| Völkische Gegner: Seiling und Rohm Quelle: Karl Heyer, Wie man gegen Rudolf Steiner kämpft, Stuttgart 1932 Eine hervorragende Rolle spielt in der Gegnerschaft Max Seiling. Er war längere Zeit Mitglied der Theosophischen bzw. Anthroposophischen Gesellschaft, wurde dann Gegner und schrieb eine Schrift gegen Rudolf Steiner. Nun ist Seiling allerdings 1928 verstorben, und man würde deshalb lieber nicht sich noch weiter mit ihm befassen. Dennoch können wir nicht davon absehen, da ohne ihn ein überaus großer Teil der Gegnerschaft unverständlich bleiben müßte. Immer wieder bis in allerneueste Zeit haben spätere Gegner Rudolf Steiners der ja gleichfalls verstorben ist aus Seilings Schrift geschöpft, und so wirkt er als einer der wichtigsten Gegner fort. Die Öffentlichkeit hat daher ein Recht darauf, über Seiling das Nötige zu erfahren, damit er erkannt werden könne als der, der er war. (Vgl. auch schon Ernst Uehli , Der Fall Seiling in Dreigl. I 14 vom Oktober 1919; s. ferner auch Anthr. IV 22, S. 5.) Seilings Bekenntnisse 1) 1) In diesem Abschnitt sind Vorarbeiten von Dr. Eugen Kolisko über Seiling benutzt. Im Jahre 1898 schildert Seiling in der Vorbemerkung zu seiner Schrift Meine Erfahrungen auf dem Gebiete des Spiritismus seinen bisherigen Entwicklungsgang: Von Hause aus Maschinentechniker, Lehrer an technischen Hochschulen, nebenbei Beschäftigung mit Philosophie. Noch kurz bevor er dem Spiritismus nähertrat, habe er in einem Aufsatz in der Zeitschrift Die Gesellschaft 1893 zu verstehen gegeben, daß er "allen übersinnlichen Lehren und Vorstellungen nicht gerade wohlwollend gegenüberstehe. (In diesem Aufsatz, erschienen in der Mainummer der genannten Zeitschrift, S. 555-570, fordert Seiling z. B. (S. 565) "die vollständige 51 Ausscheidung des religiösen Unterrichtes aus der Schule.) "Ich erwähne diese Dinge", fährt er 1898 fort, "um den Leser wissen zu lassen, daß ich keineswegs disponiert war, hinter einem Klopflaut den Geist eines Verstorbenen zu wittern, und daß ich andererseits in Folge meiner jetzigen Überzeugung das immerhin nicht ganz leicht fallende Bekenntnis machen muß, daß meine frühere Auffassung der Natur teils Irrig, teils unzulänglich war. Im Jahre 1910 schrieb Seiling in seiner kleinen Schrift Theosophie und Christentum (4, 5, 6): "Was ich in früheren Jahren über Frau Blavatsky und die von ihr vertretenen Lehren erfahren habe, hat mich nicht veranlassen können, der theosophischen Bewegung näher zu treten. Ich wurde erst stutzig, als die Leitung dieser Bewegung in Deutschland von Dr . Rudolf Steiner in die Hand genommen worden war. Zwei Werke besonders legen, schreibt Seiling, "von der Geistesschärfe und dem ungewöhnlichen Wissen Steiners ein glänzendes Zeugnis ab: die Philosophie der Freiheit, in der "eine besten Sinne moderne, der Individualität gerecht werdende Weltanschauung mit seltener Gründlichkeit entworfen werde, und die "Welt- und Lebensanschauungen im 19. Jahrhundert. "Ohne seine scharf ausgeprägte eigene Weltanschauung zu verleugnen, hat Steiner hier in die Gedanken anderer sich so einzuleben verstanden, daß man seinen gegnerischen Standpunkt oft gar nicht bemerkt. Besonders hat er dem materialistischen Bekenntnis soviel Gerechtigkeit widerfahren lassen, als man nur