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Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland e.V.

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Frankfurt am Main, den 22. Juni 1999

Bezug: Pressemitteilung vom 14. Juni 1999 und Pressekonferenz heute im Intercity Hotel Frankfurt

Pressemitteilung

Stärkere Wahrnehmung des Zeitgeschehens durch Anthroposophie gefordert
Vertreter der Anthroposophischen Gesellschaft und Wissenschaftler äußern sich anläßlich der Studie »Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus«


Frankfurt/Main. Für eine verstärkte Wahrnehmung des Zeitgeschehens durch die anthroposophische Bewegung und individuelles politisches Engagement hat sich ein Sprecher der Anthroposophischen Gesellschaft in Frankfurt ausgesprochen.

Eine allgemein verbindliche Linie kann es dabei jedoch dem Wesen der Anthropophie gemäß nicht geben, erklärte Justus Wittich vor Jorunalisten aus Anlaß der Vorstellung der wissenschaftlichen Studie »Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus«.

Die umfangreiche Studie, deren Erscheinen von der Anthroposophischen Gesellschaft unterstützt worden ist, liegt jetzt im Oldenbourg Verlag München vor. Die Bearbeitung des Themas wurde möglich durch die Öffnung und Auswertung der Archive der DDR und Moskau und zeige, daß es das NS-Regime bei der Anthroposophie mit einem grundsätzlichen ideellen Gegner zu tun hatte. Dies wurde von den Nazis frühzeitig erkannt, woraufhin nach Hetzkampagnen die Anthroposophische Gesellschaft als eine der ersten ideellen Gegenergruppen des Nationalsozialismus bereits 1935 verboten wurde.

Der Überlebenskampf der verschiedenen anthroposophischen Projekte führte zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen:
  • Ging man gegen den biologisch-dynamischen Landbau bereits 1933 mit Verboten vor, so kümmerten sich die Nazis kaumum anthroposophische Medizin, Pharmazie und Heilpädagogik.

  • Schlossen die damals bestehenden 8 Waldorfschulen wegen ständig zunehmender erdrückender Auflagen ihre Tore, so konnte die aus Neu-Guinea gebürtige Halb-Melanesierin Else Klink1936 bei der Reichskulturkammer erreichen, daß das Verbot der Bewegungskunst Eurythmie schon nach drei Monaten wieder aufgehoben wurde.

Die Studie vermittelt das detaillierte Bild eines Menschenzusammenhangs, der - auf individuelle Moral und Initiative gestützt - auf je eigenen Wegen der Unterwerfung unter den Nationalsozialismus widerstand.

Auf die Bedeutung der Fragestellung der Studie für die geistesgeschichtliche Erforschung des 20. Jahrhunderts wies der Historiker Bodo von Plato von der Forschungsstelle Kulturimpuls am Friedrich von Hardenberg-Institut Heidelberg hin.

Zwei prägende Ereignisse dieses Jahrhunderts seien die Erfahrungen des Totalitarismus sowie die Entwicklung der Esoterik gewesen, die sich aus kleinen Zirkeln am Jahrhundertanfang zu einer verbreiteten Kulturströmung an dessem Ende entwickelt habe. Gefahren und Chancen der Individualisierung lassen sich an diesen Erscheinungen ablesen, aber auch - das sei an der Auseinandersetzung von Anthroposophen mit dem Nationalsozialimus erkennbar - was auf persönlicher Autonomie und Entscheidungsfreiheit fußender Individualismus vermag.


Weiteres Material gerne auf Anforderung unter obiger Adresse.
Uwe Werner: Anthroposophen in der Zeit des Nationalsozialismus.
R. Oldenbourg Verlag, München 1999, 473 Seiten, DM 98,- .

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