| > themen > rassismusdebatte > antisemitismusdebatte Zwei offene Briefe an Eva Ehrlich Verantwortliche der haGalil-Website 1. 07.05.2003 Brief an Eva Ehrlich, Verantwortliche i.S.d.P. für die haGalil-website Sehr geehrte Frau Ehrlich, verehrte hagalil-Redaktion, eine kursorische Suche nach dem Stichwort »Anthroposophie« auf der website judentum.net ergibt einige Links, davon zwei auf die website von haGalil: 5. Anthroposophen verharmlosen den Holocaust URL: http://hagalil.de/hagalil/archiv/2000/04/anthroposophie.htm - 51k - 26 Mar 2003 --> Diese Datei stammt bzw. bezieht sich auf Vorgänge vom April 2000, installiert wurde sie aber am 26. März 2003. 6. Einschüchterung auf Waldorf-Art URL: http://hagalil.de/hagalil/archiv/2000/08/waldorf.htm - 56k - 26 Mar 2003 --> Die Meldung stammt bzw. bezieht sich auf Vorgänge vom August 2000, installiert wurde sie aber am 26. März 2003. Da diese beiden Artikel die einzigen sind, die Besuchern Ihrer website als Information über Anthroposophie angeboten werden (abgesehen von den Verweisen auf die ebenso obskuren Darstellungen auf der IDGR-Website), erhalten sie nur eine äußerst einseitige, um nicht zu sagen tendenziöse und verfälschende Auskunft über diese. Liegt es in der Absicht der Verantwortlichen von hagalil.com, politisch-tendenziöse Berichte zu verbreiten und damit Hunderttausende von Menschen zu diffamieren, die in den verschiedensten Lebensfeldern auf der ganzen Welt u.a. in Israel tätig sind, um das Ziel der Anthroposophie, Frieden zwischen den Menschen, zu verwirklichen? Ich hänge Ihnen an diese mail einen Artikel an, der vor einiger Zeit in der anthroposophischen Zeitschrift GOETHEANUM erschienen ist, der die authentischen Auffassungen Steiners zu einem Aspekt des Judentums zusammenfaßt: zur weltgeschichtlichen Bedeutung Abrahams. Diesen Artikel stelle ich Ihnen gerne zur Verfügung. Sie können ihn auf Ihrer website installieren, um Ihren Besuchern wenigstens einen kleinen Beitrag zu einer ausgewogenen Darstellung des Themas Anthroposophie und Judentum zur Verfügung zu stellen. Darüberhinaus könnten Sie im Sinne des Grundsatzes »audiatur et altera pars« und des Gerechtigkeitsideals, dem wohl auch Sie sich verpflichtet fühlen, auf die website der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland sowie des Bundes der Freien Waldorfschulen verweisen, auf denen sich eine Fülle von authentischen Informationen zum Thema finden. Mit freundlichen Grüßen Lorenzo Ravagli 2. 09.05.2003 Antwort von Eva Ehrlich Eva Ehrlich hat leider einer Veröffentlichung ihrer Antwort nicht zugestimmt. Im Folgenden der Antwortbrief auf die Entgegnung von Frau Ehrlich. 3. 21.05.2003 Zweiter Brief an Eva Ehrlich Sehr geehrte Frau Ehrlich, Sie erwähnen, daß sich in den letzten Jahren die kritischen Stimmen zur Anthroposophischen Gesellschaft vermehrt hätten, nennen die Vorwürfe des Antisemitismus und (esoterischen) Rassismus und verweisen auf die Website von Samuel Althof und das Buch von Kayser/Wagemann. Was die Vorwürfe als solche betrifft, so handelt es sich um tendenziöse Unterstellungen, die durch zwei wissenschaftliche Untersuchungen, die im Verlag Freies Geistesleben erschienen sind, längst widerlegt wurden (Rassenideale sind der Niedergang der Menschheit, I + II). Wesentlich zur Verbreitung des Gerüchtes eines angeblichen Antisemitismus hat die Redaktion des »Report« Mainz beigetragen, die sich aber im April 2001 öffentlich verpflichten mußte, die Behauptung zu unterlassen, an