immer verlangen kann. Ein Forscher, der bei seinen Betrachtungen und Untersuchungen nicht die geringste Sympathie oder Antipathie verrät, der also einen streng objektiven Standpunkt einnimmt, schien mir in hohem Maße vertrauenswürdig ... Nachdem also ein Rudolf Steiner begonnen hatte, die Theosophie zu verkünden, fühlte ich mich verpflichtet, genauer hinzuhorchen. Seiling war Theosoph geworden. Er verteidigte Rudolf Steiner und schrieb z. B. in den "Psychischen Studien 1913, S. 423 von einer bestimmten Lehre Steiners es erfülle ihn "diese grandiose Lehre mit der höchsten Bewunderung für die durch sie zum Ausdruck kommende Weisheit der Weltenordnung. 1915 in seiner Schrift "Wer war Christus? (5. 4) bezeichnet er Rudolf Steiners Lehre als eine "über aller wissenschaftlichen Kritik erhabene Antwort auf die Frage nach Christus. Im Jahre 1918 schrieb Seiling, Gegner geworden, in seiner Schrift "Die anthroposophische Bewegung und ihr Prophet (S. 7): "Hier habe ich zu bekennen, daß ich, angezogen von der theosophischen Lehre, 8 Jahre lang Mitglied der Theosophischen bzw. Anthroposophischen Gesellschaft war und, unter der suggestiven Macht Steiners stehend meine Christus-Schrift (die soeben erwähnte Schrift "Wer war Christus?) "verfaßt habe, daß aber mein allmählich wieder erwachendes kritisches Verhalten mich schließlich 52 zur gänzlichen Lossagung vom neuen Propheten und seiner Gemeinde geführt hat. Und in der gleichen Schrift erklärt Seiling im Nachwort (S. 48 f): "Welche Fülle von Segen dem in die katholische Kirche Übertretenden zuteil wird, kann man namentlich aus den Bekenntnissen der zahlreichen Konvertiten ersehen . ... Wenn außerhalb der Kirche das richtige Verständnis für deren Wesen und Einrichtungen bestände, könnte es überhaupt andersgläubige Christen gar nicht geben. So kam endlich auch Seiling durch verschiedene katholische Bücher "immer mehr zu der Überzeugung, daß das wahre Heil einzig in der katholischen Kirche zu finden ist. "So gewährt es mir denn eine große Befriedigung, diese unerquickliche Schrift mit einem positiven Hinweis abschließen und bei dieser Gelegenheit meine Rückkehr zum Katholizismus öffentlich bekennen zu können. Vier Bekenntnisse hat also Seiling im Laufe seines Lebens abgelegt: 1898 bekennt er seinen früheren Materialismus als irrig und ist Spiritist geworden. 1910 erklärt er, daß er aus Vertrauen zu Rudolf Steiner zur theosophischen Bewegung gefunden hat. 1918 "bekennt" er, 8 Jahre unter suggestivem Einfluß gestanden zu haben, und erklärt endlich viertens seine Rückkehr zum Katholizismus! 1910 nennt er Rudolf Steiner "in hohem Grade vertrauenswürdig". 1918 schreibt er eine Schrift, um zu beweisen, daß Steiner kein Vertrauen verdiene. Und er entschuldigt sich für diesen Umschwung damit, daß er 8 Jahre lang unter der suggestiven Macht Dr. Steiners gestanden habe. Und unter diesem Einfluß will er gar ganze Bücher bzw. Schriften verfaßt haben! Welches Vertrauen verdient wohl ein Mann, der solches von sich selbst erklärt? Seiling gesteht damit doch nur ein, daß er ein vollständig kritikloser Anhänger Steiners gewesen ist, und zwar durch 8 Jahre hindurch! Und dieser selbe Mann, dieser nacheinander Materialist, Spiritist, Theosoph, Katholik bringt es fertig, in der 2. Auflage seiner Schmähschrift (5. 