschen der Lebensmitte. Beide Urformen des modernen Erkenntnislebens müssen heute ineinanderwirken: die eine als die Würde eines einfachen, klaren Idealismus, und die andere als Realismus dessen, was ist; beide als sich in der ontologisch-unmittelbaren Lebenspraxis vereinigende Haltungen, die als eine individuell unteilbare Einheit der seelisch-geistigen Lebenspraxis ineinanderwirkend das Streben zu hohen Zielen ermöglichen.
10) Man verzeihe die etwas militärische Terminologie. Sie ist nicht mehr als eine Art persönliche Erinnerung an vergangene Geisteskämpfe und kann vom geschätzten Leser für den konkreten Zusammenhang, in den sie hier eingebettet ist, durchaus metaphorisch gelesen werden.
11) So der Titel einer richtungsweisenden Lehrveranstaltung von Herbert Salzmann an der Universität Innsbruck im Sommersemester 2001.
12) Ein gutes Beispiel dafür unter vielen aus dem Bereich der Gegenwartskunst ist in meinen Augen das Verfahren von Yoko Ono auf ihren CD´s Season of Glass und Walking on thin ice.
13) Daher mag hier im übrigen auch diese vergleichsweise kurze Darstellung ausreichen und trotz der tiefen, außerordentlich zukunftsweisenden und in viele angrenzende Gebiete ausstrahlenden Thematik verantwortbar sein.
14) Eine erste konkrete Umsetzung und Anwendung der hier nur skizzenhaft umrissenen Anforderungen an eine zeitgemäße Erkenntnishaltung habe ich in meinem Buch Das Geheimnis des Pulsschlags. Philosophie der Rave-Kultur (im Druck) versucht.
15) Das ist meine zentrale Forschungsfrage, die der geschätzte Leser z.B. auch als roten Faden in den Bänden meiner Reihe "Postmaterialismus (Passagen Verlag Wien 2001f.) wiederfinden wird.
16) Paul Celan, Die Niemandsrose, in: Werke, Band 1, Frankfurt/M 1983.