| > themen > rassismusdebatte > nationalsozialistische gegner der anthroposophie Vorbemerkung: Am 15. März 1921 veröffentlicht der »Völkische Beobachter einen Leitartikel Adolf Hitlers mit dem Titel »Staatsmänner oder Nationalverbrecher«, in dem er Steiner als Juden verleumdet, der an der Verschwörung gegen das deutsche Volk beteiligt sei. Darin heißt es: "In London erklärt sich ein Mann, den das deutsche Volk zu seinem Unglück als Vertreter dorthin schickt, bereit, einen Vertrag anzunehmen, der die volle Versklavung und damit Vernichtung Deutschlands bedeutet. In jedem halbwegs anständigen Staat würde dieses Unterfangen dem Manne die Vorladung zum Staatsgerichtshof eingetragen haben. Ja, in Völkern mit primitiver und daher gesünderer Vernunft wäre die Antwort in Form einer seidenen Schnur erfolgt. In Deutschland schwindelt man dem Volk vor, daß sein Minister voll und ganz die Pflichten der Nation gegenüber erfüllt habe und drückt dem gewissenlosen Unterhändler den Dank seiner Nation aus. Es muß festgestellt werden, daß es eine glatte Belügung des deutschen Volkes ist, wenn man von Regierungs wegen behauptet, Simons hätte abgelehnt. Tatsache ist, daß Simons das Pariser Diktat auf 5 Jahre und damit praktisch für immer anzunehmen sich bereit erklärt hat. Als geradezu ungeheuerliche Unverfrorenheit muß es bezeichnet werden, wenn nun dieser Herr Simons, der nicht etwa ein vormärzlicher Gottesgnadenmensch ist, sondern Angestellter des deutschen Volkes, sich anmaßt zu erklären, das deutsche Volk könne seine Leistungsfähighkeit nicht richtig abschätzen. Es ist möglich, daß Simons das tatsächlich besser kann, der Mann scheint jedenfalls die Leistungsfähigkeit des deutschen Volkes sehr hoch eingeschätzt zu haben. Im Verlauf der Londoner Angelegenheit tauchen nun allmählich derartig geheimnisvolle Begleitumstände auf, daß es nicht nur zweckmäßig, sondern endlich notwendig ist, sich diesen Herrn Minister, intimen Freund des Gnostikers und Anthroposophen Rudolf Steiners, Anhänger der Dreigliederung des sozialen Organismus und wie diese ganzen jüdischen Methoden zur Zerstörung der normalen Geistesverfassung der Völker heißen, etwas näher daraufhin zu besehen, ob das geistlose Gesicht nach Lloyd Georges Meinung wirklich nur die Folge des Mangels an Geist ist, oder die Larve, hinter der sich anderes verbirgt. Sechs Tage später hält Steiner einen Vortrag in Stuttgart (GA 174 B, 21. März 1921), in dem er unter anderem ausführt: "Wie Sie ja wissen, gehen jene Angriffe ... die sich gerade auf die kulturpolitische Seite meiner Wirksamkeit beziehen innerhalb der Grenzen Deutschlands, hauptsächlich von derjenigen Seite aus, die man die »alldeutsche« nennen kann, und ich muß gewärtig sein, daß auf dieser Seite alles, was ich irgendwie vorbringe, in der wildesten Weise ausgedeutet wird. (S. 355) Zu Simons findet sich die Bemerkung: "Dagegen glaube ich, daß es durchaus richtig ist, was der gegenwärtige Außenminister Simons in seiner Stuttgarter Rede neulich gesagt hat; daß es nötig ist, die Schuldfrage ernsthaft zu behandeln. (S. 356) Auf S. 375 kommt Steiner auf die Anschuldigungen gegen ihn zurück: "es finden sich ja, wie Sie wissen, Leute [...] , die bringen es zustande, die verleumderischsten Dinge über den Generaloberst Moltke zu sagen, unter anderem auch die erlogene Absurdität, in Luxemburg wären vor der Marneschlacht anthroposophische Veranstaltungen getroffen worden und dadurch hätte der Generaloberst seine Pflicht nicht getan. Am Ende seines Vortrags greift Steiner erneut die Anschuldigungen der »Alldeutschen« auf: "So lange aber dasjenige was wahr ist, von seiten derer, die das Deutschtum in einer etwas eigentümlichem Weise gepachtet zu haben glauben, verleumdet wird, solange man von solchen Leuten Verräter am Deutschtum genannt wird, trotzdem dasjenige, was da gesagt wird, wenn es wirklich verstanden würde, einzig und allein geeignet wäre, dem wirklichen deutschen Volkstum seine ihm gebührende Stellung zu verschaffen, so lange kann es nicht besser werden. Die Menschen, die ganz anderen Willens sind, die vor allen Dingen des Willens sind, die Wahrheit zu erkennen, müssen sich zusammenfinden. (S. 380)
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