51) mit Bezug auf Rudolf Steiner die Verse von Grillparzer zu zitieren: Wen immerdar man anders schaut, Der macht mir bange; Nur ein Tier wechselt seine Haut: Das ist die Schlange. Noch ein weiteres kleines Beispiel für Seilings Häutungskünste: 1915 setzt er sich, wie auch sonst oft in seinen Schriften für die Lehre von der Wiederverkörperung ein ("Wer war Christus? S. 22). Auch 1917 in den "Psychischen Studien" (S. 82) scheint er ihr noch anzuhängen. 1918 schreibt er dagegen in seiner Schmähschrift (47/8): "Während ferner der Katholik dieses eine Erdenleben so gestalten kann, daß er nach dem Tode 53 in die ewige Seligkeit eingeht, kann der mit seinem Karma beladene Anthroposoph diesen Zustand erst nach vielen qualvollen Wiederverkörperungen erreichen." Das hindert Seiling aber nicht, ins selben Jahr 1918 in der 3., verbesserten Auflage seiner Schrift "Die Kardinalfrage der Menschheit", in der er S. 45 seine Schmähschrift von 1918 zitiert, also nach deren Erscheinen, auf S. 43 zu schreiben: "Noch zwingender als Baumann zeigt Rudolf Steiner in seinem Schriftchen »Reinkarnation und Karma« (Berlin 1909), daß diese Vorstellungen vom Standpunkte der modernen Naturwissenschaft notwendig sind! Seiling als Anhänger Rudolf Steiners 1) 1) Dieser Abschnitt beruht auf Darstellungen von Zeugen, insbesondere von seinem Neffen, Herrn Max GümbeI-Seiling und von Herrn Maler A. Rieper München. Aus dem vorliegenden, sehr viel größeren Material können hier wegen Raummangels leider nur einige charakteristische Tatsachen entnommen werden. Um 1907 war Seiling noch ausgesprochener Gegner Dr. Steiners. Er sprach von diesem immer nur mit dem verächtlichen Ausdruck dieser Mensch", und in gehässigster Weise. Dennoch hörte er Rudolf Steiners Vorträge in München und machte sich vor und nach diesen an ihn mit Fragen und längeren Gesprächen heran. Zu einer Dame sagte er damals: "Ich würde ja nicht hereingehen" (in Dr. Steiners Vorträge), wenn ich ihn nicht brauchte". Etwa 1908 wurde er Mitglied der damaligen Theosophischen Gesellschaft. Er stürzte sich mit fieberhafter Begeisterung in die Theosophie, verwandelte sich nun in einen glühenden Verehrer der Person Rudolf Steiners und fing an, ihn in der widerwärtigsten Weise zu verhimmeln und sich ihm aufzudrängen. "Ich habe ihm die Hand geküßt", berichtete er seinem Neffen nach einem Besuche bei Dr. Steiner. Seiling selbst wurde Gegenstand schwärmerischer Verehrung von seiten einiger Damen und empfand es mit Genugtuung, wenn diese nach seinen Vorträgen, die er besonders über Richard Wagner hielt (den er sehr vergötterte), ihm, Seiling, die Hände küßten; einmal kniete sogar im Überschwang der Begeisterung eine Dame vor ihm nieder! (Dieser selbe Seiling war es, der später in seiner Schmähschrift (2. Aufl. S. 25) Steiner vorwarf, er "lasse" sich die Hände küssen! "Ist es nicht, als ob die Wahrheit selber spreche" sagte er von Rudolf Steiner nach einem Vortrag von diesem zu seinem Neffen. Und drängend zu Dr. Steiner: "Ich hoffe, daß mein Neffe ein guter Theosoph wird". Steiner erwidert ihm ruhig: "Lassen Sie ihm Zeit". Aber das konnte er nicht verstehen! Zum Neffen: "Was soll das heißen! man soll dir Zeit lassen?! Es ist doch keine Zeit zu verlieren!" 