Alldeutsche Hetze des Prof. Fuchs
in Göttingen –
Initiative zu einer Volksabstimmung in Oberschlesien

Quelle: »Dreigliederung des sozialen Organismus« erschien von Juli 1919 bis Januar 1922 in Stuttgart

Dreigliederung, Nr. 38, 22. März, 2. Jg. 1921


Alldeutsche Hetze des Prof. Fuchs in Göttingen gegen die Dreigliederung

Am 18. Februar veranstaltete der Bund für Dreigliederung in Göttingen einen öffentlichen Vortrag. Dr. jur.
Roman Boos aus Dornach sprach über "Die großen Fragen der Gegenwart, die Anthroposophie und die Dreigliederung des sozialen Organismus”. Der Vortrag von Dr. Boos hinterließ bei dem ernst zu nehmenden Teil des Publikums einen bedeutenden Eindruck, und Professor Fuchs, welcher mit seiner Leibgarde erschienen war, trug durch sein Auftreten in der Diskussion und die packende Verteidigung des Dr. Boos eine empfindliche Schlappe davon.

In der folgenden Woche erhielten wir Kenntnis, daß in Göttingen auf Freitag, den 25. Februar, eine Protestversammlung gegen den Bund geplant sei. In den zu dieser Protestversammlung einladenden Inseraten in der Göttinger Presse wurden alle Stände und Parteien zur Vereinigung einer Abwehr der gegen Deutschlands Bestand gerichteten Umtriebe des Bundes für Dreigliederung aufgefordert, welche zur Abtrennung Oberschlesiens vom Deutschen Reich führen können. Der Hauptredner war
Professor F. Göppert. Als Einberufer zeichneten: „Vereinigte Verbände heimattreuer Oberschlesier, Ortsgruppe Göttingen”, nach Rücksprache und mit Zustimmung der großen politischen Parteien von links bis rechts.

Den Ausgangspunkt der Protestversammlung bildete die Tätigkeit der Breslauer Ortsgruppe des Bundes, welche in einer großen Anzahl von oberschlesischen Städten Vorträge über die Dreigliederung veranstaltet hatte und ein Flugblatt zur Verbreitung brachte, welches
die Einwohner Oberschlesiens aufforderte, zur Rettung Oberschlesiens die Dreigliederung einzuführen als die einzige Möglichkeit, die verwickelte oberschlesische Frage in einer von den Verhältnissen geforderten Weise zu lösen.

Herr Regierungsbaumeister Alwes aus Breslau, welcher an der Tätigkeit der Breslauer Ortsgruppe in Oberschlesien mitbeteiligt ist, versuchte zu Wort zu kommen und die Versammlung über den wahren Sachverhalt aufzuklären. Studentengruppen versuchten ihn daran zu verhindern, und nur durch das Eingreifen von Schriftleiter Schiller (Volksblatt) und von Prof. Hippel, welcher die Studenten an die Regeln des Anstandes erinnern mußte, konnte Herr Alwes u. a. sein Befremden darüber aussprechen, daß kein Vertreter der vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier in der Versammlung gesprochen hätte, obwohl sie in der Anzeige als Einberufer genannt waren.
Lehrer Munderloh als Vertreter dieses Verbandes mußte erklären, daß er nicht zu den Einberufern der Versammlung gehöre.

Die Versammlung nahm eine Entschließung an, in welcher gegen die Stellungnahme des Bundes für Dreigliederung protestiert wird, die zur Abtrennung Oberschlesiens vom Deutschen Reiche führen soll. Es wurde beschlossen, diese Entschließung dem Auswärtigen Amt zu übermitteln. Ein Antrag eines Gegners der Dreigliederung,
Herrn cand. chem. König, die Abstimmung über die Entschließung zu vertagen bis zu der von Herrn Alwes angekündigten Gegenversammlung am Samstag, um erst eine Klärung der Sachlage herbeizuführen, wurde mit starker Stimmenmehrheit abgelehnt. Die auf Sonnabend, den 26. Februar, geplante Gegenversammlung, in welcher Herr Alwes und Herr Mayen aus Breslau den wahren Sachverhalt öffentlich darlegen wollten, wurde von Herrn Polizeidirektor Warmbold, einem Freunde von Prof. Fuchs und Gegner der Anthroposophie und. Dreigliederung, im "Interesse der öffentlichen Ruhe, Sicherheit und Ordnung” verboten unter Berufung auf die Bestimmung des allgemeinen Landrechtes (a. d. 18. Jahrh.), Teil II, Tit. 17, § 10.


Fortsetzung der alldeutschen Hetze gegen Anthroposophie 1921


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