Waldorfschulen würden wegen antisemitischer Vorfälle vermehrt jüdische Kinder abgemeldet. Es handelte sich um nichts als unsubstantiierte Gerüchte. Eine der Hauptzeuginnen, Irina Knochenhauer, wurde Ende 2000 wegen Unterschlagungsverdachts als Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinde im Land Brandenburg fristlos entlassen. Frau Hecht-Galinski hat sich als ehemalige Berliner Waldorfschülerin, als Tochter eines Auschwitz-Überlebenden und langjährigen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland über die Absurdität der Report-Attacke in der »Allgemeinen Jüdischen Wochenzeitung« am 30.3.2000 deutlich genug geäußert. Was die Informations- oder Gewährsquellen betrifft, auf die Sie verweisen, so kann ich nur sagen, wenn das die Quellen sind, auf die Sich sich bei Ihrer Urteilsbildung über Anthroposophie stützen, dann unterscheidet sich diese Urteilsbildung in nichts von einer solchen, die lediglich aus den Publikationen von Eugen Dühring oder Heinrich von Treitschke schöpfen würde, um sich ein Urteil über das Judentum zu bilden. Althof zitiert zum Beispiel auf seiner Website einen Autor, der Benjamin Disraeli zitiert, um zu belegen, daß Steiner Antisemit gewesen sei, ohne zu wissen, daß er Disraeli zitiert, was an sich schon ein grotesker Vorgang ist. Es würde etwa dem Vorgehen entsprechen, Hertzbergs Sätze zu zitieren: Tragen die Juden möglicherweise selbst zum Antisemitismus bei? Die Antwort lautet grundsätzlich und unweigerlich: Ja, um Hertzberg zu einem Antisemiten zu stempeln oder dies als Argument für den Antisemitismus zu benutzen. Das ist im übrigen auch die Methode, die Margaret Chatwin in ihren Auslassungen über Anthroposophie auf ihrer Website praktiziert. Sie bezieht sich ihrerseits wieder auf trübe Quellen, wie das Buch des linksextremen Sektierers Bierl oder eine Arbeit des katholischen Politologen Zander. Die katholische Kirche hat ja bereits 1919 die Anthroposophie auf den Index gesetzt, aber nicht wegen Antisemitismus, sondern wegen Unchristlichkeit. Die IDGR-Website mag ja in anderer Hinsicht durchaus verdienstvoll sein, was ihre Auseinandersetzung mit der Anthroposophie anbetrifft, ist sie schlicht inkompetent und verdient insofern das Attribut obskur. Was Kayser und Wagemann anbetrifft, so ist deren Publikation für die oben genannten Vorwürfe irrelevant. Die beiden Autoren setzen sich allerdings in einer Art mit den Waldorfschulen auseinander, die sich qualitativ nicht von den Methoden unterscheidet, mit denen sich Antisemiten mit dem Judentum auseinandersetzen. Sie applizieren auf die Waldorfschulen ja auch ganz ähnliche Vorwürfe, wie sie früher und zum Teil auch noch heute auf das Judentum appliziert wurden bzw. werden, zum Beispiel das Stereotyp von der Verschwörung. Was das Argument anbetrifft, die Anthroposophische Gesellschaft weise nicht auf kritische Websites hin, so darf ich daran erinnern, daß Sie ja auch nicht auf Websites von Neonazis verlinken. Sollen denn diejenigen, die verleumdet werden, durch Links auf die Verleumder auch noch zur Verbreitung dieser Verleumdungen beitragen? Sollten Sie aber wünschen, daß von der Website der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland auf Ihre Website verwiesen wird, so richte ich einen solchen Link gerne ein, wenn Sie im Gegenzug einen Link auf die Website der Anthroposophischen Gesellschaft einrichten. Mit freundlichen Grüßen Lorenzo Ravagli |
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