54 Ja, es kam sogar vor, daß wenn Dr. Steiner irgendwo Kaffee oder Tee getrunken und kaum den Rücken gewandt hatte, Seiling sich gierig auf die Tasse Dr. Steiners stürzte und den Satz heruntertrank! Ungestüm drängte er zu den intimeren Veranstaltungen in der Theosophischen Gesellschaft, und als ihm irrigerweise berichtet worden war, sein Neffe sei vor ihm zu diesem engeren Kreis zugelassen worden, rief er empört: "Was, vor mir!?" Maßlose Eitelkeit und persönliches Geltungsbedürfnis waren neben einem gewissen kriecherischen Wesen (wenn er nämlich auf seine Art "verehrte") überhaupt besonders hervorstechende Züge in Seilings Charakter. Er hielt sich für einen guten Sänger und für einen hochbegabten Schauspieler. "Ich fühle mich auch heute noch imstande, den Romeo zu spielen", pflegte er noch als Sechziger zu sagen. Freilich wurde seine Eitelkeit das muß man ihm zugute halten systematisch gezüchtet durch Cliquen in München, die ihn in ungesunder Weise verehrten. Eine führende Persönlichkeit der Anthroposophischen Gesellschaft verdarb es gründlich mit ihm, da sie ihn einmal einfach "Herr Seiling" anredete, statt "Herr Hofrat". Auf diesen seinen Titel tat er sich viel zugute. Und einen nicht geringen Teil seines Erfolges bei Urteilslosen dürfte er gerade diesem Titel verdanken, der z. B. dem Gegner Dr. Hans Leisegang imponiert hat (vgl. Werb. II 30, 158). Aber nebenbei! wie steht es mit diesem Titel? Seiling war etwa 17 Jahre Lehrer ans Polytechnischen Institut (der späteren Technischen Hochschule) in Helsingfors, in dem damals bekanntlich mit Rußland verbundenen Finnland. Er verließ das Institut 1897 als sogenannter "älterer Lehrer". 1896 war ihm der Hofratstitel verliehen worden. Als K. r. Hofrath (Kaiserlich russischer Hofrat) bezeichnet er sich selbst auf dem Titelblatt seiner Schrift "Meine Erfahrungen auf dem Gebiete des Spiritismus" (1898). Soweit ist an sich formell alles in Ordnung. Nur kann man leider (für Seiling!) wissen, daß dieser Titel in Rußland eine sehr geringe Bedeutung hatte; er war so alltäglich auch Subalternbeamte erhielten ihn , daß, wie mir ein Kenner der Verhältnisse schreibt, in Rußland kaum jemand von diesem Titel Gebrauch machte; man hätte ihn ausgelacht. Erst bei Reisen ins Ausland, z. B. in Deutschland, wo der Hofratstitel höher im Kurs stand, begannen seine Träger sich an ihn zu erinnern! (Eine Bestätigung für die Bedeutungslosigkeit des Titels in Rußland findet man übrigens in Gogols "Revisor", einer Komödie die in einem kleinen russischen Kreisstädtchen in ländlicher Atmosphäre spielt und in der gleich zwei "Hofräte" auftreten, zwei Lokalbeamte: der Postmeister und der Armenhausverwalter.) 55 Der Hofrat war von leidenschaftlicher Intoleranz. Jedem anders Denkenden fiel er heftig ins Wort. Wer widersprach, mußte sich auf die gröbsten Schimpfworte und auf den wütendsten Haß gefaßt machen, der in ihm zuweilen bis zur eigenen physischen Erlahmung tobte. "Ich habe es oft erlebt", schreibt der Neffe, "wie seine Sympathien sich plötzlich, durch eine Bemerkung veranlaßt, ins Gegenteil umkehren können, wie die gestrigen Freunde heute mit wahrer Wollust verdächtigt und beschimpft werden. Als ich dem Maler F. H. mein Erstaunen ausdrückte, daß er so lange mit