| Paris, 6. September 2001 Französisches Appellationsgericht: Die Waldorfschulen vom Sektenvorwurf reingewaschen Die Berufungsinstanz des Strafgerichts von Paris hat am 6. September 2001 bestätigt, daß die von Jacques Guyard, dem Präsidenten der Staatlichen Untersuchungskommission »Die Sekten und das Geld« (Sozialist), während der 13-Uhr-Nachrichten von France 2 am 17. Juni 1999 geäußerten Sätze sehr wohl verleumderisch waren. Hingegen hat sie Jacques Guyard nicht persönlich verurteilt, mit der Begründung, er habe in seiner Eigenschaft als Präsident der parlamentarischen Kommission über »Sekten und Geld« interveniert, welche den Bund der Steinerschulen in Frankreich, den Mercure fédéral - den Bund der anthroposophischen medizinischen Assoziationen in Frankreich - und die Finanzgesellschaft der NEF beschuldigt hat. Der Gerichtshof hat aufgrund des Prinzips der Gewaltenteilung festgestellt, daß er nicht imstande sei, gegen einen parlamentarischen Bericht eine Maßnahme einzuleiten. Der Bund der Steinerschulen in Frankreich ist erfreut darüber, daß die Tatsache der Verleumdung, in erster Instanz anerkannt, in der Berufungsinstanz bestätigt wurde. (Guyard war am 21. März 2000 von der siebzehnten Strafkammer in Paris der Diffamierung für schuldig befunden, zu einer Geldstrafe von 20.000 Francs und zu einer Schadenersatzzahlung von 90.000 Francs verurteilt worden). In seinem Urteil hat der Berufungsgerichtshof bestätigt, daß die Steiner-Waldorf-Schulen zu Unrecht »illegaler, die individuellen Freiheiten schwerwiegend beeinträchtigender Praktiken« beschuldigt worden sind. Das Erziehungsministerium kam anläßlich der regelmäßigen Kontrollen, die in den Einrichtungen durchgeführt werden, zu demselben Schluß. Dies wurde auch von Jack Lang in einem Schreiben an den Bund der Steiner-Waldorf-Schulen vom 24. Juli bekräftigt: Ich kann Ihnen nur bestätigen, was Ihnen von den mit Ihnen in Kontakt stehenden Mitgliedern meines Kabinetts gesagt wurde: die gründlichen Kontrollen (...) haben keine Praktiken sektierischen Charakters offengelegt. Darüber habe ich Alain Vivien, den Präsidenten des interministeriellen Ausschusses zur Bekämpfung der Sekten, unterrichtet, der sich unsere Auffassung zu Herzen genommen hat." Im Mai 2001 haben zudem 25.000 Personen eine Petition zur Verteidigung der Steiner-Waldorf-Schulen unterzeichnet; zahlreiche Persönlichkeiten wurden für dieses Thema mobilisiert, etwa Albert Jacquard, der einen Aufruf verfaßte, diese originelle Pädagogik zu unterstützen. (Der 1925 in Lyon geborene, berühmte Genetiker ist Mitglied des französischen Nationalen Ethikrates und Verfasser zahlreicher Bücher, in denen er sich für den Erhalt der Vielfalt, für Behinderte und Benachteiligte einsetzt). Zur Erinnerung: Die Steiner-Waldorf-Schulen unterrichten in Frankreich in ihren 17 Schulen 2000 Schüler. Die Unterrichtsmethoden beruhen auf: + der Respektierung der Rhythmen des Kindes mit einer persönlichen Betreuung des Schülers, der in einigen Fächern unterstützt, in anderen bekräftigt wird, mit dem Ziel, in ihm den Lernenthusiasmus zu nähren; + die soziale Integration mittels der Ausübung künstlerischer und handwerklicher Tätigkeiten, mittels Praktika in Unternehmen ab dem Collège (ab dem 12. Lebensjahr); + die Öffnung für die Welt durch den Unterricht in zwei lebenden Fremdsprachen ab dem cours préparatoire (1. Klasse). Der Erfolg beim Baccalauréat (Abitur) beträgt 85%. Pressekontakt : Ariel Bamberger - 0033 01 40 29 93 77 (0033 06 08 18 37 97) |
||
| Zurück |