ihm auskomme, antwortete er mir: Ich behandle ihn stets wie ein rohes Ei. Wie Seiling Gegner wurde Kein Wunder, daß gekränkte Eitelkeit einen solchen Menschen so schnell wieder aus der Nähe Rudolf Steiners entfernen und ihn zum haßerfüllten Gegner werden lassen konnte. Die große Kränkung seiner Eitelkeit erfolgte so: Seiling hatte eine Schrift geschrieben: "Wer war Christus?" Sie stellte z. Tl. ein schlechtes Plagiat namentlich aus internen Vorträgen Rudolf Steiners dar durch das er es aber besser zu machen vermeinte als dieser , z. Tl. eine spiritistische Verballhornung der Evangelien. Seiling brachte es z. B. fertig, die Erscheinungen Christi nach dem Tode als Materialisationen, die Himmelfahrt aber als Levitationserscheinung auszudeuten! Grotesker konnte er die geisteswissenschaftliche Forschung nicht verkennen als mit solchen Plattheiten. Ton und Niveau der Schrift waren dementsprechend. Seiling aber richtete nun das Ansinnen an den Philosophisch-Anthroposophischen Verlag, diese Schrift herauszubringen! Sie wurde, wie es nicht anders möglich war, abgelehnt, und damit war Seiling, der es nicht über sich brachte, soviel Selbsterkenntnis zu üben, um den Grund der absolut selbstverständlichen Ablehnung in sich zu suchen, der Gegner, als der er alsbald zu wirken begann. (Nicht ohne unfreiwilligen Humor ist die Tatsache, daß Seiling just diese unmögliche Schrift sie erschien dann 1915 in München in einem anderen Verlag "unter der suggestiven Macht Steiners" geschrieben haben will (s. o.), während in Wirklichkeit er das erbärmliche Machwerk Dr. Steiner aufzudrängen suchte!) 56 Seilings vorheriges Anhängertum Rudolf Steiner gegenüber schlug nun in Haß und Feindschaft um. "Von da an warf er sich mit glühendem Eifer der katholischen Kirche in die Arme", schrieb später der Neffe. Man sah den ehemaligen Materialisten, Spiritisten, Theosophen nun gelegentlich sogar liegend vor dem Altar der Ludwigskirche in München. "Er kennt eigentlich nur Extreme: Verehrung, Verachtung oder besser gesagt: Schwärmerei, Schmähung." "Was ein bisschen was ist, ist katholisch", sagte nun der Hofrat. Anfang 1917 erschienen dann seine Aufsätze gegen Rudolf Steiner in den "Psychischen Studien", 1918 seine Schmähschrift. "Den typischen Renegaten nennt ihn treffend der Steiner-Gegner Chr. Gahr (a. a. 0. Anm. 82), und er warnt (42) mit Recht davor, Seiling (und Bamler) anders als mit peinlichster Sorgfalt heranzuziehen. Seilings Werdegang und seine Taten sprechen für sich. Wer aber wie der Schreiber dieser Zeilen ihn außerdem auch noch persönlich gekannt hat, ihn und so manche "Kronzeugen" der Gegnerschaft auch gerade solche, auf die Seiling selbst sich so nachdrücklich beruft , der weiß es noch unmittelbarer, noch erlebnismäßiger, aus wie trüben Quellen kleinen, engen, gescheiterten Menschentums die schmutzige Flut hervorgequollen ist, die sich gegen den Großen wälzte, der diese Menschen duldete, ertrug, der ihnen gütig zu helfen suchte, den aber sie nie wirklich hatten verstehen können, der ihnen dann unbequem wurde, den sie endlich zu hassen begannen, weil ihre Eitelkeit bei ihm nicht das fand, woran sie sich nähren konnte. Manche von ihnen hatten wohl einmal aus dem höheren Teil ihres Wesens ihn gesucht, aber es siegte das Niedere in ihnen, und sie sanken um so tiefer. Seiling als Gegner Wir sind ihm schon wiederholt begegnet in den früheren Abschnitten dieser Arbeit und fanden ihn am Werk: Wie er z. B. die "Verdächtigung" Dr. Steiners als Juden lancierte (S. 23), wie er verleumderische Zitierkünste übte (S. 19, 20), wie er die geisteskranke Ruth zur Veröffentlichung ihrer "Erlebnisse" brachte (5. 39). Wir haben uns auch sonst schon mit 57 Vielem von dem zu befassen gehabt, was auch er vorbringt, und können uns daher hier mit einer kurzen Charakteristik seines Gegnerwirkens begnügen. Seilings Gegnerwirken! Es ist so recht ein Spiegel seines Charakters. Seine Schmähschrift gegen Steiner, nicht etwa eine sachliche Auseinandersetzung mit der Anthroposophie, stellt sich vielmehr dar als eine große Sammlung von Irrtümern, Torheiten, Mißverständnissen, Verzerrungen, Insinuationen, Perfidien, Verdächtigungen, objektiven oder subjektiven Unwahrheiten und Verleumdungen, vor allem gegen die Person und den Charakter des ehemals Verhimmelten, nunmehr Gehaßten. Wie ein verbogener Spiegel liefert die von Haß verzerrte Seele Seilings Zerrbilder von allem, was sich in ihr spiegelt. Da finden wir auf echt Seilingsch die angeblichen Widersprüche in Rudolf Steiners Entwicklung dargestellt (worauf schon 1917 Wöbcken und Wohlbold in den "Psychischen Studien" 190 f, 261 f erwiderten), da schlachtet er den "Fall" Bamler aus, da muß Ruth von ... u herhalten. Da beschwört er andere traurige Persönlichkeiten, auf deren Produkte er hereinfallen konnte (oder wollte). Da kehren immer wieder die typischen Wendungen des verdächtigen sollenden Klatschbasenstils, das Mitteilen von Gerüchten per "soll, Wendungen wie: "Natürlich liegt die Vermutung nahe, daß ... (41), "böse Zungebehaupten zudem, daß ... (41), oder: "Derartige Aussprüche sind ja allerdings bloße Behauptungen. Es ist jedoch bezeichnend, daß sie überhaupt aufgestellt werden konnten ... (43), "der zwar schwer beweisbare, aber immerhin bezeichnnde Vorwurf ... (47), "Diese Idee soll Steiner übrigens gestohlen haben. So behauptet ... (52). Einmal leistet Seiling sich folgendes: In den »Psychischen Studien« 1917, S. 124, hatte der Anthroposoph Deinhard die Hoffnung ausgesprochen, Dr. Steiner selbst werde auf einen vorangegangenen Aufsatz von Seiling eingehen oder dies durch einen seiner allernächsten Freunde tun lassen. Es schrieb dann u. a. Gustav Wöbcken gegen Seiling (S. 190 f). Daraufhin bezeichnete Seiling (S. 322) Wöbcken in Anführungszeichen als einen der "allernächsten Freunde" Steiners, mit der alleinigen Begründung, daß Deinhard die erwähnte Hoffnung, ein solcher werde Seiling antworten, ausgesprochen hatte. Diese an sich gewiß wenig bedeutungsvolle Stelle zeigt, wie Seilings Denkvermögen durch den Haß zuweilen fast bis zum Schwachsinn herabgemindert erscheint. Ähnlich, wenn er z. B. (S. 51 seiner Schrift) aus der Überschrift von Steiners 1919 veröffentlichtem "Aufruf an das deutsche Volk und an die Kulturwelt" den Schluß zieht, Steiner rechne das deutsche Volk nicht zur Kulturwelt! Oder folgendes: Rudolf Steiner hatte einmal in einem Vortrag vom 26. April 1919 vor Arbeitern ausgeführt (S. 13), wie sozial notwendig es sei, daß die Menschen wieder innerlich viel a ktiver werden. Bisher sei es so gewesen, daß zuerst der Staat sie übernahm, für sie sorgte, ihnen Pension zahlte bis zum Tode; nach dem Tode wurden sie ins Grab "pensioniert von der Kirche Diese sorgte dies war der klare Sinn für das Leben nach dem Tode im Jenseits. Seiling aber macht daraus (a.a.O. 55): Um den materialistisch gesinnten Arbeitern nach dem 58 Munde zu reden, tatzt Steiner sogar nach dem kirchlichen Begräbnis. Man könnte zeigen, wie Seiling in seinem Haß mit der Zeit immer blinder geworden ist, so daß er seine Behauptungen gegenüber den ursprünglichen Formulierungen noch immer weiter verschärfte usw., oder wie er z. B. eine Stelle aus einer Schrift, die er 1914 selbst als einen Irrtum erklärte, 1917 gegen Anthroposophie ausspielt und dergl. ... wenn einen der Widerwille nicht abhielte, sich über das unbedingt notwendige Maß hinaus mit dem trüben, widrigen Gegenstand noch weiter zu befassen. Rohm Ein ehemaliges Mitglied der Theosophischen Gesellschaft war auch ein anderer Gegner: Karl Rohm [Steiner über Rohm], bei dem Seiling seine Schmähschrift in 2. Auflage herausgebracht hat. Rohm erschien eines Tages, als er noch Mitglied war, zu einer nur für Mitglieder bestimmten Feier, brachte dazu aber seine Frau mit, die nicht Mitglied war. Er wurde in schonendster Weise darauf aufmerksam gemacht, daß die Feier einen intimen Charakter habe, und daß daher, schon um keinen Präzedenzfall zu schaffen, nur Mitglieder anwesend sein könnten. Rohm bestand jedoch darauf, daß seine Frau dabliebe. Nun wurde ihm erklärt, daß die Veranstaltung nicht beginnen könne, solange noch Nichtrnitglieder im Saale wären. Hierauf verließ er mit seiner Frau schimpfend und unter Drohungen den Saal, meldete in einem groben Brief seinen Austritt an und ist seither der Gegner, als der er sich besonders in seinem Hetzblatt Der Leuchtturm" lebhaft betätigte. Dort schrieb er auch 2 Jahre vor dem Brand des Goetheanums (in der Oktobernummer 1920) die nachmals "berühmt gewordenen Sätze über das Goetheanum, welche die Astrologin Elsbeth Ebertin in ihrem Buch "Ein Blick in die Zukunft? (Freiburg 1921, S. 63) als "Drohungen "eines haßerfüllten Gegners Rudolf Steiners abdruckte (und ihnen dadurch um so größere Verbreitung gab): "Geistige Feuerfunken, die Blitzen gleich nach der hölzernen Mausfalle (so nannten das aus Holz erbaute erste Goetheanum seine Feinde) "zischen, sind also genügend vorhanden, und es wird schon einiger Klugheit Steiners bedürfen, »versöhnend« zu wirken, damit nicht eines Tages ein richtiger Feuerfunke der Dornacher Herrlichkeit ein unrühmliches Ende bereitet. 59 Dies mag genügen. Im übrigen sind Niveau, Gehalt und Methoden der Rohmschen Zeitschrift und ihres Herausgebers vor Jahren nicht nur in der Zeitschrift "Dreigliederung des sozialen Organismus (S. z.B. I, 16, 52), sondern auch von anderen unbefangenen Beurteilern derart treffend und erledigend charakterisiert worden, daß es sich erübrigt, auf dieses Thema heute zurückzukommen. Es sollte daher hier im Wesentlichen nur auf die Tatsache hingewiesen werden, daß es sich bei der völlig unqualifizierbaren Gegnerschaft auch dieser Persönlichkeit um etwas handelt, das in rein persönlichen Motiven erbärmlichster Art seinen eigentlichen Ursprung hat.
|
||||